Gefahr auf den Straßen: Österreich hat zweithöchstes Verkehrsunfallrisiko der EU
- VCÖ: Gezieltes Maßnahmenpaket für weniger Unfälle
- Nur die Slowenen haben noch mehr Unfallopfer
Auf Österreichs Straßen ist es im Jahr 2003 zu 5.383 Verkehrsunfällen mit Verletzten pro Million Einwohner gekommen. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich an zweiter Stelle - nur Slowenien hat mit 5.967 mehr zu verzeichnen. Das ist das Ergebnis einer in Wien präsentierten Studie "Brennpunkt Verkehrssicherheit" des Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Klassenprimus ist übrigens Dänemark mit nur 1.254 Unfällen pro Million Einwohner.
Was die Verkehrstoten pro Jahr betrifft, liegt Österreich zwar im Europavergleich im Mittelfeld, 107 Tote pro Million Einwohner im Jahr 2004 sind aber immer noch fast doppelt so viele wie in Dänemark (59), Norwegen (61) und Großbritannien (62). "Angesichts dieser Daten müssen bei den politisch Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen", sagte VCÖ-Experte Wolfgang Rauh bei einer Pressekonferenz in Wien.
Mit der Studie "Brennpunkt Verkehrssicherheit" legte der VCÖ außerdem einen Forderungskatalog mit fünf "Paketen" vor, durch deren Umsetzung es möglich sei, die Zahl der Verkehrstoten in Österreich - im gesamten Jahr 2004 waren es 878, bis 21. August 2005 waren es 453 - um insgesamt 750 zu reduzieren.
VCÖ stellt Forderungen
Die fünf Forderungen des VCÖ: Niedrigere Alkohol- und Tempolimits, mehr Verkehrskontrollen, das Vormerksystem zu einem wirksamen Punkteführerschein machen, mehr Bus- und Bahnverbindungen, mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer.
Die maximal erlaubte Geschwindigkeit auf Freilandstraßen sollte laut VCÖ von 100 auf 80 km/h gesenkt werden. "Allein damit könnte die Zahl der Verkehrstoten auf unseren Straßen um 140 bis 150 verringert werden", sagte Rauh und kritisierte im selben Atemzug Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) und dessen Pläne, auf bestimmten Autobahnabschnitten 160 km/h zu erlauben: "Bei uns wird ja bereits über eine Änderung der Geschwindigkeitsbeschränkungen diskutiert, allerdings in die komplett verkehrte Richtung."
Tempo-Reduktionen retten Leben
Auch im Ortsgebiet könnte eine Tempo-Reduktion zu weniger Toten führen. Von jenen im Ortsgebiet tödlich verunglückten 231 Menschen im Jahr 2004 könnten noch 60 bis 70 leben, so Rauh, wenn generell Tempo 30 gegolten hätte.
In Sachen Alkohol fordert der VCÖ, "dass der Gesetzgeber Kampagnen wie Don't-drink-and-drive endlich ernst nimmt". Eine Promillegrenze von 0,5 sei das "falsche Zeichen". Rauh: "Das bedeutet ja, dass der Gesetzgeber glaubt, dass Alkohol und Autofahren vereinbar sind. Genau das ist es nicht." Mit dem Vorbild Schweden, wo es die 0,2-Promille-Grenze gibt, müsse auch Österreich umdenken. (apa/red)
| Verkehrstote/Million Einwohner im Jahr 2004 laut VCÖ: | |
| Schweden | 59 |
| Norwegen | 61 |
| Großbritannien | 62 |
| Niederlande | 64 |
| Finnland | 73 |
| Schweiz | 75 |
| Deutschland | 80 |
| Dänemark | 80 |
| Irland | 87 |
| Frankreich | 93 |
| Italien | 104 |
| Österreich | 107 |
| Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten/Million Einwohner in der EU 2003 | |
| Slowenien | 5.967 |
| Österreich | 5.383 |
| Belgien | 4.623 |
| Deutschland | 4.295 |
| Portugal | 3.961 |
| Großbritannien | 3.837 |
| Italien | 3.664 |
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