"Unglaublich, absoluter Wahnsinn": Rapid Wien feiert den Traum vom Einzug in die CL
- Hicke: "Auswärts kann man immer 1:0 siegen"
- Team als "Aschenputtel" in die Eliteliga Europas
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Europacup mit Rapid, GAK und der Austria
Für den österreichischen Fußball-Meister SK Rapid ist am Dienstag ein Traum in Erfüllung gegangen. Die Hütteldorfer lösten durch einen 1:0-Auswärtssieg gegen Lok Moskau das Ticket für die Champions League und stehen zum zweiten Mal nach 1996/97 in der Eliteliga, die durch den Triumph der Grün-Weißen erstmals seit 2000/01 (Sturm Graz) wieder mit österreichischer Beteiligung über die Bühne geht.
Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel im Rapid-Lager keine Grenzen. Die Spieler fielen einander in die Arme und ließen sich von den rund 200 mitgereisten Fans feiern. "Unglaublich, absoluter Wahnsinn", lauteten einhellig die ersten Kommentare der Kicker, die dem russischen Meister die erste Europacup-Heimniederlage seit März 2003 (0:1 gegen Real Madrid) zufügten. "Für die Spieler ist es ein ganz großer Erfolg und eine unschätzbare Erfahrung. Sie können sich jetzt auf höchster Ebene präsentieren", meinte Trainer Josef Hickersberger.
Während seine Schützlingen den Erfolg trotz Mittwoch-Trainings um elf Uhr noch etwas auskosteten, zog der Trainer am Tag danach nüchtern Bilanz. "Lok ist eine europäische Mittelklasse-Mannschaft, sonst hätte sie schon in Wien klar gewonnen. Wenn man in die Champions League kommen will, muss man eine europäische Mittelklasse-Mannschaft eliminieren, sonst hat man dort eh nichts verloren", so die trockene Analyse des Meistermachers.
Abwarten und dann zuschlagen als richtige Taktik
Hickersbergers Taktik, lange ein 0:0 zu halten und am Schluss alles auf eine Karte zu setzen, erwies sich als goldrichtig. Rapid hatte zunächst das nötige Glück (so etwa, als Schiedsrichter Mejuto Gonzalez eine elferverdächtige Attacke von Bejbl übersah), wurde aber mit Fortdauer der Partie immer stärker und schlug schließlich durch Jozef Valachovic in der 84. Minute zu. "Man hat gesehen, dass Lok verwundbar ist. Sie haben Nerven gezeigt und sich relativ früh zurückgezogen", sagte der 57-Jährige.
Trainer will nicht von "Wunder" sprechen
Als "Wunder" will der ehemalige Teamchef die Qualifikation für die Eliteliga nicht bezeichnen. "Kasan war ein Wunder. Da hatten wir nach dem 0:2 daheim eine weit schlechtere Ausgangsposition. Lok war normal. Auswärts kann man immer 1:0 gewinnen, das ist manchmal sogar leichter als daheim", bilanzierte Hickersberger, in dessen persönlicher Hitliste das Erreichen der Champions League hinter der Qualifikation für die WM 1990 oder dem Meistertitel rangiert: "In der WM-Qualifikation braucht man mehr als zwei Partien, um sich durchzusetzen. Und die Meisterschaft erfordert sowieso eine konstante Leistung über ein ganzes Jahr."
Hickersberger macht sich Sorgen um Titelverteidigung
Gerade der Erfolg in Moskau könnte eine erfolgreiche Titelverteidigung entscheidend erschweren, befürchtet Hickersberger. "Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, sind wir bis am Schluss vorne dabei. Wenn aber in der Defensive einige ausfallen, haben wir keine Chance", so die Prognose des Betreuers, der noch vier bis sechs Wochen warten muss, bis mit Martin Hiden und Vladimir Labant die ersten verletzten Verteidiger zurückkehren.
Hicke gelassen zur Auslosung
Hickersberger, der der Auslosung am Donnerstag in Monte Carlo gelassen entgegensieht ("Ich habe keinen Wunschgegner, denn wir sind der Wunschgegner von allen anderen") wagte bereits einen Ausblick auf die kommenden Auftritte in der Champions League. "Wir sind das Aschenputtel in der Königsklasse, aber wenn wir im Rahmen unserer Möglichkeiten einen guten Tag haben, könnte es die eine oder andere Überraschung geben - auch gegen einen Klub, von dem ein Spieler mehr wert ist als unser ganzer Verein."
Im Kader dürfte es vor dem ersten Auftritt in der Eliteliga am 13. oder 14. September keine Veränderungen geben. Die Gefahr der Abwanderung von Steffen Hofmann und Andi Ivanschitz ist für diese Saison wohl endgültig gebannt, dafür wird aber bis zum Ende der Transferzeit am 31. August wohl auch kein neuer Spieler zu den Hütteldorfern stoßen. "Wir können auch mit den jetzt zu erwartenden Einnahmen keinen Neuen verpflichten, der unsere Chancen in der Champions League verbessern würde."
Mit Gekld soll Intrastruktur verbessert werden
Daher hat der Coach einen Alternativvorschlag, wie das Geld verwendet werden könnte: "Mir wäre es lieber, Rapid würde die Einnahmen nützen, um die Infrastruktur und die Trainingsbedingungen zu verbessern, etwas Dauerhaftes wie etwa Kraftkammern im Stadion zu schaffen."
Ob die Ära Hickersberger in Wien-Hütteldorf noch von Dauer ist, steht momentan noch nicht fest. Allerdings ließ der Coach erkennen, dass er sich eine Verlängerung seines mit Saisonende auslaufenden Vertrages vorstellen könnte. "Ich bin erfolgreich, die Fans sind mit mir zufrieden. Ich sehe keinen Grund, von Rapid wegzugehen."
Austria gratuliert Rapid
Die Verantwortlichen der Austria haben am Mittwoch Rapid zum Einzug in die Champions League gratuliert. "Trotz aller Rivalität freut es uns natürlich für den ganzen österreichischen Fußball. Vielleicht kann ja auch die Austria davon profitieren", sagte Markus Kraetschmer und ergänzte: "Rapid könnte für uns ein bisschen Vorbild sein, um in die Champions League zu kommen", sagte der Manager, dessen Boss Frank Stronach ja unbedingt in die Eliteliga will.
Austria-Sportchef Peter Stöger schloss sich den Glückwünschen an. "Schon vor dem Spiel habe ich Hickersberger alles Gute gewünscht. Ich gratuliere dem ganzen Klub zu diesem Erfolg, der deshalb so erfreulich ist, weil er nach dem 1:1 vom Hinspiel nicht unbedingt zu erwarten war", erklärte Stöger, der mit Rapid 1996/97 in der Champions League gespielt hatte.
(apa/red)
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