"Duell um Deutschland" geschlagen: Harter Schlagabtausch Schröder vs Merkel im TV
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Trotz eines heftigen Streits um soziale und außenpolitische Kompetenz ist das erste und einzige TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin Angela Merkel am Sonntagabend weitgehend sachlich verlaufen. In der 94 Minuten dauernden Auseinandersetzung versprach die Unionskandidatin eine Verringerung der Ökosteuer um drei Cent. Merkel verteidigte sich gegen den Vorwurf Schröders, die von der Union geplanten Änderungen bedeuteten soziale Kälte.
Schröder kritisierte, dass die von Merkel versprochene Steuererleichterung von der geplanten Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte aufgefressen würde. "Wir werden das nicht tun", sagte der SPD-Politiker auf die Frage, ob eine rot-grüne Bundesregierung die Mehrwertsteuer erhöhen wolle.
Merkel begründete die Anhebung erneut mit der Notwendigkeit einer Senkung der Lohnzusatzkosten. Schröder warf der CDU-Vorsitzenden vor, den Menschen mehr Mittel entziehen zu wollen, als sie ihnen damit zurückgebe. Neben der geplanten Mehrwertsteuererhöhung nannte er die Abschaffung der Pendlerpauschale. "Im Ergebnis hätten die Menschen Steine statt Brot."
Der Kanzler kritisierte das Steuermodell des früheren Verfassungsrichters Paul Kirchhof scharf. Die Leidtragenden eines einheitlichen Steuersatzes wären etwa Nacht- und Schichtarbeiter. Das Modell des Finanzexperten aus Merkels Wahlkampfteam würde zu Einnahmeausfällen von 43 Milliarden Euro führen.
Mit Verweis auf die Arbeitslosenzahl von fünf Millionen sagte die CDU-Chefin zu den geplanten Reformen: "Sozial ist, was Arbeit schafft." Änderungen etwa beim Kündigungsschutz kämen jenen zugute, die jetzt keine Beschäftigung hätten. Schröder hob seine Sozialreformen hervor, die seit April zu wirken begonnen hätten.
Merkel bekräftigte ihre Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft der Türkei. Das müsse auch im Wahlkampf angesprochen werden: "Welche Grenzen Europa hat, das interessiert die Bürgerinnen und Bürger nun wirklich außerordentlich." Schröder warf Merkel vor, die strategische Bedeutung der Türkei zu verkennen.
Schröder verteidigte die Kritik seiner Frau an Merkel. Doris Schröder-Köpf hatte der Herausforderin vorgeworfen, mit ihrer Biografie habe sie nicht die Erfahrungen der meisten Frauen, Beruf und Familie unter einen Hut bekommen zu müssen. Der SPD-Politiker sagte, er sei "stolz", dass sich seine Frau als politische Journalistin in notwendige Diskussionen einmische.
Als Gründe für seine Ablehnung einer Koalition mit der Linkspartei nannte Schröder, dass "mit dieser Partei kein Staat zu machen ist". Sie habe lauter Illusionen, was die Wirtschaftspolitik angehe, und ihre außenpolitischen Vorstellungen würden Deutschland isolieren.
Umfragen: Schröder Sieger des Duells
Schröder ist nach ersten Umfragen klar als Sieger aus dem TV-Duell hervorgegangen. Eine repräsentative Halbzeit-Befragung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF vom Sonntagabend erbrachte, dass 46 Prozent dem Kanzler einen klaren Vorsprung gaben, 27 Prozent der Herausforderin.
Weitere 27 Prozent sahen keinen Unterschied. Die Umfrage von Infratest/dimap für die ARD ergab ähnliche Werte: Demnach empfanden 49 Prozent den Kanzler überzeugender, 38 Prozent die CDU-Chefin. Bei den unentschlossenen Wählern lag Schröder noch deutlicher vorne. 55 Prozent der Unentschlossenen fanden den Kanzler überzeugender, nur 22 Prozent die Herausforderin.
Allerdings konnte der Kanzler im Vergleich zu den ursprünglichen Erwartungen an die Kandidaten nicht so gut punkten wie Merkel: 21 Prozent der Befragten empfanden Schröder laut ZDF besser als erwartet, immerhin 19 Prozent schlechter und 60 Prozent sahen ihre Erwartung bestätigt. Dagegen kam Merkel bei 47 Prozent der Befragten besser an als von ihnen erwartet, bei 13 Prozent schlechter und 40 Prozent sahen ihre Erwartungen bestätigt.
Bei den Sympathie- und Glaubwürdigkeitswerten schnitt Schröder der ZDF-Umfrage zufolge deutlich besser ab als die CDU-Chefin, beim Thema Arbeitsmarkt aber schlechter. Der Umfrage zufolge fanden 37 Prozent den Kanzler glaubwürdiger, 28 Prozent hingegen Merkel und 34 Prozent sahen keinen Unterschied.
Als sympathischer empfanden 44 Prozent den SPD-Politiker, 27 Prozent hingegen Merkel und 27 Prozent konnten keinen Unterschied erkennen. Bei der Frage, wer eher Arbeitsplätze schaffen könne, konnte Merkel hingegen vorne liegen: Zehn Prozent votierten hier für Schröder, 30 Prozent für Merkel und 57 Prozent sahen beide gleichauf.
Der ARD-Umfrage zufolge lag Schröder hingegen auch bei der Kompetenz vorne. 53 Prozent empfanden den Kanzler als kompetenter, 31 Prozent hingegen Merkel. Im Einzelnen fanden 50 Prozent demnach Schröder beim Thema Wirtschaft besser, Merkel nur 39 Prozent. Bei den Steuern fiel das Ergebnis ähnlich aus (50 zu 36).
Beim Arbeitsmarkt lag Schröder hingegen nur bei 39 Prozent und Merkel bei 40 Prozent. Beim persönlichen Auftreten lag Schröder auch laut ARD klar vorn: 59 Prozent votierten für Schröder, 28 Prozent für Merkel. Als selbstbewusster empfanden 54 Prozent den Kanzler, 27 Prozent die Unionskandidatin.
(apa/red)
