Dienstag, 30. August 2005

Österreich geht voran: ÖBB führen als erste Bahn den Europäischen Lokführerschein ein

  • 785 Lokführer bekommen das neue Dokument
  • Auch ÖBB-Vorstand Huber macht den "Schein"

Als erste Bahn haben die ÖBB den Europäischen Lokführerschein eingeführt. In den kommenden Tagen erhalten 785 der insgesamt 4.500 Lokführer der Österreichischen Bundesbahnen das neue Dokument, das sie dazu berechtigt, auch auf anderen Bahnlinien Loks zu fahren.

Den ersten Europäischen Lok-Führerschein erhielt am Dienstag symbolisch der Salzburger Josef Promberger im Rahmen einer Pressekonferenz mit Martin Huber, Vorstandsdirektor der ÖBB-Holding AG und Wilhelm Haberzettl, Vorsitzender der Eisenbahner-Gewerkschaft (GdE), auf Gleis 1a am Wiener Westbahnhof überreicht. Promberger ist seit 1978 Lokführer in Diensten der ÖBB.

Am Rande der Veranstaltung verriet Haberzettl, dass auch Huber derzeit die Ausbildung zum Europäischen Lokführerschein macht: "Damit wird Österreich auch den ersten Vorstandsdirektor Europas haben, der diesen Schein besitzt." Mitte nächsten Jahres will Huber die Berechtigung für elektrobetriebene Loks erworben haben.

Die Grundausbildung für den Europäischen Lokführerschein ist eine umfassende und dauert 48 Wochen. Die Schulung an der Lok selbst dauert etwa im Fall der Europa-Taurus-Lok 30 Stunden, dazu muss pro Lok ein Skript mit technischen Daten beherrscht werden, das je nach Triebwagen laut Promberger zwischen 150 und 300 Seiten stark ist. Zwischen zehn und 15 verschiedene Loks müssen beherrscht werden.

Der Europäische Lokführerschein regelt als Zusatzbescheinigung zur nationalen Lizenz die besonderen Bestimmungen für das grenzüberschreitend arbeitende Personal. Bisher waren dazu bilaterale Anerkennungsverfahren nötig. Mit dem neuen Schein gibt es aber einen verbindlichen Kompetenzkatalog. Damit wird die Qualifikation des Lokführers an der Landesgrenze nicht mehr in Frage gestellt. Haberzettl: "Das ist Voraussetzung für einen sozialen und fairen europäischen Eisenbahnverkehr."

Laut Huber werden demnächst auch Deutschland und Frankreich mit der Einführung des Dokuments nachziehen. Derzeit fahren heimische Lokführer vor allem in Deutschland, Ungarn, Tschechien und Italien. In Österreich sitzen Ungarn, Deutsche und Slowaken an den Steuerknöpfen. (apa)

30.8.2005 11:41