Freitag, 2. September 2005

Neuer Vorschlag der SPÖ zum Schulbeginn: Sitzenbleiben nur mehr auf freiwilliger Basis

  • Nur mehr, wenn es Kind, Eltern und Lehrer wollen
  • Lehrer-Ausbildung soll nur mehr an Unis stattfinden

Die SPÖ will das "pädagogisch antiquierte" Sitzenbleiben in der Schule abschaffen und nur mehr auf freiwilliger Basis weiterführen. Nur wenn Lehrer, Eltern und Kind dies gemeinsam wollen, soll eine Klasse wiederholt werden, forderte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser bei einer Pressekonferenz am Freitag. Die Lehrer-Ausbildung soll nach Ansicht der SPÖ in zehn bis 15 Jahren komplett an den Unis angesiedelt sein.

Das Wiederholen einer Klasse führe bei der Hälfte der Kinder dazu, dass sie nach dem darauf folgenden Unterrichtsjahr mit der Schule aufhören, so Niederwieser. Das "Büffeln" für die Nachprüfung wiederum verursache hohe Nachhilfekosten. Statt der Klassenwiederholung sei verstärkter Förderunterricht sinnvoller, so Niederwieser.

Bei der Lehrer-Ausbildung plädiert der SPÖ-Bildungssprecher zunächst für die Zusammenfassung der derzeitigen Pädagogischen Akademien und Institute in eigene Hochschulen für Pädagogische Berufe, wobei auch diese Lehrer für die AHS-Unterstufe ausbilden sollen. Mit einbezogen werden müsse auch die Kindergärtner-Ausbildung.

Langfristig will die SPÖ die gesamte Lehrer-Ausbildung aber an die Uni verlagern. Die vom Bildungsministerium geplante Differenzierung zwischen Unis (Ausbildung der Lehrer an höheren Schulen) und Pädagogische Hochschulen (Pflichtschullehrer-Ausbildung) sei eine "etwas künstliche", so Niederwieser. Es sei "widersinnig, den Anachronismus weiterleben zu lassen", nach dem gleichen Lehrplan und nach den gleichen Standards unterrichtende Lehrer an verschiedenen Einrichtungen auszubilden. Dies schränke nicht zuletzt den Spielraum beim Personal ein: Hauptschullehrer dürften nicht an der AHS-Unterstufen unterrichten, obwohl viele Gymnasien in bestimmten Fächern Pädagogen bräuchten.

Wie die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) plädiert Niederwieser für eine verpflichtende Lehrerfortbildung. Diese müsse auch mit Prüfungen verbunden sein. Stattfinden müsse diese nicht unbedingt an den Universitäten - auch an größeren Schulen wäre dies möglich, wobei die Direktoren die Koordination übernehmen sollten. Klar sei aber, dass die Fortbildung zu den Aufgaben eines Lehrers dazu gehöre - diese sollten eine solche nicht ablehnen dürfen.

Weiters fordert die SPÖ eine Anhebung der seit 1999 nicht mehr erhöhten Schülerbeihilfe sowie eine Initiative von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) für eine langfristige Koordinierung der Schulferien in Europa.

Auch BZÖ für universitäre Lehrerausbildung, aber gegen freiwilliges Sitzenbleiben
Gegen das freiwillige Sitzenbleiben spricht sich BZÖ-Bildungssprecherin Mares Rossmann aus. "Ein Aufsteigen mit mehreren Nicht Genügend, möglicherweise schon in der Volksschule, kommt so nicht in Frage", so Rossmann in einer Aussendung. Dies würde auf jeden Fall eine Absenkung des Niveaus zur Folge haben. Wenn das Lernziel nicht erreicht werde, seien die Probleme in den Folgejahren vorprogrammiert.

Grundsätzlich solle in jedem Gegenstand, der negativ beurteilt wurde, eine Wiederholungsprüfung abgelegt werden, so Rossmann. Vorstellen kann sie sich aber eine mögliche Wiederholung dieser Nachprüfung.

Eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer an Universitäten fordert Sportstaatssekretär Karl Schweitzer (B). "Bevor man jetzt eine Zwischenlösung mit den Pädagogischen Hochschulen fixiert, sollte man zumindest über eine gemeinsame Architektur für die Lehrerausbildung reden", so Schweitzer im "Standard" (Freitag-Ausgabe).

"Es ist mir zu wenig, nur zu sagen, wir wollen die Zahl der Pädagogischen Akademien reduzieren, aber ansonsten bleibt alles gleich - bis auf den Namen", meinte der ehemalige FP-Bildungssprecher, "wir brauchen die Parallelstruktur nicht, sie macht qualitätsmäßig keinen Sinn und kostet unnötig viel". Damit befindet er sich auf einer Linie mit der SPÖ und im Widerspruch zum Regierungspartner ÖVP, der über die Pädagogischen Hochschulen (PH) weiter eine Trennung der Ausbildung für Pflichtschullehrer (PH) und AHS- bzw. BHS-Lehrer (Unis) favorisiert.

Für "interessant" hält ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die vom Wiener ÖVP-Chef Johannes Hahn ins Spiel gebrachte und von der SPÖ befürwortete Akademisierung der Ausbildung von Kindergärtnern. Allerdings müsse in Wien zunächst Bürgermeister Michael Häupl (S) überzeugt werden, in diese Richtung einen Versuch zu starten - dabei "müsse es dann (ganz in sozialistischer Tradition) eine Abnahmegarantie dieser akademischen Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen" geben, verbunden "mit der Zusage, dass dadurch aber die Kindergartenkosten in Wien, die jetzt schon die höchsten im Bundesschnitt sind, nicht noch weiter steigen", so Amon in einer Aussendung.
(apa)

2.9.2005 11:47