Montag, 22. August 2005

Schmid ist BZÖ-Spitzenkandidat: Ex-Infra-strukturminister tritt in der Steiermark an

  • Überraschendes Comeback nach langer Politabsenz
  • Hirschmann: "Ohne Zweifel eine große Bereicherung"

Der frühere steirische FPÖ-Obmann und Ex-Infrastrukturminister Michael Schmid (60) ist BZÖ-Spitzenkandidat für die steirische Landtagswahl am 2. Oktober. Schmid wurde unter Beisein von BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch in Graz vorgestellt. Seine Position, nicht mehr politisch aktiv werden zu wollen, habe er im Lichte der jüngsten landespolitischen Ereignisse aufgegeben. Diese seien gekennzeichnet von "Pleiten, Proporz und Pannen", so Schmid.

Begrüßt wurde das Comeback Schmids bereits von Gerhard Hirschmann, der selbst mit einer eigenen Liste am 2. Oktober antreten wird: "Damit steht ein Mann an der Spitze des BZÖ, der tatkräftig mithelfen kann, den Dauerstillstand und das Dauerdesaster der vergangenen Jahre zu beenden", erklärte Hirschmann in einer Aussendung. Schmid sei "ohne Zweifel eine große Bereicherung."

"Ein Profi kehrt zurück"
Unter dem Titel "Ein Profi kehrt zurück", bei der Pressekonferenz am Grazer Schloßberg als schnell adaptiertes Transparent im Hintergrund von Uwe Scheuch und Michael Schmid positioniert, verkündete das BZÖ die Spitzenkandidatur. Schmid selbst sieht sich als Kandidat für die "freiheitliche Familie", von der er sich erhoffe, nach der Wahl wieder zusammenzufinden. Jetzt liefen BZÖ und FPÖ Gefahr, den Einzug in den Landtag zu verpassen: Das wolle er verhindern.

Schmid beteuerte, dass er tatsächlich lange widerstanden habe, sich nochmals in der Politik zu engagieren. Doch die Ereignisse der jüngsten Zeit in der Landespolitik hätten ihn dann doch bewogen, es noch einmal zu versuchen: "Ich möchte mir nicht den Vorwurf machen müssen, es nicht versucht zu haben". Schmid gab der gesamten Landesregierung die Schuld an "Debakeln" wie Spielberg oder Herberstein. Ebenfalls kritisierte er ein "Leben auf Pump": Kredite würden aufgenommen, um Förderungen zu finanzieren, die Landeshauptstadt Graz lebe sei Jahren über den Verhältnissen. "Das Image der Politik ist am Boden", resümierte der Neo-Wahlkämpfer.

Bündnis-Sprecher Uwe Scheuch bezeichnete Schmids Kandidatur als "deutliches Signal und klare Ansage". Der geschäftsführende Bundesobmann, Vizekanzler Hubert Gorbach, begrüßte in einer Aussendung ebenfalls die Entscheidung und würdigte Schmid als "allseits geschätzten hervorragenden Politiker". Etwas anders der Kommentar von FPÖ-Landeschef Leo Schöggl: Er bezeichnete Schmid als "gescheiterten Minister und Pensions-Abkassierer". Ähnlich FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache: Schmid sei "keine Gefahr", da es sich um einen "Pensions- und Spesenritter" handle. Man habe beobachten können, dass seit der Abspaltung des BZÖ die FPÖ wieder "deutlich zugelegt" habe.

Infrastrukturminister für neun Monate
Der studierte Architekt aus der Weststeiermark übernahm 1989 als Quereinsteiger die steirische FPÖ, die damals von Bundesobmann Jörg Haider als "Sorgenkind" bezeichnet wurde. 1990 war er Nationalratsabgeordneter, ehe er 1991 Mitglied der steirischen Landesregierung wurde, u.a. mit den Ressorts Wohnbau und technischer Umweltschutz.

1999 wurde Schmid Infrastrukturminister, nach nur neun Monaten trat er zurück: "Meine Batterie ist leer." Mit ein auslösendes Element sei die Art und Weise gewesen, wie die steirische FPÖ-Spitzenkandidatin Theresia Zierler nach Verlusten bei der Landtagswahl 2000 von der Partei als Landesrätin verhindert wurde. An ihrer Stelle kam Magda Bleckmann. Als Landesobmann folgte ihm Leopold Schöggl.

Nach einem Nachspiel vor dem Parteigericht - Obfrau Susanne Riess-Passer hatte ihn wegen seiner Ministerpension dorthin gebracht - und seinem freiwilligen Parteiaustritt im Jänner 2001 zog sich der Weststeirer weitgehend ins Privatleben zurück. 2003 trat er wieder als Haider-Berater in Erscheinung. (apa/red)

22.8.2005 10:54