Bayern kann erstmals aufatmen: Das Schlimmste dürfte überstanden sein!
- Leichtsinnigkeit kostet Mann in Rosenheim sein Leben
- Schweiz kämpft jetzt gegen Berge von Treibholz an

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Neues Schutzsystem zum Patent angemeldet
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Dorf ist völlig von der Außenwelt abgeschnitten
Die Leidtragenden des katastrophalen Hochwassers in Bayern haben das Schlimmste offenbar überstanden. Trotz der überwiegend von Isar, Iller, Lech und Inn transportierten Wassermassen kam es am Donnerstag nicht zu den befürchteten neuen Höchstständen der Donau. Die Pegel in Ingolstadt und Passau sanken nach Angaben der Behörden bis zum Nachmittag, mit größeren Schäden wurde nicht mehr gerechnet. Allerdings galt in einigen Landkreisen nach wie vor Katastrophenalarm.
Laut Mitteilung des bayerischen Innenministeriums bestand der Katastrophenfall am Donnerstagnachmittag noch in den Kreisen Eichstätt, Erding, Freising, Kelheim und Neu-Ulm sowie in Ingolstadt. Damit beschränkte sich der Schwerpunkt des Hochwassers fast nur noch auf die Donau, wobei sich der Flutscheitel am Donnerstagmittag östlich von Ingolstadt bewegte. Am Pegel Kelheim wurde er am Nachmittag erwartet. Nahe der Stadt stand unter anderem das im 7. Jahrhundert erbaute Kloster Weltenburg unter Wasser. "Das Wasser läuft immer weiter in unsere Räume", sagte Prior Pater Benedikt.
In Kelheim und in der Nachbarregion um Neustadt an der Donau sowie bei Erding bestand nach Angaben der Behörden außerdem die Gefahr von Deichbrüchen. Viele Keller wurden überflutet. Zahlreiche Helfer wurden an die kritischen Abschnitte beordert. Bedroht waren darüber hinaus Siedlungen an den Unterläufen von Isar und Amper, während sich die Situation an Iller, Lech und Inn weitgehend entspannte.
Von Meteorologen vorhergesagten leichten Schauer für die bayerischen Hochwassergebiete werden laut Ministerium "keinen nennenswerten Einfluss auf die Hochwasserlage haben". Nach wie vor waren noch rund 20.000 Hilfskräfte im Einsatz, eine Million Sandsäcke wurden verlegt.
Todesopfer in Bayern
Mit einem 28 Jahre alten Mann war in Bayern am Mittwochabend das erste Todesopfer der Flut zu beklagen. Er war laut Polizei mit zwei 17-Jährigen in einem Schlauchboot auf dem Fluss Mangfall im Landkreis Rosenheim unterwegs, als das Boot aus zunächst unbekannten Gründen kenterte. Die beiden 17-Jährigen blieben unverletzt. Für den 28-Jährigen kam jede Hilfe zu spät.
Unterdessen präzisierte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber das von ihm angekündigte Sofortprogramm für die Hochwasseropfer. Danach sollen Privathaushalte mit einem Gesamtschaden von mindestens 5.000 Euro bis 2.500 Euro erhalten, kleine und mittlere Unternehmen bekommen für Schäden an Maschinen und Werkstätten einen Zuschuss bis 150.000 Euro. Die Kosten für das Hilfepaket will sich Bayern zur Hälfte mit dem Bund teilen.
Schweiz im Aufräumstress
Die Lage in den Hochwasser-Gebieten der Schweiz hat sich in der Nacht weiter entspannt. Die Wasserstände der Flüsse und Seen blieben nach Angaben der Behörden stabil oder gingen langsam zurück. Die Bergungs- und Räummannschaften, die seit dem Wochenende permanent im Einsatz standen, sahen sich am Donnerstag mit Bergen von Treibholz konfrontiert. Es muss schnellstens weggeräumt werden, sonst kann das Wasser nicht ablaufen.
Probleme bereitete nach wie vor die Trinkwasserlage. Auch wenn der Vierwaldstätter See nicht weiter steigt, mussten in der Innenstadt von Luzern weitere Straßen gesperrt werden. Im Kanton Schwyz rutschte am Mittwochabend eine Straße ab.
Weitere Personen evakuiert
Im Kanton Bern war die Lage nach einer trockenen Nacht am Donnerstagmorgen weitgehend unverändert. Im Mattequartier der Haupstadt sollten am Morgen weitere Personen evakuiert werden, da die reissende Aare die Stabilität der Altstadthäuser bedrohte. Im Kanton Graubünden hat sich die Lage nach den Unwettern auf den Verkehrswegen wieder langsam normalisiert. Am Thunersee ist der Pegelstand in der Nacht nicht weiter angestiegen.
Auch bei den Verkehrswegen gab es eine leichte Entspannung. Wieder offen war die Flüelapassstrasse zwischen Davos und Susch, jedoch nur in Fahrtrichtung Oberengadin. Am Donnerstag will die Rhätische Bahn die Autoverladung durch den Vereinatunnel wieder aufnehmen. Nach wie vor blieben zahlreiche Straßen im Berner Oberland gesperrt. Offen war dagegen wieder der Brünigpass.
Wasser wird abgekocht
In Uri wurde in Aussicht gestellt, dass ab dem Nachmittag wieder Züge auf der gesamten Gotthardlinie rollen sollen, vorerst aber nur für den Regionalverkehr. Andere Teile des Kantons waren immer noch ohne Strom. In Obwaldner Hauptort Sarnen funktionierte die Trinkwasserversorgung nach wie vor; allerdings musste das Wasser abgekocht werden, bevor es getrunken werden durfte. In Engelberg, wo rund 1000 Touristen ausharrten, gab es wieder Strom. Der Ort konnte zunächst nur auf dem Luftweg erreicht werden. Bei den Überschwemmungen kamen in der Schweiz vier Menschen ums Leben, zwei weitere werden noch vermisst. (apa/red)
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