Textilquoten für EU/China ausgeschöpft: Deutsche Händler befürchten Insolvenzen
- 70 Mio. Kleidungsstücke hängen beim Zoll fest
Der deutsche Handelsverband BGA befürchtet wegen der von der EU wieder eingeführten Importquoten für Textilien aus China massive Schäden für die deutsche Textilwirtschaft. "Die Lage ist dramatisch. Kleinen und mittleren Unternehmen droht die Insolvenz", sagte der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, der "Welt am Sonntag".
Wie die Zeitung am Samstag im Voraus berichtete, hängen EU-weit mehr als 70 Millionen Kleidungsstücke mit einem Handelswert von rund einer Milliarde Euro beim Zoll fest. Den Schaden für deutsche Unternehmen beziffert Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbands German Fashion, dem Blatt zufolge auf rund 380 Millionen Euro. Daniel Terberger vom mittelständischen Einkaufsverband Katag warnte dem Blatt zufolge: "Die Ware verliert jeden Tag an Wert."
Auch die Verbraucher müssen sich dem Bericht zufolge auf Folgen des Textilstreits einstellen: Das Warenangebot werde im Herbst und Winter "kleiner sein", sagte Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Vor allem der Versandhandel könne Lieferschwierigkeiten bekommen, weil Lücken im Sortiment nicht durch andere Ware geschlossen werden könnten. Da die Beschaffung von Ersatzware teuer sei, sei mit Preiserhöhungen im einstelligen Bereich zu rechnen, zitierte das Blatt Dax weiter.
Hintergrund ist ein Importverbot für Strickwaren aus China, das die EU im Juli beschlossen hatte, nachdem eine im Juni festgelegte Importquote bereits überschritten worden war. Schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres waren die Textileinfuhren aus China nach EU-Angaben um 187 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.
Problematisch für die deutsche Modebranche ist dabei vor allem, dass den chinesischen Lieferanten offenbar bereits bestellte Teile bezahlt werden müssen, die wegen des Importverbots aber nicht in die EU eingeführt werden dürfen und damit nicht für den Verkauf zur Verfügung stehen.(apa/red)

