Montag, 15. August 2005

Schottland auf Suche nach dem Erfolgsweg:
Mit Rumpf-Team in Graz gegen Österreich

  • Bei acht WM- und zwei EM-Teilnahmen schnell out
  • Team wartet seit 1998 auf Teilnahme an Großereignis

Die Fans der schottischen Fußball-Nationalmannschaft, trotz des martialischen Namens "Tartan Army" für friedliche Begeisterung und vor allem Trinkfreudigkeit bekannt, haben ihre Leidensfähigkeit in den 132 Jahren seit Verbands-Gründung zur Genüge unter Beweis gestellt. Bei bisher acht WM- und zwei EM-Teilnahmen verabschiedete sich ihr Team jeweils nach der Vorrunde. "Schottische Fans sind immer vor ihren Postkarten zu Hause", so ihr selbstironischer Slogan. Nach der akut gefährdeten Qualifikation für die WM 2006 versuchen Teamchef Walter Smith und seine "Bravehearts" am Mittwoch im freundschaftlichen Länderspiel gegen Österreich einen Neuanfang, der sie auf den Erfolgsweg führen soll.

Die Vorzeichen dafür stehen jedoch alles andere als gut. Smith, der sein Amt im Dezember des Vorjahres angetreten und den erfolg- wie glücklosen Deutschen Berti Vogts abgelöst hatte, verzichtete vor dem Match in Graz auf die Einberufung jener Spieler, die mit ihren Klubs in der Champions League- oder UEFA-Cup-Qualifikation stehen. Neben Manchester United-Mittelfeldspieler Darren Fletcher, der im Mai 2004 beim 1:0 gegen Estland mit 20 Jahren zum jüngsten Kapitän einer schottischen Nationalelf seit 1886 avancierte, fehlen daher auch Barry Ferguson (Glasgow Rangers), Dundee United-Stürmer Steve Crawford sowie James McFadden (Everton).

"Es wäre unfair, Verletzungen dieser Spieler zu riskieren", erklärte Smith, der als Ex-Trainer der Rangers (13 gewonnene Trophäen) und von Everton sowie als ehemaliger Assistent von ManU-Coach Ferguson erhöhtes Verständnis für die Anliegen der Vereine zeigte. Zur Verfügung stehen wird dem 56-Jährigen, der die Schotten laut Medienberichten von seinem Vorgänger Vogts "erlöste", dafür wieder der lange Zeit verletzte Mittelfeld-Akteur Nigel Quashie. Der Southampton-Profi wurde im Vorjahr zum ersten dunkelhäutigen Spieler im schottischen Nationalteam seit 1881.

Von der Euphorie zu Beginn der Smith-Ära, die der Abdankung des ersten ausländischen Teamchefs in der Geschichte des Verbandes nachfolgte, ist mittlerweile nicht mehr viel übrig. Nach einem 0:2 bei Tabellenführer Italien im März, einem 2:0-Pflichtsieg gegen Moldawien und einem enttäuschenden 0:0 in Weißrussland belegen die stolzen "Highlander" mit sechs Punkten und drei Zählern Rückstand auf die Hauptkonkurrenten Norwegen und Slowenien den fünften Platz der Gruppe fünf. Angesichts des schweren Restprogramms mit Heimspielen gegen Italien und Weißrussland sowie Auswärtspartien in Norwegen und Slowenien erscheint die erstmalige Qualifikation für ein internationales Großereignis seit der WM 1998 stark gefährdet.

Zwei Parallelen zum Mittwoch-Gegner Österreich, der ebenfalls vor sieben Jahren in Frankreich seinen bisher letzten bedeutenden internationalen Auftritt hatte und sich ebenfalls nur noch geringe Chancen auf eine Teilnahme an der WM 2006 in Deutschland machen darf. Das einzige Endrunden-Duell zwischen Rot-Weiß-Rot und Blau-Weiß endete bei der WM 1954 in der Schweiz mit einem 1:0-Erfolg der Österreicher, die dann mit dem dritten Endrang den bisher größten Erfolg in der ÖFB-Geschichte feierten.
(apa)

15.8.2005 14:21