Dienstag, 30. August 2005

Merkel hält sich vor TV-Duell bedeckt: "Ich bereite mich ordentlich vor, und das ist es"

  • Macht Ex-ZDF-Moderator Kanzlerkandidatin TV-fit?
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Die deutsche Unionskandidatin Angela Merkel lässt sich bei der Vorbereitung auf das TV-Duell mit Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht in die Karten schauen. Sie rüste sich für das Duell, indem sie Akten studiere, sagte die CDU-Chefin am Dienstag in einem RTL-Interview. Die Frage, ob sie dabei auch einen Coach brauche, ließ Merkel offen: "Ich bereite mich ordentlich vor, und das ist es".

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet in seiner jüngsten Ausgabe, Merkel werde vom ehemaligen ZDF-Moderator Alexander Niemetz für das Streitgespräch am kommenden Sonntag fit gemacht. Der 61-jährige Schweitzer, der bis Ende 2000 das "heute journal" moderierte, solle Merkel Sprechtraining erteilen und ihr Auftreten vor der Kamera verbessern.

Schröder will sich dagegen auf die Faktensammlung konzentrieren. Regierungssprecher Béla Anda hatte am Montag Vermutungen zurückgewiesen, Schröder werde für den Auftritt von seiner Frau Doris Schröder-Köpf trainiert. Der Kanzler beschränke sich - wie schon vor dem Duell mit Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im Jahr 2002 - auf das Aktenstudium.

Merkel rechnet bei dem Streitgespräch am kommenden Sonntag mit einem sehr hohen Zuschauerinteresse. "Es ist mir eine gute Möglichkeit, den Leuten noch mal zu sagen, was wir denken, was wir glauben und im direkten Austausch mit dem Bundeskanzler die Dinge gegeneinander zu stellen", sagte die Herausforderin. "Das Bedauerliche an diesem Wahlkampf ist, dass Bundeskanzler Schröder nicht für seine Partei spricht. Das wird sicherlich auch im TV-Duell zu berücksichtigen sein."

Der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender Phoenix darf das TV-Duell nicht übertragen. Phoenix habe die Diskussion zusätzlich mit der Gebärdensprache für Gehörlose begleiten wollen, sagte Programmgeschäftsführer Klaus Radke am Dienstag. Gescheitert sei das Vorhaben am Widerstand der Privatsender.

"Ich finde es sehr bedauerlich, dass angesichts der Zurückhaltung der Privaten ein nicht unbeträchtlicher Teil wahlberechtigter Bürgerinnen und Bürger bei einer so wichtigen Sendung ausgeschlossen wird", sagte Radke. Rund 100.000 Menschen sind nach Phoenix-Schätzungen in Deutschland betroffen. Der Sender wird das Duell zeitversetzt am späten Abend zeigen, dann aber ohne Gebärdensprache, weil um diese Zeit die Zuschauerzahl sehr gering sein werde.

N24-Chefredakteur Peter Limbourg entgegnete, dass auch die privaten Nachrichtensender N24 und n-tv in diesem Fall das Duell hätten übertragen dürfen. Im Übrigen sei es der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu klären, auf welche Art die Gebärdensprache ins Programm komme. Ein RTL-Sprecher schloss sich der Auffassung an und sagte, dass sieben Kanäle mit ein und derselben Sendung letztlich zu viele seien.

Das Duell wird am Sonntag ab 20.30 Uhr von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gezeigt. (apa/red)

30.8.2005 14:34