Pröll attackiert Umweltschützer: NGOs von Minister als "Kriegsgewinnler" bezeichnet!
- Scharfe Reaktion auf Vorwürfe nach dem Hochwasser
- Glawischnig kritisiert Aussagen des Umweltministers
Keinesfalls gut zu sprechen ist Land- und Umweltschutzminister Josef Pröll (V) derzeit offenbar auf Umweltschützer und NGOs. Sie hatten im Zuge der Überschwemmungskatastrophe Mängel im ökologischen Hochwasserschutz in Österreich kritisiert. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" (Ausgabe vom Montag) bezeichnet er die Vorwürfe - er selbst sei "maßlos erregt" - unter anderem als Unsinn. In den NGOs befänden sich auch "Kriegsgewinnler".
Der World Wide Fund For Nature (WWF) hatte darauf hingewiesen, dass Pröll 85 Millionen Euro für den ökologischen Hochwasserschutz versprochen hätte. Der Minister dazu: "Der WWF hat Zahlen durcheinander gebracht. Die kennen sich offensichtlich überhaupt nicht mehr aus."
Durchaus emotional geht es in dem Interview dann weiter. Pröll wird so zitiert: "Manchen NGOs und grünen Freunden ist offensichtlich entgangen, dass wir ein Wetterereignis hatten, das noch nie da war - dass wir in Österreich die Menschen seit Jahrzehnten zu schützen versuchen." Investiert werde auch in Renaturierungsräume.
Der Minister schließlich:"Was mich maßlos erregt und wirklich als Beweis dafür dienen kann, welchen Unsinn diese Gruppen von sich geben: dass wir in diesen dramatischen Ereignissen in unverbauten Wässern die größten Schäden haben. In diesen NGO-Gruppen sind Menschen, die vom Leben und vom Hochwasser keine Ahnung haben, die Kriegsgewinnler sind, die auf Kosten, von Menschen, denen es schlecht geht, in die Medien kommen wollen. Ich habe das wirklich satt!"
Glawischnig kritisiert Pröll-Aussage
Die Vorwürfe von Umweltmister Josef Pröll (V) gegen Umweltschützer und NGOs in dem "profil"-Interview in Sachen Hochwasserschutz führten am Sonntag zu einer Replik durch die Umweltsprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. Sie forderte den Minister zur Zurücknahme "geschmackloser Diffamierungen" auf.
"Was ist bloß in Umweltminister Josef Pröll gefahren? Seine Aussagen von angeblichen 'Kriegsgewinnlern' gegenüber über Umwelt- und Klimaschutzexperten sind angesichts der menschlichen Tragödien in den Hochwassergebieten mehr als deplaziert. Pröll wäre gut beraten, seine geschmacklosen Entgleisungen - die keinem einzigen Hochwasseropfer helfen - unverzüglich zurückzunehmen", erklärte die Politikerin in einer Aussendung.
WWF und Greenpeace entrüstet über Pröll
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und World Wildlife Fund (WWF) haben entrüstet auf jüngste Aussagen von Umweltminister Josef Pröll reagiert und eine Entschuldigung gefordert. Pröll hatte NGOs in einem "profil"-Interview im Zusammenhang mit der jüngsten Hochwasser-Katastrophe mit "Kriegsgewinnlern" verglichen.
"Umweltschützer derart wüst zu beschimpfen, ist eine eines Umweltministers unwürdige Entgleisung", kritisierte Greenpeace-Geschäftsführer Bernhard Drumel am Sonntag in einer Aussendung. "Es handelt sich hier um bisher noch nie da gewesene Entgleisungen und unsachliche Unterstellungen", sagte WWF-Österreich-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger.
Statt "öffentlich die Nerven zu verlieren", sollte Pröll lieber dafür sorgen, dass Österreich eine bessere Klimaschutzpolitik mache, betonte Drumel. "Die letzte Flutkatastrophe ist nur ein Vorgeschmack auf kommende Desaster, wenn die Politik nicht handelt."
Auch Aichberger bekräftigte mit Blick auf Klimawandel und Flussverbau, dass die Folgen des extremen Hochwassers "auch zu einem Teil ausgemacht" seien und "in der Verantwortung der Politik" lägen. Seit den 1950er Jahren seien den österreichischen Fließgewässern 400.000 Hektar natürlicher Überschwemmungsräume genommen worden. Das entspräche der eineinhalbfachen Fläche Vorarlbergs. Auch Experten aus Prölls Umweltministerium würden seit Jahren mehr Platz für Flüsse fordern.
Global 2000 sieht "Hilflosigkeit" Prölls
Die Umweltorganisation Global 2000 hat die scharfen Angriffe von Umweltminister Josef Pröll (V) auf Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Zusammenhang mit dem jüngsten Hochwasser als "Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit" gewertet. Anscheinend falle dem Minister zum Thema Hochwasserschutz und Klimapolitik inhaltlich nichts mehr ein, schreibt Global-2000-Pressesprecher Andreas Baur am Sonntag in einer Aussendung. (apa/red)
