Donnerstag, 25. August 2005

Wiener Frauenbericht 2005: Einkommen ist in Hauptstadt höher als in Rest-Österreich

  • Geschlechter-Einkommensunterschiede geringer
  • Aber: Arbeitslosenquote über Bundesdurchschnitt

Frauen verdienen nach wie vor wesentlich weniger als Männer - darauf verwies Frauenstadträtin Sonja Wehsely in einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des "Situationsberichts Frauen in Wien 2005". Deren Lebens-, Arbeits- und Einkommensbedingungen seien aber in Wien besser als in Rest-Österreich.

Netto verdienen unselbstständig beschäftigte Männer österreichweit 56,2 Prozent mehr als Frauen, in Wien seien es 36 Prozent, meinte Wehsely. Studien würden zeigen, dass nur ein Teil der Einkommensnachteile durch unterschiedliche Erwerbsbiografien erklärbar seien, so die Frauenstadträtin. Hier kämen nach wie vor Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts zum Tragen: "Frauen können im Job weniger leicht vorrücken, weil sie Kinder bekommen könnten", so die Stadträtin.

Wien hat höchsten Frauenanteil
Weitere Ergebnisse des Situationsberichts: Wien hat mit 52,5 Prozent im Vergleich zu anderen Gemeinden den höchsten Frauenanteil. Wehsely verwies auch auf deren hohen Bildungsstand. Die Hauptstadt könne auf die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten verweisen. Jüngere Frauen in Wien seien auch besser ausgebildet als gleichaltrige Männer.

Hohe Frauenerwerbsquote
Die Frauenerwerbsquote sei erfreulich hoch: Sie betrage 79 Prozent, österreichweit nur 64,2 Prozent. Dies sei unter anderem auf das dichte Netz von ganztägigen Kinderbetreuungseinrichtungen und die vielfältigen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zurückzuführen.

Arbeitslosenquote über dem Durchschnitt
Die Arbeitslosenquote von Frauen in der Hauptstadt liegt aber über dem Bundesdurchschnitt. Seit September 2004 sei die Quote jedoch kontinuierlich gesunken, während sie österreichweit gestiegen sei, betonte Wehsely. Die Studienautorinnen sahen hier Nachteile durch das von der Bundesregierung eingeführte Kindergeld. Viele Frauen, die die verlängerte Bezugsdauer in Anspruch nähmen, seien auf Grund des kürzen Kündigungsschutzes mit dem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes konfrontiert.

Halbe/Halbe wäre wünschenswert
Änderungsbedarf sieht Wehsely weiters im Bereich der Geschlechterbeziehungen. Auch wenn Wienerinnen im Österreichvergleich mehr Unterstützung durch den Partner erhalten bzw. mehr haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen könnten, würden sie immer noch den Großteil unbezahlter Arbeit wie Kinderbetreuung, Hausarbeit oder der Pflege von Angehörigen leisten.
(apa/red)


25.8.2005 09:03