Mehr Lehrlingsförderung kommt: "Blum-Bonus" für weitere 2.000 Plätze in Betrieben!
- Ab 1. September bares Geld für zusätzliche Stellen
Die Regierung verstärkt ab 1. September 2005 ihre Förderung für die Schaffung zusätzlicher Lehrplätze: Betriebe, die gegenüber dem Stichtag 31.12. 2004 zusätzliche Lehrplätze geschaffen haben, können künftig für das 1. Lehrjahr 400 Euro, für das zweite Lehrjahr 200 Euro und für das dritte Lehrjahr 100 Euro pro Monat an Förderungen bekommen. Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) verspricht sich davon rund 2.000 neue Lehrplätze, der Lehrlingsbeauftragte der Regierung, Egon Blum, bezifferte das Potenzial mit 1.500 bis 3.000 neuen Stellen.
Der Blum-Bonus, offiziell "Projekt 06" genannt, soll zunächst auf ein Jahr eingeführt und danach evaluiert werden. Bartenstein schloss eine Verlängerung der Förderung nächstes Jahr zwar nicht grundsätzlich aus, betonte jedoch, dass sich die Prämie zu keiner dauerhaften Subvention entwickeln soll. Die neue Förderung wird zusätzlich zur seit einiger Zeit ausgezahlten Lehrlingsprämie (1.000 Euro pro Lehrling und Jahr) sowie zur bereits erfolgten Lohnnebenkostensenkung für Lehrlinge ausgezahlt.
Die Betriebe hätten lange nach weiteren Maßnahmen zu Gunsten der Ausbildung gerufen, "jetzt erwarte ich mit von der Wirtschaft, dass sie diese Möglichkeit nutzt", sagte Blum bei der Vorstellung des Projekts. Sollte der Bonus nächstes Jahr verlängert werden, werde als Stichtag weiterhin der 31. 12. 2004 gelten. Auch Gemeinden und Länder können um den neuen Bonus ansuchen.
Lücke von 6.500 Lehrstellen
Bartenstein bezifferte die für kommenden September erwartete Lehrstellenlücke mit 6.000 bis 6.500 Plätzen. Um diese zu schließen, gebe es 8.000 Lehrgangsplätze nach dem Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) - davon 5.700 neu -, sowie die erwarteten 2.000 Plätze durch den Blum-Bonus. 7.700 neue Lehrplätze sollten zur Schließung dieser Lücke "ausreichen", sagte Bartenstein.
Die Finanzierung des Bonus sieht Bartenstein als nicht problematisch an. In dem Maß, in dem es gelinge, durch den Anreiz auf Betriebsebene Jugendliche aus den Lehrgängen in die Unternehmen zu bekommen, sei die Prämie leicht finanziert. Ein JASG-Ausbildungsplatz kostet das Arbeitsmarktservice (AMS) rund 8.000 Euro pro Jahr.
Arbeutnehmervertreter fordern weitere Maßnahmen
Die Arbeiterkammer (AK) und der ÖGB fordern von Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) mehr Aktionen für Jugendliche ohne Lehrstellen. Über 19.000 Jugendliche hätten derzeit keine Lehrstelle im Betrieb, so viele wie noch nie, kritisiert AK-Präsident Herbert Tumpel am Donnerstag in einer Aussendung. Der leitende Sekretär des ÖGB, Richard Leutner, fordert einen Ausbildungsfonds der Wirtschaft für Lehrlinge. Der freiheitliche Arbeitnehmersprecher Abgeordneter Maximilian Walch sieht besonders die Wirtschaft gefordert.
Zahl der Lehrstellensuchenden um 12,3 Prozent gestiegen
Laut Arbeiterkammer ist die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle im Betrieb von Ende Juli 2004 bis Ende Juli 2005 um 12,3 Prozent auf 19.066 gestiegen. Demgegenüber biete die Wirtschaft österreichweit nur 2.623 offene Lehrstellen an. Von den 19.066 Lehrstellensuchenden bräuchten 10.698 sofort eine Lehrstelle, 3.900 seien in kurzfristigen Arbeitsmarktservice-Kursen, 4.468 in 10-monatigen Auffangnetz-Lehrgängen mit der Auflage, rasch eine Lehrstelle im Betrieb zu finden. Die Gesamtzahl der Lehrstellen Suchenden ohne Lehrstelle im Betrieb sei damit von 16.981 Ende Juli 2004 um 2.085 oder 12,3 Prozent gestiegen.
Der AK-Präsident verlangt von der Bundesregierung Vorsorge für 10.000 Plätze im Auffangnetz zur Jugendausbildung. 4.000 Auffangnetz-Plätze sollten in überbetrieblichen Lehrwerkstätten eingerichtet werden. Absolut notwendig sei gleichzeitig ein Lastenausgleich zwischen nicht ausbildenden und ausbildenden Betrieben. Aus den Mitteln des Lastenausgleichs sollen Betriebe unterstützt werden, die für die gesamte Wirtschaft ausbilden.
ÖGB fordert Auslildungsfonds
Der Leitende Sekretär im ÖGB, Richard Leutner, fordert einen Ausbildungsfonds. Die öffentliche Hand solle endlich wieder ihre Verantwortung gegenüber der Jugend wahrnehmen und Lehrlinge ausbilden, denn in den vergangenen Jahren seien im öffentlichen Bereich massiv Lehrstellen abgebaut worden. Tatsache sei, so Leutner, dass sich immer mehr Unternehmen aus ihrer Verantwortung stehlen, Lehrlinge auszubilden. Bartenstein müsste für eine effiziente Lösung gar nicht in die Ferne schweifen, verweist Leutner auf Vorarlberg und den dortigen Ausbildungsfonds. Dadurch würden auch Firmen zur Finanzierung der Lehrlingsausbildung beitragen, die selbst nicht ausbilden und sich aus ihrer Verantwortung stehlen.
Der freiheitliche Arbeitnehmersprecher Maximilian Walch sieht die Wirtschaft gefordert. Die Unternehmen sollen nicht nur die Förderungen der Bundesregierung zur Standortsicherung in Anspruch nehmen, sondern nach Möglichkeit auch mehr Lehrstellen anbieten und Arbeitnehmer einstellen, so Walch. "Es liegt nämlich durchaus auch in der Verantwortung der Betriebe, der Jugend eine Chance zu geben", so der freiheitliche Arbeitnehmersprecher.
(apa)

