Donnerstag, 25. August 2005

Waltraud Klasnic: "Landesmutter" wurde bei der steirischen Landtagswahl abgewählt

  • Krainer beerbt, fulminanter Wahlsieg 2000
  • Aber Probleme in abgelaufener Amtsperiode

Mit Waltraud Klasnic ist am Sonntag eine wahre Landesmutter abgewählt worden. Herzlichkeit und menschliches Auftreten waren immer wieder als die besonderen Kennzeichen der steirischen Landeshauptfrau genannt worden. Den Negativ-Trend durch die großteils hausgemachten Pannen, Flops und Affären sowie den Rosenkrieg mit ihrem einstige Mitstreiter Gerhard Hirschmann konnte sie damit aber nicht stoppen. Für den ÖVP-Landesvorstand morgen, Montag, wird mit ihrem Rücktritt gerechnet.

Waltraud Klasnic, Mutter von drei Kindern und fünffache Großmutter, wurde am 27. Oktober 1945 in Graz in sehr ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Sie lernte in einem Handelshaus und half ab 1966 ihrem Mann beim Aufbau seines Transportunternehmens und widmete sich der Familie. Politisch begann der Weg nach oben 1970 bei der Österreichischen Frauenbewegung, 1977 wurde sie in den Bundesrat entsandt.

Über ein Mandat im Landtag (1981) führte der Aufstieg der sozial engagierten Klasnic 1983 ins Landtagspräsidium und 1988 in die Landesregierung: Mit dem Wirtschafts- und Tourismusreferat, das 1991 um den Straßenbau erweitert wurde, übernahm sie im Kabinett von Josef Krainer jun. ein Schlüsselressort. Daneben war sie als Wirtschaftsbundfunktionärin aktiv.

1993 wurde sie Krainer-Stellvertreterin, die Spitze erreichte sie 1996: "Joschi" Krainer hatte nach einer Schlappe bei der Landtagswahl im Dezember 1995 noch am Wahlabend den Rücktritt erklärt. Am 23. Jänner 1996 wurde sie als erste Frau an die Spitze eines österreichischen Bundeslandes gewählt, erst im Vorjahr folgte ihr in Salzburg die SPÖ-Politikerin Gabi Burgstaller. Eine Eigenheit Klasnics dabei: Sie beharrte stets auf der Anrede "Frau Landeshauptmann".

Am 15. Oktober 2000 schaffte Klasnic eine eindrucksvolle Bestätigung im Amt: Die steirische VP erreichte mit einem Plus von elf Prozentpunkten von 36 auf 47 Prozent den höchsten Zuwachs, der je bei einer Landtagswahl seit 1945 erreicht werden konnte.

Klasnic gelang es in ihrer politischen Karriere, authentisch zu bleiben und als Frau aus dem Volk mit Herz, als Mutterfigur, anerkannt zu werden. Fleiß und Zähigkeit waren Grundlage für ihren Aufstieg. Dennoch war ihre Tätigkeit zuletzt von Pannen und Problemen überschattet, die vor allem einen Namen hatten: Gerhard Hirschmann.

Zum Konflikt mit Hirschmann, der im Laufe des Wahlkampfs und seiner Listenkandidatur Dimensionen eines Rosenkriegs annahm, kam ein weiterer personeller Aderlass in Partei und Regierung: Bauernbund-Obmann Erich Pöltl ging im September 2002 in Pension, Landtagsklubchef Reinhold Lopatka zog im März 2003 als ÖVP-Generalsekretär nach Wien, Herbert Paierl demissionierte im Trubel der EStAG-Affäre im April 2004. Die Lücken im Team schloss Klasnic durch ihr nahe stehende Personen, die politisch eher als Leichtgewichte galten.

Der Flop des Red Bull Auto- und Flugsportzentrums "Spielberg I" durch schlampige Vorbereitung der Landesstellen im Umweltverträglichkeits-Verfahren und vor allem die Affäre um die angeblich missbräuchlich verwendeten Subventionen für den Tierpark Herberstein machten die Krise im Krisenmanagement der steirischen VP deutlich: Der politische Gegner in Person des SPÖ-Herausforderers Franz Voves hatte leichtes Spiel und musste mehr oder minder nur "abstauben". Der voll auf Klasnic abgestimmte Personenwahlkampf der ÖVP strauchelte. Eine Landesmutter wurde abgewählt. (apa/red)

25.8.2005 16:10