Sonntag, 21. August 2005

Brief von Saddam Hussein aufgetaucht: Ex- Diktator stellt sich darin als Märtyrer dar

  • "Meine Seele für Palästina und Irak opfern"
  • Mehrere Textstellen von US-Zensoren geschwärzt

Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein hat sich in einem am Sonntag in jordanischen Zeitungen veröffentlichten Brief als Märtyrer dargestellt. Er erklärt darin, er werde sich für Palästina und den Irak opfern. Es ist das erste Mal seit Saddam Husseins Festnahme im Dezember 2003, dass ein Brief von ihm an die Öffentlichkeit gelangte.

"Meine Seele und meine Existenz sollen für unser kostbares Palästina und unseren geliebten, geduldigen und leidenden Irak geopfert werden", heißt es in dem Brief. Die Zeitungen erhielten das Schriftstück von der jordanischen Schwesterorganisation von Saddam Husseins mittlerweile aufgelöster Baath-Partei. Der Generalsekretär der jordanischen Baath-Partei, Teyssir al-Homsi, erklärte, Saddam Hussein habe den Brief an einen in Jordanien lebenden Freund geschrieben. Dieser Mann, der anonym bleiben wolle, habe der Baath-Partei eine Kopie zur Verfügung gestellt.

Saddam Hussein darf eigentlich nur seiner Familie schreiben. Den Brief an seinen Bekannten lieferte nach Angaben Homsis ein Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Jordanien ab. Eine Sprecherin des IKRK bestätigte, dass dem Roten Kreuz der Brief zur Weiterleitung übergeben worden sei. Die beiden älteren Töchter Saddam Husseins leben in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Saddam nahm in dem Brief auch Stellung zur Bedeutung von "Glaube, Liebe und Fortpflanzung". "Ein Leben ohne Berücksichtigung von Glaube, Liebe und Fortpflanzung, wie in unserer Nation weitergegeben, hat keinen Sinn", hieß es in dem Schreiben. Der handgeschriebene Brief beginnt den Angaben zufolge mit einem Koranvers und anschließenden "Grüßen an das brüderliche jordanische Volk und alle, die sich für uns interessieren".

"Liebt euer Volk, liebt Palästina und liebt eure Nation", fährt Saddam Hussein in dem Dokument unter anderem fort. Mehrere Textstellen waren von US-Zensoren geschwärzt worden.

(apa)

21.8.2005 16:55