NEWS über den Kult um Mangas: Japanische Comics erobern nun auch Europas Markt!
- "Das wandelnde Schloss" ab 26. August im Kino
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·"Das wandelnde Schloss": Alle INFOS!
Sophie verliebt sich in den Zauberer Hauro
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Eine (Sprach-)Welt für sich: Shojo, Hentai & Co.
Der Kult um Mangas, die bunten japanischen Comics, erreicht nun langsam aber sicher auch Europa. Der Milliarden-Seller dürfte auch den heimischen Markt erobern. Der Boom hat nämlich bereits Österreich erreicht. Mit "Das wandelnde Schloss" startet am 26. 8. ein Manga-Highlight in den heimischen Kinos (siehe Kasten links). Das Wiener Museum für angewandte Kunst widmet der Zeichenkunst ab 31. 8. eine eigene Ausstellung.
Man könnte an das ultimative Versagen der PISA-gebeutelten heimischen Bildungseinrichtungen glauben: Halbwüchsige Comic-Adoranten nehmen das Periodikum ihrer Wahl von rechts nach links - also nach europäischem Verständnis von hinten nach vorn - in Augenschein. Nein, das ist kein Zeichen jugendlichen Analphabetismus. Man konsumiert Mangas, die japanischen Kult-Comics, die im europäischen Handel unglaubliche Zuwachsraten verzeichnen. Kulleräugige, feenhafte Mädchen und kleine Buben mit Zauberkräften sind die Helden aus dem Fernen Osten, die Klassiker wie Mickey Mouse und Donald Duck in den Kinderzimmern - wumm, zack - pulverisiert haben.
Längst haben die Heroen auch laufen gelernt: Im Kino gibt es ab 26. August "Das wandelnde Schloss" des Manga-Altmeisters Hayao Miyazaki zu sehen - die Geschichte der jungen Hutmacherin Sophie, die sich in den Zauberer Hauro verliebt und von einer eifersüchtigen Hexe in eine alte Frau verwandelt wird.
Auch im Museum für angewandte Kunst in Wien hat man den Reiz der Subkultur erkannt. Für die Schau "UAAAA!!! MANGA - Zur Ästhetik einer Trashkultur" (ab 31. August im MAK-Kunstblättersaal) hat man mehrere Laufmeter Mangas aller Genres konzentriert.
Zudem präsentiert man das Werk zweier Zeichner, die drauf und dran sind, die Manga-Ästhetik zu revolutionieren: "Derby Jockey", ein Sport-Manga von Tokihiko Ishiki, und "MARS", ein Mädchen-Manga von Fuyumi Soryo.
Die Geburt der Mangas
Manga bedeutet übersetzt "zwanglose Skizzen". Ein Begriff, den der japanische Ukiyo-e-Meister Katsushika Hokusai im 19. Jahrhundert für eine Holzschnittserie von 15 Blättern verwendete. Mit Comics nach hiesigem Verständnis hatten diese Kunstblätter nichts zu tun. Zwar gibt es Versuche in Japan, den Exportschlager kunsthistorisch bis zu Bildgeschichten buddhistischer Mönche aus dem 6. und 7. Jahrhundert zurückzuverfolgen, doch die Mangas sind ein junges Produkt.
Initialzündung Propaganda
In den 20er und 30er Jahren entstanden, von amerikanischen Vorbildern inspiriert, erste japanische Comic-Serien. Nach dem Zweiten Weltkrieg nützten die USA deren Massenwirksamkeit zu Propagandazwecken. Sie versorgten die Japaner mit Papier und Zeichenutensilien - die Initialzündig für eine heute floriende Unterhaltungsindustrie. Der Arzt Osamu Tezuka gilt als der Wegbereiter des eigentlichen Manga. Er gab in den 50er Jahren den Beruf auf und entwickelte den heutigen Zeichenstil der "Anime" genannten Filmversionen. Mit "Astro Boy" wurde er weltweit bekannt.
- In Japan waren 2002 schon 38 Prozent aller Drucksorten Mangas. Der Großteil davon sind telefonbuchdicke Manga-Magazine mit kurzen Episoden. Diese sind reine Wegwerfprodukte. Nur die beliebtesten Serienhelden schaffen es in aufwendiger gestaltetete Taschenbücher. Für beide gilt: Mangas sind schwarzweiß.
- Die Manga-Gesamtauflage in Japan wird auf 100 Millionen Exemplare pro Monat geschätzt.
- Die Startauflage pro Band beträgt 300.000 bis 500.000 Exemplare. Das erfolgreichste Magazin, "Shonen-Jump", verkauft rund drei Millionen Stück pro Woche.
- Insgesamt werden in Japan vier Milliarden Euro pro Jahr mit Mangas umgesetzt.
Heidis Erben
Hierzulande wurden Generationen von Kindern mit Zeichentrick japanischer Provenienz versorgt, lange bevor Manga zum Kult erhoben wurde. Ab 1972 waren Heidi und der Alm-Öhi televisionistisch zugange. Der Art Director von damals, Hayao Miyazaki, produziert noch heute für Filmhits wie "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Das wandelnde Schloss". Auch die Biene Maja war asiatischer Import.
Während mit "Heidi" freilich europäischer Stoff verarbeitet wurde, sind die japanischen Mangaka (wie sich die Zeichner nennen) heute so selbstbewusst, dass sie lediglich ihre eigene Ideenwelt kreieren, die sich auch in Europa perfekt verkaufen lässt.
Spanien, Frankreich und Italien transpirierten schon ab Anfang der achtziger Jahre im Manga-Fieber. Im deutschsprachigen Raum wurde das Genre erst in den Neunzigern dauerhaft sesshaft. Anfangs spiegelte man die Storys noch in die hier gewohnte Leserichtung. 1997 veröffentlichte der Carlsen-Verlag das erste "Dragonball"-Buch in original japanischer Lesart.
- Mittlerweile bringt Carlsen 180 Manga-Bände pro Jahr auf den Markt. Ehapa Egmont Manga & Anime legt 140 Bände auf.
- Carlsen machte 1995 erst 400.000 Euro Umsatz mit Mangas. 2004 schreibt der Verlag einen Gesamtumsatz von 13,5 Millionen mit Comics, 70 Prozent davon entfallen allein auf die Bildgeschichten aus Japan. Ehapa beziffert den Manga-Umsatz mit sieben Millionen Euro im Jahr 2004.
- "Dragonball", eine Serie um einen Knaben mit übernatürlichen Kräften, verkaufte sich im deutschsprachigen Raum sechs Millionen Mal. Weltweit hält diese Serie des bekanntesten Mangaka, Akira Toriyama, bei 200 Millionen Verkauften.
Nicht nur im Kinderzimmer
Wer glaubt, dass sich das Manga-Phänomen auf die Kinderzimmer beschränkt, irrt gewaltig. Das Manga-Universum kennt nicht nur unterschiedliche Buben- und Mädchen-Mangas. Beim Ehapa-Verlag beobachtet man, dass Mädchen eifrigere Manga-Leserinnen sind. Sie werden mit Magical-Girl-Serien wie "Inu Yasha" oder "Fullmoon wo Sagashite" bedient.
Im deutschsprachigen Raum peilt man derzeit vor allem die 8- bis 25-Jährigen als die wichtigste Zielgruppe an. Doch Science-Fiction, Horror und Historicals zielen auch hier schon auf ein älteres Publikum. Carlsen hat eben "Barfuß durch Hiroshima", die Autobiografie eines Überlebenden der Atombombe, wieder aufgelegt. Während in Japan die in den 50er Jahren junge Leserschaft inzwischen mit Silver-Mangas bei der Stange gehalten wird, wartet man in Europa noch zu, ob man das Angebot drastisch mit der Klientel altern lassen muss.
Zu den Kuriositäten auf dem Erwachsenenmarkt zählt der Porno-Manga. Den gibt es in allen Abstufungen vom unfreiwillig komischen Softporno bis zum blutrünstigen Hardcore. Freilich werden allzu explizite Körperlichkeiten schamhaft schraffiert. Nur das Segment der Homosexuellen-Mangas, das etwa 10 Prozent des gesamten Pornogenres ausmacht, bleibt unzensiert. Dass ausgerechnet diese Homo-Mangas in Japan angeblich vor allem von Frauen gelesen werden, zählt zu den Mysterien des Manga-Universums. Ebenso, dass es in japanischen U-Bahnen nichts Ungewöhnliches ist, wenn krawattenbehängte Business-Männer in den schärfsten Pornos blättern.
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