Montag, 22. August 2005

Türkei-GP: Alonso fährt weiter Richtung F1-WM-Titel, Schumi gibt Titelverteidigung auf

  • Nur noch fünf Rennen: McLaren läuft die Zeit davon
  • Weltmeister musste bei Rennen in Istanbul aufgeben

Fernando Alonso fährt weiterhin Kurs Richtung WM-Titel, McLaren-Mercedes läuft die Zeit davon und Michael Schumacher schreibt die Titelverteidigung nach dem Ferrari-Desaster in Istanbul endgültig ab. Das ist die Quintessenz nach der WM-Premiere der Formel 1 beim GP der Türkei, nach der Renault-Star Alonso immer noch 24 Punkte Vorsprung auf Silberpfeil-Pilot Kimi Räikkönen hat.

Dass es nicht zwei weniger sind, hatte Alonso ausgerechnet der Ungestümheit von Räikkönens Teamkollegen Juan Pablo Montoya zu verdanken. Statt als Rückendeckung den sicheren zweiten Platz nach Hause zu fahren, presste sich der Kolumbianer kurz vor Schluss beim Überrunden so knapp am Jordan von Tiago Monteiro vorbei, dass ihm der Portugiese fast schon ins Heck fahren musste. Gleich darauf nutzte Alonso einen weiteren Ausritt Montoyas und war Zweiter.

"Ein Fehler von Montoya verhilft Alonso zum zweiten Platz. Nun muss er sich keine Sorgen darüber machen, dass Ice Man Räikkönen die restlichen Rennen gewinnt", ätzte die spanische Zeitung "El País" prompt am Montag. "El Mundo" meinte: "Das Rennen in der Türkei hatte zwei Sieger: Kimi Räikkönen fuhr als erster durchs Ziel, und Fernando Alonso tat einen großen Schritt zum Titelgewinn."

Mercedes-Motorsportchef resignativ: "Haben es kaum in der Hand"
Damit half "Silberpfeil"-Pilot Räikkönen der zweite Sieg in Folge nicht viel. "Die Möglichkeit, 24 Punkte in fünf Rennen aufzuholen, ist überschaubar", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und gestand: "Wir haben es kaum in der Hand."

Selbst wenn Räikkönen seinem fünften Saisonsieg bei den noch ausstehenden Rennen in Monza, Spa, Sao Paulo, Suzuka und beim Finale in Shanghai fünf weitere Siege folgen lässt, garantiert dem Finnen dies nicht den Titel. Mindestens fünf Punkte pro Rennen müssten jeweils zwischen Räikkönen und Spitzenreiter Alonso liegen. Bei der F1-Premiere am Bosporus waren es lediglich zwei. "Am Ende der Saison können zwei Punkte den Unterschied machen", sagte Räikkönen.

Der Thron von Michael Schumacher gehört Fernando Alonso"
Mit 95 Punkten nach 14 von 19 Rennen reicht Alonso bei den noch ausstehenden WM-Starts Dienst nach Vorschrift. So wie in Istanbul. "Ich habe mich darauf konzentriert, keinen Fehler zu machen." Dem Renault-Team sei klar, dass McLaren-Mercedes schneller ist. Für die spanische Sportzeitung "As" steht aber schon fest: "Der Thron von Michael Schumacher gehört Fernando Alonso."

Schumacher selbst erlebte in Istanbul vor den Augen des ehemaligen Box-Weltmeisters Mike Tyson einen weiteren Tiefschlag. "Die Ferrari F 2005 haben sich an diesem Wochenende in rutschende rote Schnecken verwandelt", schrieb "La Gazzetta dello Sport", und "La Repubblica" meinte: "So schlecht war Ferrari in der Ära Schumacher noch nie. So schlecht war auch der Weltmeister noch nie. Ein rätselhafter Abstieg - jetzt denken wir an 2006." Für Schumacher ist es aber wichtig, "dass wir in dieser Saison noch den Anschluss kriegen".

Schumacher dementiert Wechselgerüchte zu McLaren
Spekulationen der "Bild"-Zeitung über einen möglichen Wechsel des 36 Jahren alten Deutschen nach dessen Vertragsende (Ende 2006) zu Mercedes erteilte Schumacher am Montag eine klare Absage. "Jeder weiß, wie eng Ferrari und ich verbunden sind", schrieb er auf seiner Homepage

Auf die Gerüchte über einen Weggang von Ferrari wolle er daher gar nicht eingehen, meinte er, nachdem "Bild" von einem "Geheimtreffen" mit Haug berichtet hatte. Stattdessen richtete der siebenfache Weltmeister den Blick auf das Heimrennen der Scuderia in zwei Wochen. "Monza ist uns sehr wichtig, und auch wenn wir momentan nicht zu alter Stärke in der Lage sind, wollen wir unseren Tifosi doch das Bestmögliche bieten. Das sind wir uns und ihnen einfach schuldig."
(apa/red)

22.8.2005 13:24
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts