Erneut Brand in Pariser Wohnhaus: 7 Tote bei Flammenhölle in Einwandererquartier
- Drei Menschen verletzt - Defekt wohl Brandursache
- Unterkunft war erneut ein baufälliges Gebäude
·Verheerender Brand: Mindestens 17 Tote!
Pariser Wohnhaus ging in der Nacht in Flammen auf
Schon zum dritten Mal binnen fünf Monaten ist in Paris eine Notunterkunft für afrikanische Einwanderer in Brand geraten, und wieder waren die Opfer überwiegend Kinder. Bei dem Inferno im zentralen Marais-Viertel kamen in der Nacht auf Dienstag sieben Menschen ums Leben, darunter vier Kinder und zwei Schwangere.
Erst am Freitag waren bei einem ähnlichen Feuer im Südkosten der französischen Hauptstadt 17 Afrikaner getötet worden: Am 15. April kamen 24 Immigranten im Armenhotel "Paris-Opera" in Rauch und Flammen um.
Beim jüngsten Brand am späten Montagabend starb nach Polizeiangaben ein sechsjähriger Bub, den seine verzweifelte Mutter aus einem Fenster im vierten Stock geworfen hatte, um ihn vor dem Verbrennungstod zu bewahren. Die Leichen der schwangeren Frau und ihres zweiten dreijährigen Kindes wurden später in den Trümmern des Hauses gefunden.
Im selben Stockwerk wurde eine ganze Familie Opfer der Flammen - eine Frau, die mit Zwillingen schwanger war, ihr Ehemann und ihre beiden Kinder. Weiters wurden bei dem Brand 13 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Auch fünf Feuerwehrleute mussten behandelt werden.
Das Gebäude mit fünf Stockwerken wurde der Polizei zufolge von etwa 40 bis 60 Familien aus Afrika bewohnt, etwa die Hälfte von ihnen kam illegal nach Frankreich. Der Zustand des Hauses war den Behörden nach Angaben von Bezirksbürgermeister Pierre Aidenbaum als heruntergekommen und gefährlich bekannt. Das Gebäude wurde von den Besitzern aufgegeben, danach zogen Hausbesetzer ein. Die Stadt kaufte das Haus vor einem halben Jahr auf und begann vor einem Monat, nach Ersatzunterkünften für die Bewohner zu suchen.
Eine Nachbarin sagte, die Menschen dort hätten in einem erbärmlichen Zustand gehaust und sich ihr Wasser aus einem Hahn auf der Straße holen müssen. Die Polizei teilte mit, dass die Elektrizität von einem Nebenhaus abgezweigt worden sei. Hier könnte die Brandursache liegen, Gaszylinder und Matratzen am Boden hätten den Flammen dann zusätzliche Nahrung geboten. Brandstiftung wurde nicht als wahrscheinlich betrachtet.
Das Feuer brach vermutlich im ersten Stock aus. Etwa 130 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen und retteten mehrere Bewohner. Zwei Männer sprangen aus dem Fenster und wurden schwer verletzt.
Präsident Jacques Chirac äußerte sich bestürzt über den neuerlichen Brand und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Zugleich stellte er baldige Initiativen der Regierung in Aussicht, um die Situation der Einwanderer zu verbessern. Innenminister Nicolas Sarkozy hatte bei dem Brand am Freitag die Überbelegung von Armenunterkünften für die hohe Zahl der Todesopfer verantwortlich gemacht. Am Dienstag forderte er die Schließung solcher Häuser. In der Öffentlichkeit mehrten sich unterdessen die Stimmen nach konkreten Hilfen für die Betroffenen.
(apa)
