Donnerstag, 1. September 2005

Nach Monster-Hurrikan "Katrina": Politische
Chancen und Risiken für Präsident Bush!

  • Führungsstärke wie nach 9/11? Betroffene skeptisch

Hurrikan "Katrina" stellt den amerikanischen Präsidenten George W. Bush vor große politische Herausforderungen. Die Menschen in den betroffenen Gebieten erwarten viel von ihrem Präsidenten - und messen ihn an seiner Führungsstärke, wie er sie aus ihrer Sicht auch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gezeigt hat.

Bush, der wegen des Hurrikans seinen Urlaub in Texas vorzeitig beendet hat, könnte in diesen Krisenzeiten wieder ein Mal seine zuletzt bescheidenen Umfragewerte aufpolieren. Möglich wäre allerdings auch, dass der Präsident zur Zielscheibe der Hurrikan-Opfer wird, wenn diese jemanden suchen, den sie für zu langsame und kostspielige Aufbauarbeiten verantwortlich machen. Schon jetzt ist manchen das jüngste Auftreten Bushs "zu politisch".

Die schlichte Frage lautet, ob Bush seinen Ruf als volksnaher und tatkräftiger Staatschef, den er nach den Terroranschlägen in New York und Washington kultivierte, jetzt wiederbeleben kann - oder ob er den enormen Erwartungen seiner Landsleute nicht gerecht wird. Sollte Letzteres eintreten, könnte Bush einen hohen politischen Preis zahlen - ähnlich wie sein Vater 13 Jahre zuvor. Bush Senior wurde 1992 vorgeworfen, zu langsam reagiert zu haben, nachdem Hurrikan "Andrew" die Küste Floridas heimgesucht hatte.

"Es ist ein Gefühl hier, dass Bush immer noch der 9/11-Präsident ist, der dieselbe Magie auch hierher bringen könnte", so Elliott Stonecipher, ein unabhängiger Politik-Berater aus Shreveport im Bundesstaat Louisiana. Gleichzeitig gaben Stonecipher und andere politische Analysten zu bedenken, dass die Menschen sich sehr wohl bewusst seien, dass Bush von den Anschlägen des 11. September politisch profitierte. Deshalb seien sie jetzt auch besonders skeptisch. Sie könne jedenfalls dieses "Er tut das nur, weil seine Umfragewerte im Keller liegen" schon förmlich hören, sagte Stonecipher.

Bushs Umfragewerte sind in der Tat derzeit so niedrig wie noch nie zuvor. Die Hauptgründe dafür: Die wenig hoffnungsvollen Nachrichten aus dem Irak sowie die steigenden Öl-Preise.

Auch wenn nur wenige Amerikaner Hurrikan "Katrina" mit den Anschlägen vom 11. September vergleichen, so reflektieren viele Golf-Anwohner gleichwohl Bushs Auftreten nach den Terroranschlägen, wenn sie diskutieren, wie der Präsident auf die Hurrikan-Katastrophe reagieren sollte.

"Ich würde mir wünschen, dass er herunter kommt und die Menschen hier genauso unterstützt wie er damals die Menschen in New York unterstützt hat", sagte Trichia Key, eine 60-jährige Demokratin aus dem schwer getroffenen Biloxi im Bundesstaat Mississippi. "Er kann es. Wir haben gesehen, dass er es kann." Doch auch der Krieg im Irak könnte umfassenden Hilfsmaßnahmen für die Hurrikan-Opfer im Wege stehen, bemerkte Key verbittert. "Wenn nicht so viele Soldaten der Nationalgarde im Irak wären, könnten wir hier sicherlich mehr tun." (apa)

1.9.2005 14:06