Bei EU-Verhandlungen mit Türkei: Schüssel will Alternative zu einer Vollmitgliedschaft
- Kanzler: "Wir wollen euch näher zu uns heranführen"
- "Sind einziges Land, das in dieser Frage Flagge zeigt"
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Bundeskanzler Schüssel hat sich für den Beginn von Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen, zugleich aber seine Forderung nach Alternativen für eine Vollmitgliedschaft bekräftigt. Niemand könne gegen einen Dialog sein. Aber den Türken sollte klar sein, wenn dieser nicht zu einem Beitritt führe, gäbe es eine sinnvolle Alternative, erklärte Schüssel in einem Zeitungs-Interview.
Man müsse den Türken sagen: "Ja, wir wollen euch näher zu uns heranführen. Wir bieten euch auch Anreize dafür. Wir sind durchaus bereit, über das Assoziationsabkommen hinauszugehen - bis hin zu einem EWR-Status, wie ihn Island oder Norwegen hat", betonte der Bundeskanzler in der "Kleinen Zeitung". Die EU dürfe nicht auf alles oder nichts setzen, sondern müsse in Alternativen denken.
Auf die Frage, ob dies nicht nicht ein radikaler Regelbruch in der Union wäre, antwortete Schüssel: "Ja, das muss etwas völlig Neues und anderes sein. Da bin ich auf radikale Art konkret. Wir sind das einzige Land, das in dieser Frage Flagge zeigt."
"Ein Ziel ist unverrückbar", unterstrich Schüssel: "Wir wollen die Türkei nicht alleine in der islamischen Welt verhungern lassen. Fest steht auch, was immer herauskommt: Unseren Arbeitsmarkt werden wir nicht öffnen...Es ist undenkbar, diese Freiheit einem Land wie der Türkei ohne Wenn und Aber zu gewähren."
Nach Ansicht Schüssels ist die Türkei derzeit nicht reif für einen Beitritt. Ankara sei jedoch "genügend vorbereitet...um Verhandlungen zu beginnen, die 20 Jahre und mehr dauern werden und ein offenes Ende haben". (apa)
