Geiselnahme in Brüssel ging unblutig zu Ende: Täter konnte überwältigt werden!
- Häftling drohte Ex-Schwiegermutter und -Schwägerin
- Polizei stürmte Wohnung - keine Schüsse zu hören
Nach fast 34 Stunden der Angst hat die Polizei im Zentrum von Brüssel einen bewaffneten Geiselnehmer überwältigt. Der verurteilte Mörder auf Hafturlaub hatte zwei Frauen - seine frühere Schwiegermutter und seine Ex-Schwägerin - in seine Gewalt gebracht. Der Wiederholungstäter wollte nach belgischen Medienangaben das Sorgerecht für seine neunjährige Tochter erpressen, die bei ihrer Großmutter lebt.
Die Befreiung der Geiseln und die Festnahme des 37-Jährigen verliefen unblutig. Zuvor hatte der Mann eine Polizistin angeschossen und mit der Zündung einer Handgranate gedroht.
Der in Frankreich geborene Farid Bamouhammad wird im Milieu nur "Farid der Verrückte" genannt. Schon als Minderjähriger kam er mit dem Gesetz in Konflikt. 1987 wurde er erstmals wegen Raubüberfällen mit Geiselnahme verurteilt. "Im Alter von sieben bis 15 Jahren war ich in Heimen. Danach habe ich 13 Jahre im Gefängnis gesessen", sagte der Kriminelle 1997 vor einem Brüsseler Gericht, das ihn wegen Mordes und Mordversuchs zu 13 Jahren Haft verurteilte. Zwei Jahre später kam er frei und wurde nach Frankreich ausgewiesen, nahm aber kurz darauf seine Familie und seine Tochter erstmals als Geiseln.
Die belgische Öffentlichkeit diskutiert nun darüber, wie ein solcher Verbrecher wiederholt Ausgang aus dem Gefängnis von Arlon bekommen konnte. "Fünf Mal hat der Gefangene in den vergangenen Monaten sein Töchterchen besucht, und es ist stets problemlos verlaufen", sagte der zuständige Direktor im Justizministerium, John Vanacker, der Zeitung "De Standaard". "Wir konnten nicht vorhersehen, dass es beim sechsten Mal schlecht ablaufen würde, sonst hätten wir den Gefangenen nicht gehen lassen."
Erfahrene Kriminalbeamte sehen das anders. Für sie ist "Farid der Verrückte" einer der gefährlichsten Kriminellen des Landes. "Manche Gangster schießen erst und denken dann nach. "Der Verrückte" ist noch schlimmer, er denkt nie nach", sagte ein Fahnder der Zeitung. Die Tat sei nur "eine Frage der Zeit" gewesen. Der Täter hatte schon nach der ersten Geiselnahme seiner Tochter Anfang 2000 in einem Brief an die Zeitung "La Derniere Heure" sein Motiv erklärt: "Ich konnte nicht akzeptieren, dass ich so wenig Kontakt mit meiner Tochter habe. Ich muss ihr meine Liebe zeigen können."
Die inzwischen Neunjährige dürfte nach Expertenansicht ein schweres psychisches Trauma davontragen. Zusammen mit ihrer zweijährigen Cousine, von der es zunächst hieß, sie sei auch eine Tochter des Täters, hielt der Geiselnehmer das Mädchen zu Beginn des Dramas am Mittwochabend fast fünf Stunden in seiner Gewalt. "Ich sehe die Zukunft des Mädchens sehr pessimistisch", sagte der Kinderpsychiater Peter Adriaenssens von der Universität Löwen der Zeitung "Het Laatste Nieuws" angesichts der neuerlichen Tat.
(apa)
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