Irans Präsident Ahmadinejad steht weiter zu seinen Israel-feindlichen Aussagen
- Zehntausende unterstützen Präsident bei Demo
- UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Äußerungen scharf
Trotz wachsender internationaler Proteste hat der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad seinen Aufruf zur Zerstörung Israels wiederholt und ist dabei von zehntausenden Demonstranten in Teheran bejubelt worden. Seine Aussage, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, sei "richtig und angemessen" gewesen, sagte Ahmadinejad am Freitag. Bei einer Kundgebung in Teheran zogen zehntausende Menschen durch die Straßen und riefen unter anderem Parolen wie "Tod für Israel". Der UNO-Sicherheitsrat hat am Freitag die Israel-feindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad verurteilt.
Ahmadinejad wies die internationalen Proteste gegen seine Aussagen zurück. "Sie sind frei zu reden, aber ihre Worte haben keine Gültigkeit", sagte der iranische Präsident. Es sei klar, dass ein "richtiges und angemessenes" Wort eine Reaktion hervorrufe. Seine Worte seien "exakt" die Worte des iranischen Volkes, fügte Ahmadinejad hinzu.
Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki hatte zuvor erklärt, Teheran könne das "zionistische Besatzungsregime" nicht anerkennen, weil es sich nicht an die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats halte. Die iranische Führung kritisierte außerdem die "Gleichgültigkeit der europäischen Regierungen angesichts der Unterdrückung der Palästinenser".
Geistliche wollen Wogen glätten
Einflussreiche Geistliche des Regimes in Teheran waren dagegen bemüht, die Wogen zu glätten. Der frühere Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani betonte in seiner Freitagspredigt in Teheran, der Iran respektiere sowohl Juden als auch das Judentum. "Wir haben keine Probleme mit Juden und dem hoch geschätzten Judentum als Buchreligion."
Bei der Kundgebung in Teheran wurde eine Erklärung verlesen, in der es hieß, die Demonstranten unterstützten die Äußerungen Ahmadinejads vollständig. Die Kundgebungsteilnehmer verbrannten israelische und US-Flaggen sowie ein Bild von Israels Premier Ariel Sharon. Selbsterklärte Kandidaten für Selbstmordattentate hatten Sprengstoffgürtel-Attrappen umgebunden und trugen ein Spruchband mit der Aufschrift "Jerusalem ist unser".
Demonstrationen in mehreren iranischen Städten
Ahmadinejad sowie mehrere seiner Minister befanden sich unter den Demonstranten in Teheran. In anderen iranischen Städten gab es ähnliche Demonstrationen. Die alljährliche Al-Quds-Kundgebung, die zur "Befreiung" Jerusalems (Al-Quds) aufruft, war von Ayatollah Khomeini nach der Islamischen Revolution 1979 im Iran eingeführt worden.
US-Regierung fordert Teheran zu Änderung des Verhaltens auf
US-Außenamtssprecher Sean McCormack zog in Zweifel, dass die Teilnahme von Hunderttausenden Iranern an den Massendemonstrationen freiwillig gewesen sei. Im vergangenen Jahrzehnt habe es genügend Beispiele gegeben, bei denen die Führung im Iran Proteste zur Unterstützung ihrer Politik organisiert habe. Die Aufrufe des neuen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zur Vernichtung Israels vervollständigten immer mehr das Bild über die Art der Führung in Teheran, sagte McCormack in Washington.
Israels Außenminister Silvan Shalom sagte in Paris, er habe seinen Botschafter bei den Vereinten Nationen angewiesen, eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats zu beantragen. Nach Shaloms Einschätzung könnte der Iran in einem halben Jahr das Wissen für den Bau einer Atombombe besitzen. Teheran entwickle außerdem Raketen mit einer Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien beraten
Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen über die Äußerungen Ahmadinejads beraten. Die drei EU-Länder, die im Atom-Streit mit Teheran verhandeln, würden über "Konsequenzen" sprechen, sagte der französische Außenamtssprecher Jean-Baptiste Mattei am Freitag in Paris. Großbritannien kündigte an, es werde bald informelle Beratungen im UNO-Sicherheitsrat zu den Aussagen Ahmadinejads geben. "Ich werde meine Kollegen dabei aufrufen, diese Äußerungen zu verurteilen", sagte der britische UNO-Botschafter Emyr Jones.
Der Europäische Jüdische Kongress (EJC), die Dachorganisation der jüdischen Organisationen in Europa, äußerte sich in Paris "entsetzt und schockiert" über die Äußerungen Ahmadinejads und verlangte "die sofortige Entfernung des Iran aus den Vereinten Nationen". Denn die UNO sei "auf der Asche von Auschwitz" zur Abwehr extremistischer Ideologien und Barbarei aufgebaut worden.
Vatikan bezieht gegen anti-israelische Äußerungen Stellung
Der Vatikan hat am Freitag Äußerungen, die das Existenzrecht Israels bestreiten, als inakzeptabel zurückgewiesen. Gemeint waren damit offenbar die Israel-feindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad. Er hatte öffentlich gefordert, der jüdische Staat müsse "von der Landkarte getilgt" werden.
Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls verurteilte am Freitag "gewisse Erklärungen, ganz besonders ernst und inakzeptabel, in denen das Existenzrecht des Staates Israel bestritten wurde". Den Iran erwähnte er nicht direkt.
Navarro-Valls verurteilte auch die jüngsten palästinensischen Anschläge auf Israel und die israelischen Vergeltungsaktionen. Er bekräftigte die Haltung des Vatikans, wonach sowohl Israelis als auch Palästinenser das Recht hätten, in Frieden und Sicherheit zu leben, "beide in ihren eigenen souveränen Staaten".
(apa)
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