Samstag, 27. August 2005

Rossi so gut wie Weltmeister: Italiener schrieb in Brünn nächstes Rekord-Kapitel

  • Einen Sieg fehlt noch zum Titel - Ranseder gestürzt
  • Kallio verliert in 125er-Klasse an Boden auf Lüthi

Superstar Valentino Rossi benötigt nur noch einen MotoGP-Sieg, um zum siebenten Mal Motorrad-Weltmeister zu werden. Der Italiener feierte am Sonntag im Grand Prix von Tschechien in Brünn seinen 77. Sieg, den 51. in der Königsklasse. Rossi ist damit der erste Pilot, der in fünf aufeinander folgenden Saisonen neun oder mehr Rennen gewonnen hat. Das österreichische Red Bull KTM-Team musste hingegen einen kleinen Rückschlag hinnehmen und sich nach drei Siegen in Serie in der 125er-Klasse mit dem zweiten Platz durch Mika Kallio hinter WM-Leader Thomas Lüthi (SUI) zufrieden geben.

Obwohl Rossi als Vierter nur aus der zweiten Reihe gestartet war, schnappte sich der "Dottore" den führenden Sete Gibernau noch in der ersten Runde und pilotierte danach seine Yamaha im elften Saisonrennen zum bereits neunten Sieg. In einem beinhart geführten Duell wechselte die Führung zwischen Rossi und Gibernau zwar mehrmals, nachdem der Italiener den Spanier in der letzten Runde entscheidend ausgebremst hatte, fiel sein Kontrahent zudem mit einem technischen Defekt aus.

"Wir haben unser Motorrad kurz vor dem Rennen noch verbessert, weil Gibernau nach dem Warm-up sauschnell war. Ich wollte Mitte des Rennens wegfahren, aber es ging nicht", erklärte der von 80.000 Fans frenetisch gefeierte Rossi. Der Motorrad-"Doktor" hat jetzt 132 WM-Punkte Vorsprung auf seinen Landsmann Max Biaggi. Sechs Rennen sind noch zu fahren und sollte "Vale" auch den nächsten GP in zwei Wochen in Japan gewinnen, wäre er nicht mehr einzuholen.

Lüthi baut Führung aus
In der 125er-Klasse distanzierte Honda-Pilot Lüthi KTM-Fahrer Kallio um drei Sekunden und baute damit seine WM-Führung auf den Finnen auf acht Punkte aus. Kallio hatte keinen optimalen Start erwischt, fuhr dennoch trotz nicht perfekt laufender Maschine immer - auch als in den abschließenden Runden leichter Regen einsetzte - in der Spitzengruppe.

"Natürlich habe ich auf einen Sieg gehofft, aber, als der Regen kam, habe ich abgedreht. Platz zwei war heute das Maximum", erklärte der Finne, der nach seinem Sieg am Sachsenring versäumte, eine Serie zu beenden. Seit mittlerweile 49 Rennen hat in der Achtelliter-Klasse kein Fahrer zwei Rennen in Folge für sich entschieden. Zuletzt gelang das dem Franzosen Arnaud Vincent 2002 am Sachsenring.

Zudem vergab das KTM-Team, das durch Gabor Talmacsi (HUN), Julian Simon (ESP) und Kallio zuletzt drei Siege gefeiert hatte, die Chance, als erstes Team seit 2002 (Aprilia) vier 125er-Rennen in Folge zu gewinnen. Talmacsi, der in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich in der 250er-Klasse für KTM fahren wird, wurde nur Neunter und liegt bereits 24 Punkte hinter Lüthi.

Ranseder im Pech
Pech hatte der Oberösterreicher Michael Ranseder, der nach dem besten Training seiner Karriere vor den Augen seiner Eltern von Startposition zwölf ins Rennen gegangen war. Der 19-jährige KTM-Pilot wurde bereits in der fünften Runde an zehnter Stelle liegend von zwei vor ihm kollidierenden Fahrern mitgerissen, fiel aus. "Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Schade, bis dahin ist das Wochenende für mich optimal gelaufen", meinte Ranseder, der sich mit einem weiteren Wild-Card-Einsatz in Valencia und einem KTM-Werksvertrag für die kommende Saison trösten darf. Sein deutscher Teamkollege Stefan Bradl wurde 15.

In der 250er-Klasse landete der überlegene WM-Leader Daniel Pedrosa seinen sechsten Saisonsieg. Dem Spanier scheint der Titel wie Rossi kaum noch zu nehmen.

(apa)

27.8.2005 17:31