Österreicher haben Angst vor Vogelgrippe: Influenza-Medikament Tamiflu ausverkauft!
- Weltweit decken sich Menschen mit Tabletten ein
- Neue Lieferungen erst für nächste Woche erwartet
Die Vogelgrippe verunsichert immer mehr Österreicher. Jetzt ist eines der ursächlich gegen die Influenza wirkenden Medikamente - "Tamiflu" (Roche) - im ganzen Land ausverkauft. Laut dem führenden österreichischen Pharmagroßhandels-Unternehmen "Herba Chemosan AG" ist allerdings nächste Woche wieder mit Nachschub zu rechnen.
Offenbar hatten die Meldungen über die Vogelgrippe in Russland für einen Nachfrageschub gesorgt. Allerdings ist die Vogelgrippe für den Menschen an sich kaum gefährlich. Anders würde sich die Situation beim Entstehen einer Influenza-Pandemie darstellen. Diese ist allerdings derzeit nicht in Sicht.
"Durch die erhöhte Bedrohungslage einer Pandemie in Österreich gibt es eine sehr hohe Nachfrage nach 'Tamiflu'. Da es das einzige wirksame Mittel gegen die Vogelgrippe ist, kommt es weltweit zu Lieferungsengpässen. Wir erwarten aber in den nächsten Tagen die nächste größere Lieferung, die dann sofort weiterverteilt wird", sagte Martin Hangarter, Österreich-Chef des Schweizer Pharmaherstellers.
Mangel liegt am Sommer
Dass "Tamiflu" derzeit nicht erhältlich ist, lässt sich eher leicht erklären: In den Sommermonaten - außerhalb der "Influenza-Saison" - dürften sich weder Großhandel noch Apotheken größere Mengen des Medikaments auf Lager legen. Hier kamen die Meldungen zu Vogelgrippe und die Diskussionen über den österreichischen Influenza-Pandemieplan zum "falschen" Zeitpunkt.
Das Medikament ist in Österreich streng rezeptpflichtig. Es kann derzeit nur auf Privatrezept verschrieben werden. Nur wenn während einer Influenza-Welle im Winter das Institut für Virologie in Wien das Vorliegen solcher Erkrankungen mitteilt, wird das Medikament auch auf Kassenkosten zur Behandlung einer Influenza verschreibbar. Das ist derzeit gesichert nicht der Fall. Umso mehr aber könnte die derzeitige Knappheit die Notwendigkeit einer Bevorratung durch die öffentliche Hand für eine Pandemie belegen.
Globale Seuche möglich
Vergangenes Wochenende hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Ausbreitung der Vogelgrippe gewarnt und die Länder zu raschen Vorbereitungen gemahnt. Zwar sei das Virus derzeit nur schwer auf den Menschen übertragbar, sagte der Leiter des Influenza-Programms der WHO, Klaus Stöhr. Sollte sich der Erreger aber verändern und von Mensch zu Mensch ausbreiten, wäre eine globale Seuche möglich, "wie wir sie vielleicht noch nicht gesehen haben". Das Virus werde sich dann sehr schnell ausbreiten. Deshalb seien Vorsorgemaßnahmen dringend angezeigt.
Roche hat bekannt gegeben, dass das Unternehmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) drei Millionen Packungen - also 30 Millionen Kapseln - des antiviralen Medikaments Tamiflu (Oseltamivir) spenden wird. Dieser "Notvorrat" soll es der WHO ermöglichen, eine neue Grippewelle, die den Menschen betrifft und das Ausmaß einer Pandemie annehmen könnte, am Entstehungsort zu bekämpfen, die Erkrankungs- und Sterbeziffer zu verringern und die Ausbreitung der Grippe zu verhindern oder zu verzögern. Falls es zu einer Pandemie kommen sollte, wird die WHO mit dem betroffenen Land zusammenarbeiten, um die Verteilung des antiviralen Medikaments zu koordinieren und dessen wirkungsvollsten Einsatz zu gewährleisten, hieß es in einer Aussendung des Konzerns.
Vorbereitungen getroffen
Der Hintergrund: Erst vor vor wenigen Wochen haben internationale Wissenschaftergruppen in Szenario-Berechnungen nachgewiesen, dass durch den sofortigen Einsatz solcher Medikamente plus Quarantänemaßnahmen eine beginnende Pandemie erstickt werden könnte. Die WHO hat diese Arbeiten begrüßt.
"Wir sind uns bewusst, wie wichtig es für ein Land ist, Tamiflu für den Fall einer Grippepandemie vorrätig zu haben, da die Produktion rund zwölf Monate in Anspruch nimmt. Um die Verfügbarkeit des Medikaments zu erhöhen, haben wir Vorkehrungen zur Erweiterung unserer Produktionskapazitäten getroffen: In den Jahren 2004 und 2005 haben wir sie jeweils verdoppelt, und für 2006 ist eine weitere Steigerung geplant. Zusätzlich wurde die Zahl der Produktionsbetriebe für 'Tamiflu' von eins auf drei erhöht, und ein vierter Betrieb wird noch in diesem Jahr die Produktion aufnehmen", erklärte William M. Burns, Geschäftsführer der Division Pharma von Roche. (apa/red)
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