Samstag, 20. August 2005

Abschluss des Weltjugendtages: 1 Million Menschen feierte die Messe mit dem Papst

  • Nächster Weltjugendtag in Sydney mit Mel Gibson
  • Die BILDER: Jugendliche feiern und beten in Köln!

Vor rund einer Million Pilgern hat Benedikt XVI. bei der Abschlussmesse des Kölner Weltjugendtages die Jugend der Welt zur Erneuerung des Glaubens aufgerufen. "Heute gibt es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit", mahnte das Kirchenoberhaupt am Sonntag bei der Messe auf dem Marienfeld bei Köln. Der Papst appellierte an die Pilger aus aller Welt, "Gemeinschaften aus dem Glauben heraus" zu bilden. Als Ort des nächsten Weltjugendtags 2008 nannte er die australische Metropole Sydney. Der Zuschlag für den nächsten katholischen Weltjugendtag ist in Australien mit großer Freude aufgenommen worden - zugleich hofft die dortige katholische Kirche auf einen der größten Stars vom Kontinent als Zugpferd: Hollywoodstar Mel Gibson.

Er hoffe, dass die Ausrichtung der Großveranstaltung 2008 den Glauben und die "guten" Werte der Gesellschaft stärken werde, erklärte der Erzbischof von Sydney, George Pell. Er hatte erst kürzlich erklärt, sollte Australien den kommenden Weltjugendtag ausrichten, werde die katholische Kirche den als streng religiös bekannten Gibson bitten, den Kreuzweg in Sydney zu rekonstruieren. Dies hatte er bereits für seinen umstrittenen Film "Die Passion Christi" unternommen. Gibson könnte "durchaus interessiert" sein, sagte Pell. "Ich glaube, dass seine Hingabe an Jesus Christus echt ist."

Abschlussmesse mit internationalem Charakter
An der rund dreistündigen Messe auf einem ehemaligen Tagebaugelände nahmen laut Weltjugendtagsbüro auch rund 10.000 Priester und etwa 800 Bischöfe und Kardinäle teil. Die musikalische Gestaltung sollte den internationalen Charakter der katholischen Großveranstaltung unterstreichen: Bei dem Gottesdient erklangen unter anderem eine indische Sitar, afrikanische Trommeln und das australische Didgereedoo.

Kritik an Religion als Marktprodukt
Der Papst betonte in seiner Ansprache, wer Christus entdeckt habe, müsse "andere zu ihm führen". Er kritisierte den derzeitigen "Boom des Religiösen" als "Marktprodukt". "Man sucht sich heraus, was einem gefällt, und manche wissen, Gewinn daraus zu ziehen. Aber die selbstgesuchte Religion hilft uns im letzten nicht weiter. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns allein. Helft den Menschen, den wirklichen Stern zu entdecken, der uns den Weg zeigt: Jesus Christus. Versuchen wir selber, ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können." Deswegen sei die Liebe zur Heiligen Schrift so wichtig.

Benedikt XVI. verwies auf die Bewegungen und Gemeinschaften, die in den letzten Jahrzehnten entstanden seien und in denen "die Kraft des Evangeliums sich lebendig zu Worte" melde. "Sucht Gemeinschaft im Glauben, Weggefährten, die gemeinsam die große Pilgerstraße weitergehen, die uns die Weisen aus dem Orient zuerst gezeigt haben", fügte der Papst mit Blick auf die biblische Erzählung der Heiligen Drei Könige hinzu, deren Reliquien sich im Dreikönigsschrein des Kölner Doms befinden.

"Gehen wir vorwärts mit Christus"
"Das Spontane der neuen Gemeinschaften ist wichtig", sagte das Kirchenoberhaupt. Wichtig sei aber auch, "dabei die Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen zu halten, die uns garantieren, dass wir nicht Privatwege suchen, sondern wirklich in der großen Familie Gottes leben, die der Herr mit den zwölf Aposteln begründet hat." Benedikt XVI. beschloss seine Anprache mit den Worten: "Gehen wir vorwärts mit Christus und leben wir unser Leben als wirkliche Anbeter Gottes."

Zum Abschluss des Gottesdienstes gab Benedikt XVI. Sydney als Ort des nächsten Weltjugendtreffens "mit Freude" bekannt. Er dankte Gott, aber auch den Organisatoren auf Erden für das "unvergessliche Treffen" in Köln.

Papst verlässt Köln
Deutschland hat als Gastgeber des Weltjugendtags nach den Worten von Benedikt XVI. ein positives Bild von sich in die Welt getragen. Zum Abschluss seines viertägigen Besuchs am Rhein sagte der Pontifex am Sonntagabend, das Treffen habe es den Pilgern aus aller Welt ermöglicht, Deutschland besser kennen zu lernen. Nach dem "Bösen", das im 20. Jahrhundert von Deutschland ausgegangen sei, sei nun sichtbar geworden, "dass es auch das andere Deutschland gab und gibt - ein Land einzigartiger menschlicher, kultureller und spiritueller Werte." Er wünsche sich, dass diese Werte neu in die Welt ausstrahlten, sagte er vor dem Abflug vom Flughafen Köln-Bonn.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, lud den Papst beim Abschied zu einem neuen Deutschland- Besuch ein. Dabei solle er auch seine bayerische Heimat besuchen.

Vor dem Abflug verabschiedete Bundespräsident Horst Köhler den Pontifex am Flughafen Köln-Bonn. Er habe wichtige Zeichen für Zuversicht gesetzt und ein "Zeugnis des Glaubens" gegeben. Der Papst sagte, Deutschland sei für einige Tage der "Mittelpunkt der katholischen Welt" gewesen.

Umweg über Geburtsort
Benedikt XVI. kehrte in einem Lufthansa-Airbus auf einer Spezialroute mit einem Umweg über seinen bayerischen Geburtsort Marktl am Inn nach Rom zurück. Den Airbus A321 "Regensburg" flog Kapitän Martin Ott, der bei Joseph Ratzinger Theologie studiert hatte. Einwohner und Touristen in Marktl schickten per Funk einen Gruß ins Flugzeugs von Papst Benedikt XVI. Der Papst war selbst im Cockpit und sendete Grüße an die rund 2000 Schaulustigen am Boden.

(apa/red)

20.8.2005 22:14