Papst besucht erstmals deutsche Synagoge:
Historische Visite in jüdischem Gebetshaus
- Aufruf an Christen und Juden für bessere Welt
- PLUS: Die Bilder vom Weltjugendtag in Deutschland!
·BILDER: Der Papst beim Weltjugendtag
Hundertausende junge Menschen feiern & beten
·Papst wurde herzlich in Köln empfangen!
Benedikt XVI. wird von Teens wie Star gefeiert
·1. Rede des Papstes nach der Ankunft!
"Glücklich, mitten unter jungen Menschen zu sein"
·Weltjugendtag: Köln im Zeichen der Kirche
Übersicht: 800.000 Pilger strömen aufs Marienfeld
·Von der Beichte bis
zur Domwallfahrt
Das gesamte Programm des 20. Weltjugendtags
·Ein deutscher Papst zu Besuch in Köln
Benedikt XVI.: Großer Auftritt vor der Jugend
·Papst-Spektakel oder
einfaches Pilgerfest?
Gemischte Gefühle vor Weltjugendtag in Köln
Bei einem historischen Besuch in der Kölner Synagoge hat Papst Benedikt XVI. das gemeinsame Erbe von Juden und Christen beschworen und sie zum gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt aufgerufen. In seiner Rede geißelte Benedikt XVI. den Nationalsozialismus.
Auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus ging er aber nicht ein - anders als es sein Vorgänger Johannes Paul II. in seinem Aufsehen erregenden Schuldbekenntnis "Mea Culpa" und bei seinem Israel-Besuch im Jahr 2000 getan hatte.
Lob von jüdischen Repräsentanten
Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, nach der sich die Zuhörer in der Synagoge stehend Applaus spendeten. "Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Er zeigte sich "tief beeindruckt". Gemeinde-Vorstandsmitglied Abraham Lehrer, Sohn einer Auschwitz-Überlebenden, wies jedoch auf den "immer noch vorhandenen kirchlichen Antisemitismus" hin.
Benedikt XVI. war das erste katholische Kirchenoberhaupt, das eine Synagoge in Deutschland besuchte. 1986 hatte Johannes Paul II. als erster Papst in 2000 Jahren Christentum in Rom ein jüdisches Gotteshaus aufgesucht. Der Besuch in dem jüdischen Gotteshaus, an dem auch mehrere Kardinäle und Politiker teilnahmen, galt als Höhepunkt der Papstvisite außerhalb des Kölner Weltjugendtags. Die jüdische Gemeinde der Domstadt ist die älteste nördlich der Alpen.
Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus
"Unser Blick sollte nicht nur zurück in die Geschichte gehen, er sollte ebenso auf die Zukunft gerichtet sein", sagte Joseph Ratzinger (78) am Freitag bei seinem Synagogen-Besuch. Er gedachte der sechs Millionen Opfer des Holocaust und trat dem Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit entgegen. Der Papst nannte die alttestamentarischen Zehn Gebote "gemeinsames Erbe und gemeinsame Verpflichtung". Juden und Christen sollten praktisch zusammen arbeiten "in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt".
Jüdische Gesänge und Gebete umrahmten die Feierstunde. Am Anfang sprachen Vertreter der jüdischen Gemeinde in Anwesenheit des Papstes das jüdische Totengebet Kaddisch. Gemeinderabbiner Netanel Teitelbaum hielt eine sehr persönliche, religiöse geprägte Rede. Er bezeichnete den Besuch des "hochverehrten Papstes" als "ein Symbol für den Frieden, der auf der Welt herrschen muss - ein Frieden ohne Terror". Als Gastgeschenk überrechte er dem Papst ein Schofar, ein früher im Tempeldienst verwendetes jüdisches Signalinstrument.
Verpflichtung der Kirche für mehr Toleranz
"Im 20. Jahrhundert hat in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu dem, was als die Shoa in die Geschichte eingegangen ist", sagte der Papst. Er betonte auch die Verpflichtung der Kirche, sich für Toleranz der Religionen und gegen Diskriminierung einzusetzen. Dies sei von besonderer Bedeutung, da "erneut Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit" auftauchten, die Grund für Sorge und Wachsamkeit gäben.
Papst Benedikt XVI. nahm Bad in der Menge
Papst Benedikt XVI hat am Freitag Abend vor der Kirche St. Pantaleon in Köln ein Bad in der Menge genommen. Zur Freude der vielen hundert Schaulustigen verließ der Heilige Vater sein "Papamobil" und ging händeschüttelnd zu Fuß zum Priesterseminar. Dabei legte er auch dem krebskranken sechsjährigen Viktor, der einen Mundschutz trug, seine Hände auf den Kopf.
Viele Pilger küssten den päpstlichen Fischerring, fotografierten, riefen "Bravo" und die in Köln schon fast zur Tradition gewordenen "Benedetto"-Sprechchöre.
Messe mit angehenden Priestern
Der Papst hat am Freitagabend einen Gottesdienst mit angehenden Priestern aus aller Welt gefeiert. Mehrere Tausend Seminaristen aus über 80 Ländern der Welt bejubelten bei leichtem Nieselregen "ihren Papst" im Innenhof der Kirche St. Pantaleon, die der konservativen katholischen Gemeinschaft Opus Dei zugeordnet wird. Mehrere junge Männer erzählten öffentlich ihre Erlebnisse, die zu ihrer Entscheidung geführt hatten, Priester werden zu wollen.
In einer rein theologisch gehaltenen Rede betonte Joseph Ratzinger die besondere "Dimension der Berufung" für den Priesterberuf. Dieses "Geheimnis des Rufes" sei der Kern des Priestertums, meinte Benedikt. "Der Seminarist erlebt die Schönheit dieser Berufung", das sein Inneres völlig erfüllt.
Das auch innerhalb der katholischen Kirche umstrittene Gebot der Ehelosigkeit (Zölibat) für Priester erwähnte Ratzinger jedoch nicht. Er ging auch nicht auf die Forderungen nach der Öffnung des Priesteramts für Frauen ein, die bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. eindeutig abgelehnt hatte.
Verteilung von Kondomen erregt Gemüter
Mit der Verteilung von Kondomen als Werbegeschenke haben sich vier Jugendliche den Zorn von Besuchern des Weltjugendtages in Köln zugezogen. Pilger hätten ihnen auf die Hände geschlagen und sie beleidigt oder versucht, den vier die Rücksäcke mit den Verhütungsmitteln zu entreißen.
Die Kondom-Gegner hätten ihnen gesagt, sie fänden es besser, wenn schöne Babys geboren würden, sagte eine an der Verteilaktion beteiligte niederländische Studentin. Die meisten Leute seien sympathisch, einige aber aggressiv. Der belgische Kondom-Hersteller bezeichnete die Aktion auf Nachfrage am Telefon als Beitrag zur Debatte um die Aids-Bekämpfung. Kardinal Karl Lehmann sagte, solche Aktionen gebe es bei allen großen Treffen, sei es von der katholischen oder der evangelischen Kirche.
(apa/red)
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