Freitag, 19. August 2005

Merkel im Rennen um Bundeskanzleramt: Vorsprung von Union/FDP stabilisiert sich

  • ZDF-Politbarometer sieht CDU/CSU und FDP bei 51%
  • PLUS: Das Merkel-Wahlkampfteam zum Durchklicken

Einen Monat vor der geplanten deutschen Bundestagswahl hat sich in Umfragen der knappe Vorsprung von CDU/CSU und FDP stabilisiert. Nachdem Mitte dieser Woche bereits drei führende Institute Schwarz-Gelb nach einer Schwächephase wieder in Front sahen, registrierte am Freitag auch die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im jüngsten ZDF-Politbarometer diese Tendenz. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme danach die Union auf 43 Prozent, die FDP läge bei acht und die SPD bei 29 Prozent. Die Grünen und die Linkspartei erhielten neun beziehungsweise acht Prozent.

Schwarz-Gelb hätte also nach dem Politbarometer jetzt 51 Prozent, weil die CDU/CSU einen Punkt hinzugewann. Rot-Rot-Grün sackte dagegen auf 46 Prozent ab, weil die Linkspartei einen Punkt verlor. Die sonstigen Parteien halten weiter einen Anteil von zusammengenommen drei Prozent.

Ansehensverlust für Stoiber
In der Popularitätsskala der wichtigsten Politiker fiel laut Politbarometer ein dramatischer Ansehensverlust des CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber auf. Der bayerische Ministerpräsident, der vor einer Woche noch ein wertneutrales 0,0 einnahm, stürzte auf minus 1,0 ab. An der Spitze steht nach wie vor der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit 1,6 Punkten, gefolgt von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel und Außenminister Joschka Fischer von den Grünen (je 0,8) sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit 0,5 Punkten.

Kanzlerfrage: 47 zu 43 für Schröder
In der Gegenüberstellung von Kandidatin Merkel und Amtsinhaber Schröder wünschen sich jetzt 43 Prozent der Befragten die CDU-Chefin als Regierungschef und Schröder nur noch 47 Prozent. Dabei legte Merkel zwei Punkte zu, Schröder verlor einen Punkt.

Was die Mannschaften beider Spitzenpolitiker angeht, hat die CDU/CSU nach der Vorstellung ihres Kompetenzteams die Führung übernommen. 30 Prozent der Wahlberechtigten glauben, die Union habe das bessere Team, 22 Prozent setzen auf das Kabinett Schröders.

Deutsche wollen Stoiber in Bayern sehen
Verlierer ist auch hier CSU-Chef Stoiber: Einer satten Mehrheit von 70 Prozent wäre es recht, es bliebe im Falle eines Unionssieges in Bayern, nur 26 Prozent sähen ihn lieber in Berlin. Stoiber selbst ließ am Freitag Spekulationen über einen möglichen Wechsel in eine unionsgeführte Regierung von seinem Sprecher zurückweisen. Zunächst solle für den Wechsel gekämpft werden, sagte der Sprecher mit Blick auf Aussagen von CDU-Politikern, wonach Stoiber auch nach einem Wahlsieg in München bleiben werde.

Bei der so genannten Sonntagsfrage werden anders als bei der politischen Stimmung längerfristige Überzeugungen und Bindungen an die Parteien sowie taktische Überlegungen der Wähler stärker berücksichtigt. Die Grünen erreichen hier wie in der Vorwoche neun Prozent und die FDP weiterhin acht Prozent. Die Linkspartei verliert einen Punkt auf nun ebenfalls acht Prozent. In der politischen Stimmung verbessert sich die CDU/CSU um drei Punkte auf 44 Prozent. Die SPD verliert drei Punkte und erreicht nur noch 28 Prozent. Unverändert bleiben die Grünen mit neun und die FDP mit acht Prozent, während sich die Linkspartei auch hier um einen Punkt auf acht Prozent verschlechtert.

Die Forschungsgruppe Wahlen befragte zwischen dem 16. und 18. August telefonisch 1.257 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Nach Angaben der Demoskopen ist die Umfrage repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in ganz Deutschland, wobei die Fehlertoleranz zwischen 2,7 (SPD und Union) und 1,4 Prozentpunkte (FDP, Grüne, Linkspartei) beträgt.

Linkspartei in allen Bundeslämdern zugelassen
Die aus der PDS hervorgegangene deutsche Linkspartei ist in allen Bundesländern zu der für den 18. September erwarteten Bundestagswahl zugelassen worden. Die Landeswahlausschüsse der 16 Bundesländer akzeptierten am Freitag die Landeslisten der Partei, auf denen auch Vertreter der Wahlalternative WASG kandidieren.

Einige Verfassungsrechtler hatten dies als eine unzulässige Listenverbindung von zwei Parteien eingestuft. Dieser Auffassung schlossen sich alle Landeswahlausschüsse nicht an. Sie akzeptierten die Deutung, dass es sich um die Kandidatur der ehemaligen PDS handle, sie sich für andere geöffnet habe.
(apa/red)

19.8.2005 15:11