Dienstag, 23. August 2005

Überflutete Häuser rasch verlassen: Einsturzgefahr ist schwer zu erkennen

  • Gefahr liegt in der Unterspülung des Fundamentes
  • Für Behebung von Schäden Bautechniker befragen

"Ich würde in einem überfluteten Haus keine Minute länger als notwendig bleiben", meinte Gernot Opriessnig, Mitarbeiter des Instituts für Baustatik der Technischen Universität Graz über die Gefährdung von durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogene Gebäude. "Man kann das Ausmaß des Schadens, solange das Wasser darin steht, nicht sofort erkennen". In erster Linie stelle die mögliche Unterspülung des Fundamentes ein massives Problem dar.

Eine Unterspülung bedrohe die gesamte Stabilität des Bauwerkes. Risse in der Mauer könnten darauf hinweisen, die man aber oft erst bemerkt, wenn das Wasser wieder abgeflossen ist. Eine weitere Gefährdung der Stabilität liegt in der Feuchtigkeit des Mauerwerks, sowie in den Schlammmassen, die ein Hochwasser unweigerlich mit sich bringt. Diese bedrohten einerseits den statischen Zusammenhalt, und verhinderten andererseits das Erkennen von Rissen, die auf die mögliche Einsturzgefahr hinweisen können.

Eine zusätzliche Belastung stellt auch der Druckunterschied dar, dem eine Mauer standhalten muss, wenn das Hochwasser sowohl außen als auch innen steht. "Oft ist das Auspumpen der Räume gar nicht sinnvoll, besonders dann nicht, wenn es bald darauf wieder eindringt. Diese Druck-Schwankungen strapazieren die Statik erst recht".

Der Experte empfiehlt, lieber keine Risiken einzugehen, und sich strikt an den Rat der Feuerwehr-Einsatzkräfte zu halten. Wie sehr ein Haus gefährdet ist, liegt am Baumaterial, an der Gesamtkonstruktion und an der Lage. Eine Unterspülung des Fundamentes erkennt man erst, wenn alles vorbei ist. Sowohl markante Risse, als auch Einbrüche im umliegenden Gelände zeigen den Grad des Schadens an. Selbsthilfe gibt es keine: für die Behebung solcher Schäden müssten geschulte Bautechniker zugezogen werden.

(apa/red)

23.8.2005 09:30