Montag, 22. August 2005

Wiener Pendler sind sauer: Verspätungen, mangelnde Infos und verschmutzte Züge

  • AK Bahn-Test zeigt Unzufriedenheit der Passagiere
  • 25 Prozent klagen über verdreckte Zug-Toiletten

Jeder dritte Pendlerzug aus dem niederösterreichischen Einzugsgebiet nach Wien ist verspätet. Das ist das zentrale Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Arbeiterkammer (AK) unter 278 Bahn-Pendlern, die täglich bis zu 100 Kilometer in die Bundeshauptstadt in die Arbeit und wieder retour fahren. Die Verspätungen betrugen zwischen drei und 90 Minuten - und in den meisten Fällen wurde darüber weder am Bahnsteig noch im Zug ausreichend informiert.

Die Pendler, die im Umkreis von 50 Kilometern außerhalb Wiens wohnen, haben im März für die AK das Bahnservice getestet und mindestens eine Woche lang auf der Fahrt zum Arbeitsplatz und nach Hause ein Tagebuch geführt.

Die meisten Verzögerungen gab es dabei auf der niederösterreichischen Nord-Strecke von Mistelbach, Laa an der Thaya und Stockerau nach Wien - dort war laut den Befragten jeder zweite Zug verspätet. Die Pendler beklagten dabei vor allem, dass sie über Verspätungen weder am Bahngleis (in 61 Prozent der Fälle) noch im Zug (in 85 Prozent der Fälle) informiert wurden.

Fast jeder Zweite verpasste wegen der Verspätung seinen Anschluss. Vor allem für Pendler aus dem Norden (Mistelbach und Laa) und Westen (Wienerwald und St. Pölten) war es offensichtlich schwierig, in ein anderes öffentliches Verkehrsmittel umzusteigen: So gaben 68 Prozent der "Nord-Pendler" und jeder zweite "Westeinpendler an", die Anschlussverbindung versäumt zu haben.

Ebenfalls in der Kritik: Die Sauberkeit in den Zügen. Jeder Vierte gab an, dass das WC nicht sauber sei. 13 Prozent meinten, "dass es im Zug schmutzig ist" - besonders Pendler aus dem Nordosten wie Gänserndorf oder Marchegg klagten über Dreck in der Bahn.

Die Arbeiterkammer forderte am Montag angesichts der Ergebnisse eine Verbesserung des Bahnangebots und des Services und eine Erhöhung der Pendlerpauschale um 15 Prozent. Immerhin würden über 190.000 Arbeitnehmer täglich aus Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark nach Wien pendeln. "Seit Jänner 2000 sind die Bahn- und Buspendler sechs Mal belastet worden, die Tarife sind um bis zu 40 Prozent teurer geworden", sagte AK Verkehrsexpertin Doris Unfried, "sie zahlen für die verfehlte Nahverkehrspolitik der Regierung drauf. Das ist unfair."

Den Plänen der Regierung, den öffentlichen Nahverkehr zur Gänze in die Verantwortung der Länder zu übertragen und ihnen auch Bau, Erhaltung und Betrieb des regionalen Schienennetzes "aufzubürden", erteilte die AK in einer Aussendung eine klare Absage. Außerdem sollen, so die AK, die Mittel, die der Bund bereitstellen will, bis 2016 auf Basis des Jahres 2003 eingefroren werden.

Unfried: "Statt die Pendler ständig zu belasten, muss das Umsteigen vom Auto auf die Bahn attraktiver gemacht und der öffentliche Verkehr auf die Bedürfnisse der Pendler abgestimmt werden." Deshalb müsse vor allem der Bahnausbau in der Ostregion vorangetrieben werden.

VCÖ fordert Verbesserungen
Anlässlich der AK-Pendlerbefragung unterstrich der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erneut seine Forderung nach mehr Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Der VCÖ verlangt auch wegen der steigenden Spritpreise mehr Bahnverbindungen für Pendler.

"Die Schweiz zeigt, dass der Politik der öffentliche Verkehr etwas Wert sein muss. In Österreich fehlt in weiten Teilen der Verkehrspolitik dieses Verständnis", sagte VCÖ-Experte Martin Blum fest. Auch ein VCÖ-Bahntest unter 4.200 Bahnpendlern habe gezeigt, dass sich die Fahrgäste von der Politik nicht vertreten fühlen. 52 Prozent der Fahrgäste stellten fest, dass die Verkehrspolitik die Anliegen der Fahrgäste nicht vertritt.
(apa/red)

22.8.2005 09:52