Mittwoch, 24. August 2005

Knalleffekt im Tauziehen um die Bank Burgenland: Kovats zieht Angebot zurück!

  • LH Niessl: "Investorenfeindliche Begleitumständen"
  • PLUS: Auch Spielberg-Projekt in Slowakei verlegt

Der Industrielle Mirko Kovats gab am Mittwoch - knapp drei Tage nach der Präsentation des ausverhandelten Vertrages - seinen Rückzug aus dem Bank Burgenland-Verkauf bekannt. Am Nachmittag informierte Kovats schriftlich Landeshauptmann Hans Niessl (S), dass er "nicht in der Lage und bereit" sei, unter den gegebenen "investorenfeindlichen Begleitumständen" im Burgenland sein eigenes Geld zu investieren. Die Bank soll nun nach der Landtagswahl neu zum Verkauf ausgeschrieben werden, kündigte Finanzlandesrat Helmut Bieler (S) an.

Seine Entscheidung, nicht im Burgenland aktiv zu werden, begründete Kovats mit "Zeitdruck". In der Slowakei habe man hingegen eine Investition "sehr begrüßt" und innerhalb weniger Tagen die Voraussetzungen einschließlich aufgeschlossenem 10 Hektar Industriegrundstück geschaffen. Nahe dem mittelslowakischen Automobil-Cluster will Kovats in den nächsten vier Jahren 70 bis 80 Mio. Euro investieren und in Summe 400 Arbeitsplätze schaffen. Außer einer geplanten Investition im südburgenländischen Großpetersdorf will Kovats auch den angekündigten Ausbau der steirischen ATB Austria Antriebstechnik nun in der Slowakei statt am ATB-Hauptstandort Spielberg (Steiermark) verwirklichen.

Grüne: "Segen für das Land"
"Das Scheitern des Kovats-Deals ist ein Segen für das Land", erklärte dagegen Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (V). Der Verkauf an Kovats sei mit unabwägbaren Risiken und der Gefahr eines weiteren Finanzdebakels für das Land verbunden gewesen.

Die Freiheitlichen wiederholten ihre Forderung nach Einberufung eines Sonderlandtags. "Bei dieser Sitzung muss der Beschluss gefasst werden, die Bank im Rahmen eines öffentlichen Bietverfahrens zu verkaufen", erklärte Landesparteiobmann Johann Tschürtz.

Die Grünen sind weiter für eine Umsetzung des Landtagsbeschlusses vom Montag, der vorsieht, dass alle - am Montag waren es noch vier - Angebote für die Bank Burgenland ausverhandelt und verglichen werden. "Wenn Mirko Kovats vor einem solchen fairen Vergleich kneift, dann spricht das wohl für sich", so Klubobfrau Grete Krojer.

Finanzlandesrat Bieler meinte, bei einer neuen Ausschreibung nach der Landtagswahl biete sich die Chance auf neue Interessenten aus ganz Europa. Dann würden sich auch "die Gemüter wieder abkühlen". Auch im neuen Verkaufsprozess sollen die Verhandlungen wieder durch die HSBC geführt werden, politische Entscheidungen werde dann die Landesregierung treffen. Die Bank sei "saniert und so aufgestellt, dass sie Geschäfte machen kann." Daher rechnet Bieler mit zahlreichen Offerten. Er zeigte sich aber weiterhin davon überzeugt, dass das Angebot von Kovats unter den vorhandenen Offerten aus "betriebswirtschaftlicher Sicht" das Beste gewesen sei.

Unterdessen ist die Debatte um die Bank Burgenland auf Grund der Konsequenzen für den ATB-Standort Spielberg nun auch im steirischen Wahlkampf ein Thema. Anfang April waren Pläne vorgestellt worden, wonach der börsenotierte Kleinmotorenhersteller seinen Standort für 50 Mio. um einen "Automotiv-Bereich" erweitern und damit zusätzlich zu den bestehenden 800 Jobs 300 weitere Arbeitsplätze schaffen wollte. Bestehende Jobs seien in Spielfeld nicht gefährdet, die Erweiterungsinvestitionen würden nun aber in der Slowakei getätigt, sagte Kovats am Mittwoch.

(apa/red)

24.8.2005 16:38