Partei mit 142-jähriger Geschichte: SPD kämpft 2005 gegen Ex-Mitglied Lafontaine!
- Mitgliederschwund konnte vorerst gestoppt werden
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der "Königsmacher"
Trug fast durchgehend Regierungsverantwortung
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Laut Umfragen sind 10 % Stimmenanteil möglich
Für die SPD mit ihrer inzwischen 142-jährigen Geschichte gibt es derzeit ein rotes Tuch: Oskar Lafontaine. Der Saarländer, der die Sozialdemokraten von 1995 bis 1999 führte, ist inzwischen Spitzenkandidat der Linkspartei. Noch bis zur Jahresmitte hing sein Porträt bei jenem von Parteichef Franz Müntefering. Dann verschwand Lafontaines Konterfei aus dem Raum, in dem sich der Vorsitzende regelmäßig mit Journalisten trifft.
Als Lafontaine 1999 der SPD von der Fahne ging, übernahm Bundeskanzler Gerhard Schröder die Parteiführung. Doch die Kluft zwischen ihm, dem Regierungschef, und den Genossen, konnte Schröder nicht überwinden. Im Jahr 2004, als Müntefering die Parteiführung übernahm, machte die SPD wegen ihres Mitgliederschwunds Schlagzeilen.
Denn im Jahr 1991 gehörten der mitgliederstärksten Partei Deutschlands noch rund 900.000 Genossen an. Nach kräftigen Verlusten vor allem in den Jahren 2003 und 2004 erreichte sie im April 2005 mit 593.720 Mitgliedern einen Tiefstand.
Mitgliederschwund vorerst gestoppt
Inzwischen freuen sich die Sozialdemokraten, dass der Saldo sowohl im Mai als auch im Juni wieder positiv war. Es kamen mehr Mitglieder zur SPD als austraten oder - ein großes Strukturproblem der Partei - verstarben. Am 30. Juni gehörten 594.263 Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an.
In ihrer 142-jährigen Geschichte sind die Sozialdemokraten vom sozialistischen Arbeiterverein über "vaterlandslose Gesellen" im Kaiserreich entweder zu einem "Kanzlerwahlverein" (Lafontaine) oder zur Reformpartei (Müntefering) mutiert, je nach Sichtweise. Seit 1946 bis 1986 wurden sie von Vorsitzenden geführt, die jahrelang auch die Geschichte Deutschlands prägten: Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer und Willy Brandt.
Auf Hans-Jochen Vogel (1987 bis 1991) - Spitzname "Klarsichthülle", wegen seiner sorgfältig aufbewahrten Unterlagen - folgten dann Björn Engholm (1991 bis 1993) und Rudolf Scharping. Der wurde auf dem denkwürdigen Mannheimer Parteitag im November 1995 von Lafontaine abgesägt. 1999 übernahm Schröder den vakant gewordenen Posten an der Parteispitze, 2004 übergab er an Müntefering.
Selbstverständnis: "Traditionsreichste deutsche Partei"
Die SPD sieht sich selbst als traditionsreichste deutsche Partei, die sich unablässig für Freiheit und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Mit diesem Anspruch geriet sie zeitweise auf Kollisionskurs mit der Reformpolitik des Kanzlers. Vor allem bei Änderungen auf dem Arbeitsmarkt und Entlastungen für Unternehmer zog der linke Flügel der Partei nicht mit. Deshalb gab Schröder in seiner Begründung für Neuwahlen an, dass ihm die Unterstützung in den eigenen Reihen fehle.
Mit ihrem Wahlmanifest stellen sich die Sozialdemokraten als der Garant der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland dar. Ihre Bilanz nach sieben Jahren rot-grüner Koalition lautet: "Vieles ist erreicht, vieles ist auf gutem Weg." Sie räumen aber auch ein: "Manches fehlt noch." Wenn der Wähler der SPD noch einmal eine Chance gibt, will sie beim "schwerwiegendsten und schmerzlichsten Problem" Deutschlands, der Arbeitslosigkeit, für Abhilfe sorgen. Sie verspricht ein Elterngeld in Höhe von zwei Dritteln des letzten Nettoeinkommens (maximal 1.800 Euro). Die von der Union angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt sie als konjunkturschädlich kategorisch ab.
Schröder will als Friedenskanzler punkten
Und Schröder will auch in diesem Wahlkampf mit seinem Ruf als Friedenskanzler punkten: Vor drei Jahren warnte er eindringlich vor einer militärischen Intervention im Irak. Diesmal zeigt er sich besorgt, dass die USA im Atomstreit mit dem Iran einen Militärschlag nicht ausschließen. Schröder mahnte am Wochenende eindringlich, weiter auf Verhandlungen zu setzen und forderte: "Aber nehmt die militärischen Optionen vom Tisch - wir haben erlebt, dass sie nichts taugen." (apa/red)
