Freitag, 26. August 2005

Überschwemmungen in Europa: Situation in Bayern trotz sinkender Pegel angespennt

  • Sechstes Todesopfer in der Schweiz gemeldet
  • Südpolen: Hochwasser verursacht Millionenschäden

Die Hochwasserlage in Bayern blieb trotz sinkender Pegelstände örtlich angespannt. Beim Kloster Weltenburg im Landkreis Kelheim konnte mit großer Anstrengung ein Eindringen der Flut in die berühmte Klosterkirche verhindert werden. Im Landkreis Erding brach an manchen Stellen Wasser durch die aufgeweichten Dämme, Helfer versuchten die Dämme mit Sandsäcken zu sichern.

Im Süden Bayerns wird inzwischen aufgeräumt. Einige Straßen und Bahnlinien waren noch gesperrt. Unklar war zunächst die Höhe der Schäden. Während Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) von einem mehr als dreistelligen Millionenbetrag sprach, gehen Versicherer in ersten Schätzungen von einem geringeren Schaden aus.

Katastrophenalarm herrscht noch in den Landkreisen Erding, Freising und Kelheim sowie in der Gemeinde Eschenlohe bei Garmisch-Partenkirchen. Die Isar präsentierte sich auch am Freitag vielerorts als reißender Strom.

Sorge um Dämme
Donauabwärts verlief die Flut glimpflicher als befürchtet. In Regensburg begannen die Pegelstände zu sinken. Es musste kein Katastrophenalarm gegeben werden. Der Höchststand blieb Freitag früh mit 5,60 Meter einen Meter unter dem Augusthochwasser von 2002. Im niederbayerischen Straubing wurde der höchste Wasserstand am Nachmittag mit rund 6,50 Meter erwartet. Dies sei aber ebenfalls ein Meter weniger als beim Augusthochwasser vor drei Jahren, sagte ein Feuerwehrsprecher. Einsatzkräfte kontrollierten die Dämme und verteilten Sandsäcke. Größere Probleme wurden aber nicht erwartet.

In der Drei-Flüsse-Stadt Passau fielen die Pegelstände von Donau und Inn. "Da der Inn zurückgeht, kann uns ein Hochwasser auf der Donau nicht schrecken", sagte ein Stadtsprecher. Der Inn sei bei Hochwasser in Passau der entscheidende Faktor. Trotz der in der Nacht auf Samstag erwarteten Spitze der Donau wurde mit weiter fallenden Wasserständen gerechnet.

Entspannung nach Hochwasser in der Schweiz
Die Hochwasser in der Schweiz haben ein sechstes Opfer gefordert. Eine seit Dienstag vermisste 72-jährige Frau aus Küblis (Kanton Graubünden) wurde am deutschen Ufer des Bodensees tot aufgefunden. Das teilte die Bündner Kantonspolizei am Freitag mit.

Die Lage in den Hochwassergebieten hat sich weiter stabilisiert. Trotz neuer Regenfälle wurden keine größeren Zwischenfälle gemeldet. Auf der Gotthardstrecke zwischen Basel und dem Tessin fuhren nach einer Unterbrechung wieder die ersten Züge. Die Verantwortlichen sprachen aber noch nicht von Normalisierung.

Noch immer konnten Hunderte von Menschen nicht in ihre Häuser zurückkehren, zahlreiche Gebäude waren ohne Strom. Überall gehen die Aufräumarbeiten weiter. In Seen und Flüssen kämpfen die Räumtrupps mit dem Treibholz, das die Abflüsse blockiert.

Pegelstände sinken
Im Kanton Bern sanken die Pegelstände der Seen langsam weiter. In Thun waren zunächst noch immer zahlreiche Häuser in seenahen Gebieten und in der Innenstadt ohne Strom. In Brienz im Kanton Bern hofften die Menschen, in ihre Häuser zurückkehren zu können.

Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf fünf. Eine Vermisste wurde am Donnerstag tot gefunden. Die Leiche lag in der Nähe eines von den Fluten zerstörten Wohnhauses. Bereits am Dienstag war die Tochter der Frau tot aus den Trümmern geborgen worden. In Graubünden wird noch eine 72-Jährige vermisst, die vom Wasser mitgerissen worden war.

650 Millionen Euro Schaden
Unterdessen werden die Schäden immer offenkundiger. Nach Schätzungen der kantonalen Gebäudeversicherer liegen die Gesamtkosten bei rund einer Milliarde Franken (646 Millionen Euro). Hinzu kommen landwirtschaftliche Schäden in Höhe von mindestens

Polen: Millionenschäden
Die Hochwasserlage in Polen hat sich weiter entspannt. In Südpolen verursachte das Hochwasser zwar Schäden in Millionenhöhe, die katastrophalen Ausmaße wie vor vier Jahren erreichte es jedoch nicht, wie der Rundfunksender "Radio RMF" berichtete.

Allein im südpolnischen Andrychowo werden die Schäden auf 100 Millionen Zloty (rund 25 Millionen Euro) geschätzt. In der Ortschaft und der angrenzenden Region müssen sieben beschädigte Brücken repariert oder neu gebaut werden, sagte der Bürgermeister. Auch zahlreiche Straßen und Gasleitungen seien vom Hochwasser beschädigt worden. (apa/red)

26.8.2005 08:56