Montag, 29. August 2005

Pfarrer wegen Besitz von Kinderpornos zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt

  • 1.600 kinderpornografische Dateien heruntergeladen

Wegen des Herunterladens von 1.600 kinderpornografische Dateien aus dem Internet wurde heute, Montag, ein 67-jähriger Pfarrer aus dem Pinzgau zu drei Monaten Haft auf Bewährung nicht rechtskräftig verurteilt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gaben keine Erklärung ab. Der Beschuldigte zeigte sich im Sinne des Strafantrages ("Pornografische Darstellung Minderjähriger", Anm.) voll geständig. Die Öffentlichkeit wurde von der Verhandlung ausgeschlossen.

Mit versteinerter Miene betrat der 67-jährige Pinzgauer den Verhandlungssaal. Um sich vor den Kameras zu schützen, setzte er sich mit dem Gesicht zum Fenster. Den Blick auf seinen Rücken verhinderte Verteidiger Karl Wampl, indem er sich vor dessen Sessel postierte. Bevor die Richterin auf Antrag des Rechtsanwaltes die Öffentlichkeit ausschloss, sagte der Geistliche noch ein paar Sätze: "Ich bin vom Amt enthoben und als Pfarrer suspendiert worden." Als Religionslehrer sei er seit eineinhalb Jahren in Pension.

Als Wohnadresse gab der Beschuldigte jene Gemeinde an, in der er als Pfarrer tätig war. "Er hat zugesagt, dass er bis zum 1. September alle seine Sachen aus dem Pfarrhaus herausräumen und sich eine Privatwohnung nehmen wird", erklärte der Generalvikar der Erzdiözese Salzburg, Johann Reißmeier, nach dem Prozess im APA-Gespräch.

Der Geistliche ist als Pfarrer zwar endgültig, als Priester aber nur vorläufig suspendiert. "Ich gehe davon aus, dass es diesbezüglich ein neues kirchliches Verfahren geben wird", so Reißmeier. "Die Angelegenheit ist sehr schwerwiegend und verwerflich. Der Schaden ist groß, der Kirche gegenüber ist ein großer Vertrauensverlust entstanden."

In ihrer Urteilsbegründung führte Richterin Ilona Mozes aus, dass ihr eine unbedingte Geldstrafe nicht gefalle. Sie halte eine Sanktionierung und die Weisung zu einer psychotherapeutischen Gesprächstherapie als primär den wichtigeren Weg. Falls der Beschuldigte die dreijährige Probezeit abgeleistet habe und weitere zwei Jahre unbescholten bleibe, werde sein Vorstrafenregister leer bleiben.

Im Rahmen der internationalen Operation "Xenia", wo gegen Kunden eines weißrussisches Kinderporno-Netzwerkes ermittelt wurde, hatte die Exekutive in Österreich rund 100 Verdächtige im Juni dieses Jahres ausgeforscht. Der Zugang zu den einschlägigen Internetseiten wurde mittels Kreditkarten bezahlt. Acht Salzburger wurden angezeigt. Zwei davon erhielten bei anderen Verfahren unbedingte Geldstrafen, der Pfarrer eine bedingte Freiheitsstrafe.
(apa)

29.8.2005 14:49