Hohe Kosten bis ins hohe Alter: Banken bieten kaum günstige Konten für Senioren
- AK: Pensionisten werden von Banken vernachlässigt
- Automatisierung in Instituten stört ältere Menschen
Bei Wiener Banken gibt es für Pensionskonten kaum günstigere Konditionen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Test der Arbeiterkammer von 13 Banken mit Filialen in Wien. "Während Jugendliche und Studenten von den Banken mit kostenlosen Konten und günstiger Verzinsung umworben werden, stellen Pensionisten eher eine vernachlässigte Kundengrupppe dar, obwohl bereits mehr als ein Fünftel der Bevölkerung in Österreich über 60 Jahre alt ist", so AK-Wien Konsumentenschützer Harald Glatz.
Nur drei Banken (BAWAG, NÖ-Hypo Bank, Wiener Spar- und Kreditinstitut) bieten für Pensionskonten günstigere Konditionen an. Alle anderen getesteten Kreditinstitute machen keinen Unterschied zwischen den Kontopreisen von Gehalts- und Pensionskonto.
Die jährlichen Kontokosten sind sehr unterschiedlich. Für das günstigste Pensionskonto fallen jährliche Kosten von 26,25 Euro an (Sparda Bank Wien), für das teuerste werden Kosten von 97,29 Euro (Volksbank Wien) verrechnet. Verglichen wurden dabei die jährlichen Kosten eines "Normalnutzers" mit 240 Buchungen pro Jahr ohne Kontoüberziehung.
Automatisierung stört Pensionisten
Kritisiert werden auch die zunehmende Automatisierung im Zahlungsverkehr und die hohen Kosten bei der Bargeldbehebung an der Kassa. "Aus der Konsumentenberatung der AK Wien wissen wir, dass sich viele Pensionisten dabei unwohl fühlen bzw. keine Möglichkeit haben, Internet zu nutzen. Die Banken müssen auf die Bedürfnisse dieser Kundengruppe eingehen und günstige Alternativen schaffen", fordert Glatz.
Die vielen Bankomatkartendiebstähle und der damit verbundene Missbrauch führe zu Verunsicherungen. Viele Pensionisten lehnten die Nutzung der Maestro-Karte (Bankomatkarte) ab, fühlten sich bei der Geldbehebung am Automaten, vor allem im Freien, unsicher. Bei der Bargeldbehebung an der Kassa verrechnen laut AK-Test mehr als die Hälfte der Banken Spesen bis zu 1,55 Euro (Erste Bank). Werde einmal in der Woche abgehoben, mache das im Jahr 80 Euro aus. Aus Kostengründen hohe Beträge auf einmal abzuheben, sei aber nicht empfehlenswert. Zur eigenen Sicherheit sollten hohe Bargeldbeträge nicht zu Hause aufbewahrt werden.
Spesen für zu frühes Abheben
Teuer kommen kann auch frühes Abheben. Die Pension wird schon Ende des Monats auf das Konto überwiesen, der Wert allerdings mit dem Ersten des Folgemonats gutgeschrieben. Der Betrag steht also erst mit Monatserstem zur Verfügung. Wird die Pension schon am 25. des Vormonats behoben, fallen jedenfalls Soll- und manchmal auch Überziehungszinsen an (valutarische Überziehung). Werden beispielsweise 1.000 Euro Monatspension bereits am 25. des Vormonats abgehoben, fallen dafür Sollzinsen an, die in diesem Fall mehr als 1,8 Euro für 5 Tage betragen. Werde jeden Monat zu früh behoben, fielen jährlich Sollzinsen von 22 Euro an. Sei kein Kontorahmen für Überziehungen vereinbart worden, erhöhe sich der Betrag auf Grund der Überziehungszinsen (18,25 Prozent) auf über 2,5 Euro für 5 Tage bzw. 30 Euro pro Jahr.
Die Bandbreite der verrechneten Zinssätze beträgt zwischen etwas mehr als 7,1 Prozent (Oberbank) und mehr als 13 Prozent (Bank Austria Creditanstalt) innerhalb des vereinbarten Rahmens. Wird das Konto darüber hinaus überzogen, werden noch 5 Prozent Überziehungszinsen verrechnet. Geld am Pensionskonto zu belassen lohne sich auf Grund der niedrigen Habenzinsen nicht, so die AK. Zwei Drittel der Kreditinstitute bieten lediglich eine Guthabenverzinsung von 0,125 Prozent an. Am besten schneidet die Easybank mit 1,75 Prozent ab.
Zudem seien mittlerweile die Bestimmungen weggefallen, dass Pensionskonten als Einzelkonten geführt werden müssen. Paare können also ein Gemeinschaftskonto führen. "Sich informieren, aufpassen und verhandeln", rät die AK den Pensionisten. (apa)
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