Lafontaine ist sich sicher: "Starke Linke wird am 18.9. in den Bundestag einziehen!"
- Neoliberalismus linken Gegenentwurf entgegensetzen
- Gysi wettert: "SPD ist nicht mehr sozialdemokratisch"

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Der Spitzenkandidat des Linksbündnisses aus früherer PDS und Wahlalternative WASG, Oskar Lafontaine, hat sich überzeugt gezeigt, dass das Bündnis in den Bundestag einzieht. "Es ist nach menschlichem Ermessen sicher, dass eine starke linke Kraft im Bundestag vertreten sein wird", sagte der frühere SPD-Chef am Samstag in Berlin auf einem Bundesparteitag der in Linkspartei umbenannten PDS.
Lafontaine warb für eine gesamtdeutsche, sozialistische Linke. Er sehe darin einen historischen Aufbruch. SPD und Grünen warf er vor, für sieben Jahre neoliberaler Politik zu stehen. "Wir müssen dem Neoliberalismus einen linken Gegenentwurf entgegensetzen", sagte Lafontaine bei seinem ersten Auftritt vor der PDS-Basis unter dem Beifall der Delegierten. Er verteidigte seine umstrittene Fremdarbeiter-Äußerung und sprach von einem Missverständnis.
Lafontaine bildet mit Gregor Gysi das Spitzenduo der Linksbündnisses bei der Bundestagswahl am 18. September. Formell tritt nur die Linkspartei zur Wahl an. Auf ihre Kandidatenlisten hat sie in den Ländern aber auch WASG-Mitglieder wie Lafontaine platziert. Der Parteitag sollte das Wahlprogramm verabschieden.
Lafontaine stufte seinen Auftritt als historisch ein. "Ich spreche hier das erste Mal als ehemaliger SPD-Vorsitzender auf einem Bundesparteitag der PDS", sagte Lafontaine, der Anfang 1999 als SPD-Chef und Bundesfinanzminister zurückgetreten war. "Das ist ein historisches Datum." Er sehe seinen Auftritt auch im Rahmen der Geschichte der Arbeiterbewegung. Unter großem Beifall erwies Lafontaine ausdrücklich dem PDS-Ehrenvorsitzenden Hans Modrow seine Referenz, für den er "gebührenden Respekt" verlangte. Modrow trat in den späten 80er Jahren als Chef der Dresdner SED-Bezirksleitung für Reformen nach dem Vorbild des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ein, was ihm Konflikte mit der DDR-Staats- und Parteiführung eintrug.
Einen großen Teil seiner 36 Minuten langen Rede verwandte Lafontaine auf die Außenpolitik, wo Rot-Grün auf wichtigen Feldern schlichtweg versagt habe. In der Wirtschaftspolitik forderte er eine Reregulierung des internationalen Kapitalverkehrs. "Wir müssen dafür kämpfen, dass dieses internationale Spielkasino endlich in die Schranken gewiesen wird", forderte Lafontaine.
Der 61-jährige ging auf seine umstrittene Äußerung bei einer Wahlkampfkundgebung ein, wonach Fremdarbeiter in Deutschland Arbeitsplätze verdrängten. "Ich bedaure, dass es hier ein Missverständnis gab", sagte Lafontaine. Lohndrücker seien "nicht die Arbeitnehmer, die zu Hungerlöhnen arbeiten, das sind die Ausbeuter hier in Deutschland".
Gysi: "SPD ist nicht mehr sozialdemokratisch"
Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi hat den früheren SPD-Chef Oskar Lafontaine gegen Verrats-Vorwürfe aus den Reihen der SPD in Schutz genommen. "Er ist kein Verräter: Er ist sich treu geblieben, die SPD hat aufgehört sozialdemokratisch zu sein", sagte Gysi am Samstag auf dem Bundesparteitag der Linkspartei in Berlin. Gysi verteidigte seinen Ko-Spitzenkandidaten auch gegen Kritik wegen seines Lebensstils. "Ein Linker muss nicht arm sein, er muss gegen Armut sein. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge", stellte Gysi klar.
"Wir können ein tolles Ergebnis erreichen, wenn wir wollen", rief Gysi die Partei zu einem engagierten Wahlkampf auf. Wenn dies gelinge, "haben wir ein verändertes Deutschland". Die Linkspartei werde im Bundestag für mehr soziale Gerechtigkeit und gegen den "neoliberalen Zeitgeist" kämpfen. (apa/red)
