Neuerlich Tote bei Anschlägen im Irak: Mehrere Opfer durch Sprengstoffattentate
- Irakische Verfassung im Zeichen des Blutvergießens
- Bagdad: Sechs hingerichtete Menschen gefunden
·Saddam Hussein sieht sich als Märtyrer
Brief vom irakischen Ex- Machthaber aufgetaucht
Kurz vor Ablauf der Verlängerungsfrist für die Präsentation eines Verfassungsentwurfs haben die Vertreter der drei irakischen Volksgruppen am Montag in Bagdad weitere Beratungen aufgenommen. Unterhändler von Schiiten, Sunniten und Kurden verhandeln in der schwer gesicherten "Grünen Zone", während aus mehreren Landesteilen wieder blutige Anschläge gemeldet wurden. Bei einer Autobombenexplosion im Bagdader Stadtviertel Karada wurden acht Polizisten getötet. Nördlich von Bagdad kamen acht weitere Polizisten und drei Zivilpersonen ums Leben, deren Bus von Aufständischen angegriffen wurde. Nach US-Angaben wurden zwei US-Soldaten getötet, als sich ihr Fahrzeug bei einer Militäraktion nahe Tel Afar überschlug.
Die konstituierende Nationalversammlung sollte am Abend zu einer Plenarsitzung zusammentreten. Entweder müsse dann ein Verfassungsentwurf vorgelegt werden, oder die Abgeordneten könnten eine weitere Fristverlängerung beschließen, verlautete aus Parlamentarierkreisen. Andernfalls müsste die Nationalversammlung aufgelöst werden.
Vizepräsident Adil Abdul Mahdi, ein Vertreter der Schiiten, sagte am Montag, der Entwurf sei zu 97 Prozent fertig. Er sei zuversichtlich, dass das Dokument dem Parlament rechtzeitig zugeleitet werde. Die Hauptstreitpunkte sind die föderale Staatsordnung, die Verteilung der Öleinkünfte und die Rolle der islamischen Religion. Die wichtigste Sunniten-Partei, die Irakische Islamische Partei, will keinen Verfassungsentwurf akzeptieren, der vom Charakter des Einheitsstaates abweichen würde. Vertreter der Kurden gaben den Sunniten die Hauptschuld am Scheitern der Gespräche.
Schiiten und Kurden verfügen im Parlament gemeinsam über genügend Sitze, um eine Verfassung auch gegen die Stimmen der Sunniten durchzusetzen. Ein solches Vorgehen könnte allerdings weitere Angehörige der sunnitischen Minderheit den Aufständischen in die Arme treiben.
Schüsse auf Kleinbus - 10 Tote
Aufständische haben am Montag in der kleinen Stadt Tarmiya rund 25 Kilometer nördlich von Bagdad zehn Iraker bei einem Angriff getötet. Unter den Toten seien acht Polizisten und zwei Zivilisten, teilten die Polizei und Krankenhausmitarbeiter in der irakischen Hauptstadt mit.
Die Beamten hätten in Zivilkleidung eine Polizeiwache verlassen und seien zusammen mit drei Zivilisten in einem Kleinbus davon gefahren. Die Täter seien ihnen in drei Autos gefolgt und hätten das Feuer auf den Kleinbus eröffnet. Der dritte Zivilist wurde den Angaben nach verletzt.
Leichen entdeckt
In Bagdad wurden nach Polizeiangaben an verschiedenen Stellen die Leichen von sechs Menschen entdeckt. Die Opfer trugen Handschellen, sie kamen durch Kopfschüsse ums Leben. Bei einem Anschlag in der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk ist der Chef des örtlichen Anti-Terror-Dienstes erschossen worden. Auch seine Frau wurde nach Polizeiangaben bei dem Attentat am Montag getötet. Vermummte feuerten demnach am Morgen auf den Wagen von Hauptmann Ibrahim Said.
Der Anti-Terror-Dienst ist eine der irakischen Übergangsregierung unterstellte Behörde, die Informationen über bewaffnete Untergrundgruppen sammelt und auswertet. In der von Kurden, Arabern und Turkmenen bewohnten Stadt Kirkuk gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Anschläge auf irakische Sicherheitskräfte.
Der Irak hat am Montag sämtliche Ölexporte aus den Förderanlagen im Süden des Landes unterbrochen. Vertreter der Erdölindustrie begründeten die Maßnahme mit einer Strompanne in einem Pumpwerk südlich der von britischen Truppen kontrollierten Metropole Basra. Derzeit versuchten Techniker der South Oil Company und der nationalen Elektrizitätsgesellschaft den Schaden zu beheben, hieß es. Gegenwärtig wird fast die gesamte irakische Ölausfuhr von täglich 1,6 Millionen Barrel über den Süd-Irak abgewickelt. Die nördliche Exportroute gilt als zu unsicher. (apa/red)
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