"SP braucht keine Kronprinzen": Häupl will
bei den Wiener Wahlen über 50 % einfahren
- NEWS-Talk: "Stehe Lafontaine näher als Schröder"
- Bürgermeister hält weiter eisern zu Gusenbauer
·FORMAT über den
"Roten Oktober 2005"
Die SPÖ könnte alle drei Landtagswahlen gewinnen
·Häupl: "Kein Dream- Team mit Jörg Haider"
Wiener Bürgermeister erteilt klare Absage
·"Häupl und Haider: Ein Dream-Team"
BZÖ-Chef in NEWS: 'Neu-wahl bei Klasnic-Absturz'
Im Schloss Wilhelminenberg, hoch über seinem Heimatbezirk Ottakring, stellt der starke Mann der SPÖ bei einem gepflegten Glas aus Trauben der umliegenden Weinrieden klar, wie er Wien und Österreich regiert sehen will.
NEWS: Herr Bürgermeister, träumen Sie auch von Jörg Haider?
Häupl: Ich will ihm zugute halten, dass er da selber gelacht hat. Ich vergesse jedenfalls nicht, wer Jörg Haider ist, war und sein wird. Ich leide nicht an politischem Alzheimer. Warum soll ich mich mit Losern beschäftigen? Das BZÖ wird es weder in Wien noch im Bund nach den Wahlen geben. Selbsttherapieversuche Haiders werden da nicht reichen.
NEWS: Ihr Angebot auf Bundeswahlen gemeinsam mit Wien wurde abgelehnt. Verärgert?
Häupl: Hätte man selbstbestimmt einen Termin festgelegt, hätte man im Herbst 2005 gewählt. Das wäre vernünftig und anständig gewesen. Jetzt bestimmt Nervosität statt Vernunft. Beim BZÖ geht es ab Herbst um die Existenz, bei der VP um ihre Regierungschancen.
NEWS: Wenn Gusenbauer Kanzler werden will, wird er wohl Erster werden müssen. Realistisch?
Häupl: Die SPÖ wird stärkste Partei und daher den Anspruch auf den Kanzler erheben.
NEWS: Das war sie schon 2000 - und landete in der Opposition.
Häupl: Da war die SPÖ am absteigenden Ast, jetzt steigt sie auf.
NEWS: Gabi Burgstaller meint, dass die SP so stark werden muss, dass gegen sie keine Koalition drin ist.
Häupl: Wünschenswert, aber es hieße, dass wir die absolute Mehrheit bräuchten. Ich würde Alfred Gusenbauer und der Bundes-SPÖ die Latte nicht so hoch legen.
NEWS: Meinen Sie wie offenbar Burgstaller, dass Schwarz-Grün kommt, wenn es sich ausgeht?
Häupl: Das ist absolut realistisch. Es wird ja längst praktiziert.
NEWS: In Kärnten wird Rot-Orange/Blau praktiziert ...
Häupl: Jeder weiß, was ich davon halte. Meine Güte. Kärnten ist halt ein eigener Fall. Aber: Grüne und VP wird es im nächsten Nationalrat geben. Das BZÖ nicht. Das unterscheidet beide Szenarien im Realitätsgehalt.
NEWS: Stört Sie, dass ein Verantwortlicher, Grasser, mehr als Seitenblicker als politisch präsent ist?
Häupl: Er soll machen, was er will. Aber nicht in der Politik. Schafft er eine Arbeitslosenrate unter zwei Prozent, kann er noch mehr machen, was er will. Ich werfe ihm zu Ihrer Frage gar nichts vor, aber ich werfe ihm alles zu seiner falschen Wirtschaftspolitik vor.
NEWS: Die VP wird wohl den Sog der Deutschland-Wahl in den Wiener Wahlkampf mitnehmen wollen. Funktioniert das?
Häupl: Die Menschen sind ja nicht meschugge. Die wissen, dass die schwarz-blaue Wirtschaftspolitik der rot-grünen in Deutschland zu meinem tiefen Leidwesen leider nicht ganz unähnlich ist.
NEWS: Sie hatten beste Kontakte zu Oskar Lafontaine, dessen Linkspartei nun sogar eine Koalition CDU/FDP verhindern könnte ...
Häupl: Letzteres wäre lustig. Das Problem ist, was die SPD verabsäumt hat. Wenn für Lafontaine mit seiner Meinung da kein Platz ist, sage ich: Das gibt's doch nicht.
NEWS: Stehen Sie ihm in gewissen Punkten näher als Schröder?
Häupl: Das ist durchaus richtig. Jawohl. Auch ich meine, dass man Wachstumspolitik braucht, um die Masseneinkommen so zu finanzieren, dass sie wieder zum Wachstum beitragen. Was ich kritisiere, ist seine mangelnde Loyalität. Ich hätte erwartet, dass er als Exvorsitzender innerhalb der SPD kämpft, statt sie zu spalten.
NEWS: Sie agieren relativ defensiv, wenn es um Ihre Wahlziele geht.
Häupl: Ich werde mich hüten. Ein Plus ist gut, ein Minus schlecht.
NEWS: Sie peilen nicht einmal über 50 Prozent an, den Fünfer vorn?
Häupl: Soll sein. Den erwarte ich.
NEWS: Würde das BZÖ mit "Geheimwaffe" Peter Westenthaler den Sprung ins Rathaus schaffen?
Häupl: Nein. Peter Westenthaler war Generalsekretär der FPÖ. Das Gesicht verliert man nicht.
NEWS: Wie kommen Sie mit dem neuen VP-Chef Hahn aus?
Häupl: Er ist geprägt von einem gewissen kulturellen Liberalismus, den er aber mit barschem Wirtschaftsliberalismus verbindet. Aber in der VP gibt es Leute, die schon fünf oder sechs Parteichefs ruiniert haben und geblieben sind.
NEWS: Und die Grünen?
Häupl: Ich komme mit Maria Vassilakou aus meiner Sicht gut aus. Jetzt sind wir Konkurrenten, in den Innenstadt-Bezirken sogar heftige. Dann werden wir sowohl der Wirtschaft als auch den Grünen Sachkooperationen anbieten.
NEWS: Gibt es, wie weiland bei Kreisky, schon potenzielle Nachfolger? Es werden Renate Brauner und Werner Faymann genannt.
Häupl: Wir brauchen keinen Kronprinzen im Bund. Es gibt einen relativ jungen Vorsitzenden.
NEWS: Geschickt ausgewichen. Wir meinten Wien. Wie lange bleibt Michael Häupl Bürgermeister?
Häupl: Ich mache den Wiener Bürgermeister sehr gerne, solange die Leute das wollen und es mir uneingeschränkt Spaß macht. Das ist keine Arroganz, sondern nach elf Jahren wohl legitim. Jetzt merkt man hoffentlich, dass es mir riesigen Spaß macht. Dann entscheide nicht ich alleine, aber ich werde der SPÖ wie bisher nicht die schlechtesten Ratschläge erteilen. Davor, das muss man sagen, steht die nächste Nationalratswahl. Und da wird es einen gewissen Personalbedarf geben. Wie groß oder klein der ist, entscheide nicht ich, sondern der künftige Kanzler.
NEWS: Und der heißt wie?
Häupl: Alfred Gusenbauer.
NEWS: Kommt auch in Wien Prölls Handymastensteuer aus Gesundheits- und Finanzgründen?
Häupl: Es wird in Wien keine Mastensteuer geben. Mit Steuer ist es teurer, aber schlafen tut man nicht besser, weil die Masten bleiben.
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