War der Brau-Union-Verkauf ein bieriger Insiderdeal? FORMAT über den Skandal!
- 19 Personen sollen Millionen Euro verdient haben
- PLUS: Wie viel die Clans beim Deal abkassierten

Am 2. Mai 2003 wurde die Übernahme der österreichischen Brau-Beteiligungs AG und ihrer ebenfalls börsennotierten Tochtergesellschaft Brau Union durch die niederländische Heineken-Gruppe bekannt gegeben. Beim diesem Deal sollen 19 Personen illegal Millionen verdient haben - Österreichs größter Insiderskandal aller Zeiten? Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Der junge Wiener Staatsanwalt Georg Krakow kämpft sich gerade durch einen riesigen Berg brisanter Unterlagen. Unter der erdrückende Last der Indizien hat er bereits nach vier Wochen Vorerhebungen gegen 19 Personen eingeleitet. Der schwer wiegende Verdacht: Verstoß gegen das Börsengesetz durch illegale Gewinne in Millionenhöhe aus Insiderhandel. Ein Vergehen, für das - nach in diesem Fall gültiger alter Rechtslage - eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden kann.
Die Verhöre im mutmaßlich größten Fall von Insiderhandel in der österreichischen Börsengeschichte werden in Kürze beginnen: Mit der Durchführung von zeugenschaftlichen Einvernahmen hat Krakow ein Expertenteam der Finanzmarktaufsicht (FMA) betraut.
Noch wissen die Verdächtigen selbst nichts von der bevorstehenden Befragung durch die FMA. Denn die Vorladung in die Wiener Praterstraße 23, den Sitz der Finanzmarktaufsicht, wird den Betroffenen kurzfristig per Telefon zur Kenntnis gebracht.
Die FMA hat exakt 27 Monate Arbeit in die Causa investiert. In akribischer Kleinstarbeit trugen die Börsenspürhunde Informationen über Wertpapiertransaktionen, Kontonummern und Überweisungen zusammen, die rund um den 2. Mai 2003 getätigt worden waren.
Genau an diesem Tag wurde in einer eilig anberaumten Pressekonferenz die Übernahme der österreichischen Brau-Beteiligungs AG (BBAG) und ihrer ebenfalls börsennotierten Tochtergesellschaft Brau Union durch die niederländische Heineken-Gruppe bekannt gegeben. Die Holländer kauften sich damals um exakt 1,9 Milliarden Euro in den größten Braukonzern Zentral- und Osteuropas ein.
Laut der mehrere hundert Seiten starken Dokumentation der FMA-Ermittler fand in den Wochen vor der Veröffentlichung des Heineken-Deals ein besonders reger Handel in BBAG-Aktien statt. Das Pikante daran: Die Orders für die Aktientrades kamen von Mitgliedern der BBAG-Eigentümerfamilien und unternehmensnahen Personen - ein glatter Verstoß gegen das Börsengesetz.
Konkret werden die 19 Personen nun des Insidertradings verdächtigt: Auf Basis nicht öffentlich zugänglicher Informationen sollen sie sich so eine goldene Nase verdient haben. FMA-Vorstand Jörg Pribil gegenüber FORMAT: "Der aktuelle Fall hat vom Umfang und seiner Komplexität her sicher eine große Dimension."
Die Sachverhaltsdarstellung landete vor vier Wochen bei der Staatsanwaltschaft Wien. Darin werden sowohl die lukrierten Gewinne als auch die angewandten Praktiken penibel dokumentiert. Angesichts der Höhe einzelner Geschäfte - eine Person soll an einer Transaktion gar mehrere Millionen Euro verdient haben - entwickelt sich der Aufsehen erregende Heineken-Deal zwei Jahre nach der Bekanntgabe nun zum lupenreiner Wirtschaftskrimi. Laut den "Oberösterreichischen Nachrichten" werden konkret diverse Mitglieder der weit verzweigten Eigentümerfamilien Beurle, Büche und Kretz verdächtigt.
Bei den Vertretern der unter Verdacht stehenden Familien herrscht daher helle Aufregung. Brau-Union-Präsident und Wirtschaftsanwalt Ludwig Beurle: "Ich kenne die Sachverhaltsdarstellung der FMA nicht und kann daher auch keine Stellungnahme dazu abgeben. Über die Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft habe ich erst aus den Medien erfahren. Für meine Person schließe ich jede Verwicklung in Insidergeschäfte zur Gänze aus. Ich gehe davon aus, dass das auch für die Mitglieder der GeBAG-Familien gilt." Der rund 700 Personen umfassen-de Aktionärskreis der Getränke-Beteiligungs AG (GeBAG), welche die Interessen vieler BBAG-Familien zusammenfasst, steht ebenfalls im Fadenkreuz der FMA.
Auch Heineken-Vorstand Karl Büche und Ex-BBAG-Großaktionär Fritz Kretz, deren Clans rund 95 bzw. 110 Millionen Euro am Heineken-Deal verdient haben, wehren sich gegen die Vorwürfe. Kretz: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt Insidergeschäfte gemacht. Die Vorwürfe der FMA gegen meine Familie entbehren jeder Grundlage."
Wie viel die Clans beim Heineken-Deal kassierten
- Mautner-Markhof-Clan: Die Mitglieder der Senfdynastie kassierten beim Heineken-Deal rund 150 Millionen Euro.
- Familie Beurle: Die oberösterreichische Eigentümerfamilie sahnte beim BBAG-Verkauf etwa 150 Millionen Euro ab.
- Gruppe Büche/Falkensammer: Die Familie von BBAG-Boss Büche durfte sich über 95 Millionen Euro freuen.
- Familie Kretz: Oberhaupt Fritz Kretz und seiner Familie brachte der Heineken-Deal insgesamt rund 110 Millionen Euro.
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