Donnerstag, 18. August 2005

Museums-Attraktion in Wien: Spatenstich für neues Mega-Wahrzeichen am 25. August

  • Museumsbau hinter Fuchs-Villa um 35 Mio. Euro
  • Businessplan sieht 80.000 Besucher pro Jahr vor

Am Donnerstag, dem 25. August, wird sich eine ebenso illustre wie prominente Runde auf den "Paradiesgründen" unweit der Villa des Künstlers Ernst Fuchs in Wien-Hütteldorf einfinden: Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl soll kommen, um einen Spatenstich zu setzen, Ernst Fuchs ist selbstredend da - und Gernot Rumpold, bis vor kurzem noch Werber des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, soll die anwesenden Künstler, den roten Bürgermeister und das Projekt dabei mediengerecht ins richtige Licht setzen. Es geht um ein gigantisch anmutendes Museums- und Kulturprojekt, das von Fuchs' Söhnen Stephan, 33, und Michael Messner, 28, aufgezogen wird.

Um 35 Millionen Euro soll auf dem über 100.000 Quadratmeter großen Gelände ein neues Wahrzeichen für die Stadt Wien aus dem Boden gestampft werden: wohl in enger Zusammenarbeit mit der Stadt - jedoch zur Gänze privat finanziert.

Museum auf 'Kinderheim Paradies'-Areal
Die Eckdaten: Auf dem Areal, wo einst das - längst geschlossene - Kinderheim "Paradies" der roten Kinderfreunde zu finden war und das Heimito von Doderer in seinem Roman "Der Grenzwald" als "Mittelpunkt der Erde" beschrieb, entsteht ein "Museum der Wiener Schule des Phantastischen Realismus", daneben eine Akademie, großzügige Ateliers und Künstlerwohnungen, ein Skulpturenpark, eine Kinderspielanlage, Cafés, Shops, ein gehobenes Restaurant und vieles mehr. Schon im Frühjahr 2007 soll die Gesamtanlage, die "Paradiso - Museum Kulturpark Wien" heißt, in Betrieb gehen.

Kooperation mit Stadt statt Subventionen
Entwickelt wurde das Projekt von der "Paradiso Projektgesellschaft", die den Messner-Brüdern gehört. Die erst vor drei Wochen gegründete "Paradiso Privatstiftung" übernimmt das Projekt, errichtet und betreibt es. Stephan Messner: "Uns war wichtig, dass wir keine Subventionen in Anspruch nehmen. Da bleibt man unabhängig und flexibler. Es redet sich ganz anders mit den politisch Verantwortlichen, wenn man kein Förderungsempfänger ist. Das hat sich bei der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Rathaus, der Wien-Holding, Wien Tourismus und anderen Stellen auch gleich gezeigt." Finanziert wird das spektakuläre Unterfangen von der Familie Fuchs. Genauer: vom so genannten "Fuchs-Messner-Zweig" rund um die Fuchs-Söhne Stephan und Michael Messner und - nächste Überraschung - von der Kärntner Landeshypo.

10.000 Quadratmeter großer Rohbau
Der Tiroler Architekt Kurt Riebler soll auf den Paradiesgründen einen über 10.000 Quadratmeter großen "reduzierten zeitgenössischen Rohbau mit Baukunst im Stile eines postmodernen Eklektizismus" entstehen lassen. Die Fassaden und die Gebäudeverkleidungen sollen mit "monumentalen Zitaten der Phantastischen Künste" bestückt werden, wie Stephan Messner erklärt.

Dalí-Ausstellung in Planung
Geboren wurde die Idee bereits vor zwei Jahrzehnten von Vater Ernst Fuchs. Doch erst 2001 - nach einem ausführlichen Gespräch zwischen Fuchs und Bürgermeister Häupl - nahm das Projekt konkrete Formen an. Die Privatstiftung zahlt der Stadt 99 Jahre lang einen Baurechtszins und darf im Gegenzug auf bereits zuvor bebauten Flächen neue Gebäude errichten. Michael Messner: "Das wird das weltweit erste Museum für Phantastische und Visionäre Kunst. Das war überfällig. Wir werden als permanente Sammlung Werke unseres Vaters, von Arik Brauer, Wolfgang Hutter, Rudolf Hausner, Anton Lemden bis hin zu jungen Künstlern zeigen. Dazu kommen noch Ausstellungsflächen für internationale Künstler. Eine Dalí-Ausstellung ist bereits in Planung."

80.000 Besucher pro Jahr
Der Businessplan sieht im schlechtesten Fall 80.000 Besucher pro Jahr vor (mit Ausnahme des Museums ist der Eintritt im ganzjährig geöffneten Gelände frei), ab 100.000 Besuchern wäre man "glücklich", wie Stephan Messner ergänzt, denn immerhin habe man bei der Hypo Kärnten einen Kommerzkredit im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich zur Teilfinanzierung aufgenommen. Die angrenzende Fuchs-Villa verzeichnet derzeit 30.000 Besucher jährlich.

Ex-Haider-Werber Rumpold als Marketingmotor
Damit die Besucherströme auch den Weg ins "Paradiso" finden, wurde der einstige Politwerber Gernot Rumpold engagiert. Der machte sich in den letzten 15 Jahren ausgerechnet als Werber für den in Künstlerkreisen mitunter verfemten Jörg Haider einen Namen - hat diesem und dem wenig erfolgreichen BZÖ-Projekt jetzt jedoch bereits zum zweiten Mal den Rücken gekehrt. Berührungsängste hat Künstler Ernst Fuchs jedenfalls keine. Fuchs: "Gernot Rumpold wurde mir von meinen Söhnen Michael und Stephan als der Mann vorgestellt, der schon nachweislich fulminante Erfolge für seine Partner erreicht hat. Der Erfolg gibt halt doch meistens Recht." Rumpold selbst reicht die Rosen zurück: "Es war immer mein Wunsch, einmal ein internationales Großprojekt zu bewerben. Nach der Politik ist die Kunst für mich ein völlig spannendes Gebiet, eine Szene, die mich begeistert." Die Zusammenarbeit mit den einst so verfeindeten roten Machern aus dem Wiener Rathaus sei sogar "großartig". "Ich freu mich schon auf den Spatenstich durch den Bürgermeister."
(Aus NEWS 33/2005)


18.8.2005 11:52