"Ich bin noch lange nicht satt": Industrie- Tycoon Mirko Kovats im FORMAT-Interview
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Der Bank Burgenland-Deal mit Mirko Kovats ist vorerst geplatzt. Im FORMAT-Interview erzählt der Industrietycoon über die Bank Burgenland, seinen Investitionsstopp in Großpetersdorf und seine Pläne für die Zukunft.
FORMAT: Sie waren vergangene Woche in der Karibik, während Ihr Angebot für die Bank Burgenland hier von der Politik zerpflückt wurde. Hat Ihnen das die Strandlaune verdorben?
Kovats: In aller Bescheidenheit: Wir haben eine Größenordnung erreicht, wo es nicht mehr so entscheidend ist, ob wir einen Deal machen oder nicht. Es kommen immer neue Gelegenheiten. Auf meine Laune hat das nicht viel Einfluss.
FORMAT: Dachten Sie in der Karibiksonne nie daran, den Hut draufzuhauen?
Kovats: Warum denn? Ich wollte die Bank Burgenland ja haben. Aber nicht um jeden Preis.
FORMAT: Die Bank Burgenland haben Sie jetzt trotz Ihrer Nachbesserung nicht bekommen?
Kovats: Das hat der Landtag entschieden. Der Vertrag war fertig.
FORMAT: Die Kritik an Ihrem Engagement ärgert Sie?
Kovats: Die Opposition ist für Kritik da. Das übliche Wahlkampfgetöse. Kein Grund, auszuwandern.
FORMAT: Der Versuch, unter dem Druck von Landtagswahlen zu verkaufen, war auch suboptimal.
Kovats: Das müssen Sie der Politik sagen. Ich wundere mich nur über das Niveau der Auseinandersetzung. Da geht es nur noch um politisches Kleingeld. Insofern bin ich schon enttäuscht.
FORMAT: Warum haben Sie Ihr Offert nicht länger aufrechterhalten?
Kovats: Meine Geduld ist am Ende.
FORMAT: Warum wollten Sie nicht einen Rechnungshofbericht abwarten?
Kovats: Ich warte sicher nicht bis nach der Wahl. Die Bank wird danach eh nur mehr die Hälfte kosten. Sollte neu ausgeschrieben werden, beteiligen wir uns wieder, aber ganz sicher mit einem niedrigeren Offert. Ich führe außerdem auch Gespräche über den Kauf einer anderen Bank. Ein Ausländer hat vor, sich aus Österreich zurückzuziehen.
FORMAT: Verstehen Sie den Vorwurf, Sie hätten die Bank zu billig gekriegt und dem Land wäre das Hauptrisiko geblieben?
Kovats: Verstehe ich absolut nicht. Immerhin hätte ich persönlich gehaftet ...
FORMAT: ... eine Haftung, die Sie erst im zweiten Schritt übernommen haben.
Kovats: Ja. Aber ich stehe prinzipiell zu Unternehmen, die ich kaufe. Das ist alles billiger Stimmenfang. Abgesehen davon ist ganz klar: Die Bank Burgenland kann nur erhalten werden, wenn keine andere österreichische Bank sie kriegt. Jeder, der aus der Szene kommt, kauft den Markt und die Kundenkartei und schließt den Rest. Ich habe nicht nur den besten Preis geboten, sondern auch die beste Lösung für die Bank.
FORMAT: Die Skepsis hat mit Ihrem Ruf zu tun, billig kaufen und schnell viel Geld verdienen zu wollen.
Kovats: Günstig kaufen ist besser als teuer, eine alte kaufmännische Weisheit. Ich stehe auch dazu, dass ich selbstverständlich schnell und gleichzeitig nachhaltig Geld verdienen will. Der Preis für die Bank Burgenland war so gesehen eh hart an der Grenze.
FORMAT: Werden Sie trotz des Scheiterns im Burgenland investieren?
Kovats: Also, ich leugne nicht: keine Bank - keine Investitionen im Burgenland. Wir wollten in Großpetersdorf ein Automotive-Projekt mit 200 Arbeitsplätzen realisieren. Jetzt haben wir uns innerhalb eines Tages für die Mittelslowakei entschieden und uns eine Option auf zehn Hektar Grund gesichert. Wir sind unter großem Zeitdruck, weil die Produktion Mitte 2006 laufen muss.
FORMAT: Die Burgenland-Option ist tot?
Kovats: Im Moment, ja. Es tut mir leid für Großpetersdorf. Aber wenigstens bleibt dort die Umwelt intakt, und die Frösche dürfen weiter quaken. Das freut die Grünen. Es hätte einige Möglichkeiten im Konzern gegeben: bei der ATB, bei Emco und auch bei der Unaxis. Aber wenn man mich nicht will, bauen wir eben in Osteuropa oder in Asien.
FORMAT: Haben Sie als Mann mit ungarischen Wurzeln ein Naheverhältnis zum Burgenland?
Kovats: So wie ich hat fast jeder Österreicher irgendwo Wurzeln. Mein Vater kam 1904 mit fünf Jahren nach Wien. Ich bin ein echter Wiener, wenn auch kein raunzender. Abgesehen davon würde ich mich im Burgenland nicht aus Altruismus engagieren, das kann ich mir nicht leisten.
FORMAT: Altruismus würde Ihnen kaum wer zuschreiben. Bei Ihnen dreht sich alles um Gewinn.
Kovats: In der Wirtschaft dreht sich alles um Gewinn.
FORMAT: Aber Sie schließen aus, dass die Bank Burgenland für Sie ein Spekulationsobjekt wäre?
Kovats: Ja, das versichere ich. Ich habe noch nie etwas weiterverkauft.
FORMAT: Außer Ihre VA-Tech-Anteile.
Kovats: Weil der Mitgesellschafter schwierig war. Die ÖIAG mit einem weisungsgebundenen Vorstand ist kein einfacher Partner. Das gibt's sonst in keinem Aktiengesetz der Welt.
FORMAT: Der Aufbau des größten privaten Industriekonzerns Österreichs, wie Sie es formulieren, geht unabhängig vom Burgenland weiter?
Kovats: Daran arbeiten wir. Wir wollen einen europäischen Mischkonzern - Stichwort General Electric - schaffen.
FORMAT: Sie sind nicht irgendwann satt?
Kovats: Ich bin noch lange nicht satt.
FORMAT: Was wären denn noch lohnende Übernahmeziele in Österreich?
Kovats: Ich kann keine Namen nennen, glaube aber schon, dass sich hier immer wieder Chancen ergeben.
FORMAT: Quer durch die Branchen?
Kovats: Der rote Faden bleibt unser Kerngeschäft Maschinen- und Anlagenbau. Die Finanzdienstleistungen sehe ich komplementär dazu. Aber wir beginnen sicher nicht, Handelsketten oder Lebensmittelproduzenten zu kaufen.
FORMAT: Sie waren in letzter Zeit oft in Asien. Haben Sie sich Übernahmekandidaten angesehen?
Kovats: Ich war sehr oft in Asien, weil wir dort einiges vorhaben. In Indien gibt es bereits ein Kesselbauwerk, in China stellen wir schon Elektromotoren her und wollen weitere Produktionen errichten. Mein Partner Christian Schmidt ist gerade in Sydney, wo wir auch etwas im Auge haben.
FORMAT: In Deutschland hatten Sie den Anlagenbauer Müller Weingarten schon so gut wie in der Tasche.
Kovats: Ja, aber in dieser Causa herrscht Stillstand.
FORMAT: Herr Kovats, Sie tauchten 1997 mit der Übernahme von Emco plötzlich auf und jonglierten wenig später mit Milliarden. Viele Leute verstehen nicht, wie so etwas mit rechten Dingen zugehen kann.
Kovats: Die Leute müssen nur die Bilanzen der A-Tec-Betriebe lesen. Sie werden feststellen, dass wir ordentlich gewirtschaftet und so Eigenkapital akkumuliert haben - unter anderem, weil wir nichts ausgeschüttet und fast nichts herausgenommen haben.
FORMAT: Wie viel nehmen Sie heraus?
Kovats: Ich habe ein Jahresgehalt von 200.000 Euro, darüber können die meisten Manager nur lachen.
FORMAT: Aber noch einmal, das Eigenkapital eines Motorenbauers ATB erklärt doch nicht Megadeals wie VA Tech oder Unaxis. Sie sind ja quasi aus dem Nichts gekommen.
Kovats: Ketzerisch gesagt sind auch John D. Rockefeller, Bill Gates und Warren Buffett aus dem Nichts gekommen. Wir haben natürlich Finanzpartner, die uns begleiten: in New York, London, der Schweiz. Und wir sind in der Position, dort direkt mit den CEOs und nicht mehr mit den Sachbearbeitern zu reden.
FORMAT: Es wird immer wieder auch von Geldquellen in Russland gemunkelt?
Kovats: Behauptungen, die ich schon geklagt habe. Man trifft Russen hauptsächlich in London, aber für die ist das Kleinkram, was wir machen. Die fliegen mit dem Helikopter in die City, während wir uns im Taxi quälen.
FORMAT: Ihr Geheimnis ...
Kovats: Unser einziges Geheimnis sind Blut, Schweiß und Tränen: Firmen jahrelang gut zu führen und hart zu arbeiten. Ich spiele nicht Tennis, nicht Golf, habe auch sonst keine Hobbys. Mein Job ist knochentrocken und wenig glamourös.
Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!
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