Donnerstag, 18. August 2005

Schlag gegen Terror: Saudiarabischer Al-Kaida-Chef Saleh al-Awfi in Medina getötet

  • Einer der meist gesuchten Extremisten des Landes

Den Sicherheitskräften in Saudiarabien ist ein weiterer Schlag gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida gelungen. Polizisten töteten am Donnerstag den mutmaßlichen Al-Kaida-Chef auf der arabischen Halbinsel, Saleh al-Awfi, wie es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung des Innenministeriums hieß.

Awfi und ein weiterer Verdächtiger seien bei einer Schießerei in Medina ums Leben gekommen. Der 40-Jährige war einer der meistgesuchten Extremisten im Königreich. Bei dem Einsatz im Westen des Landes erlitten zudem drei weitere Menschen Verletzungen - ein gesuchter Extremist, ein in Saudiarabien lebender Ausländer und ein Polizist, wie es in der Erklärung weiter hieß.

Awfi stand auf einer im Dezember 2003 veröffentlichten Fahndungsliste. Von den 26 dort verzeichneten Verdächtigen ist nur noch der als Extremist gesuchte Taleb al-Taleb flüchtig. Ende Juni veröffentlichten die Behörden eine neue Liste mit weiteren 36 Gesuchten.

Awfi vor Al-Kaida-Mitgliedschaft Gefängnisaufseher
Awfi soll kurz vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 nach Afghanistan gereist sein, um sich Al-Kaida anzuschließen. Die Führung der Al-Kaida in Saudiarabien soll der ehemalige Gefängnisaufseher im Vorjahr übernommen haben. Sein Tod dürfte ein weiterer Schlag für die Extremisten sein, die nach Einschätzung von Experten durch die vor zwei Jahren gestartete Regierungskampagne deutlich geschwächt wurden. Den Experten zufolge dürfte das Al-Kaida-Netzwerk in Saudiarabien äußerst ausgedünnt sein.

Vor dem Einsatz in Medina hatten Sicherheitskräfte in Riad mehrere mutmaßliche Extremisten in einem nördlichen Viertel der Hauptstadt eingekreist und sich mit ihnen ein zeitweise heftiges, vierstündiges Gefecht geliefert. Die Zahl der Getöteten war zunächst unklar. Nach Informationen des Innenministeriums wurde ein Verdächtiger erschossen; Sicherheitskräfte hätten zudem Leichenteile gefunden. Der in Dubai ansässige Satellitensender "al-Arabiya" hatte zunächst von vier Getöteten in Riad berichtet. Später hieß es, zwei Verdächtige seien erschossen worden.

Viertel wurde vollkommen abgeriegelt
Polizei-Hubschrauber begleiteten die Aktion in Riad aus der Luft. Das Viertel al-Massef im Norden der Hauptstadt wurde vollständig abgeriegelt. Das Wohngebiet befindet sich nahe der Großen Moschee, die der neugekrönte König Abdullah wenige Stunden später besuchen wollte. In beiden Städten, Riad und Medina, wurden nach Ministeriumsangaben insgesamt mindestens elf Personen festgenommen.

Die Anti-Terror-Einsätze in Riad und Medina waren die ersten dieser Art seit der Thronbesteigung von König Abdullah am 1. August. Saudiarabien ist seit Mai 2003 Schauplatz einer Reihe von Anschlägen und Attentaten, für die islamische Extremisten aus den Reihen des Al-Kaida-Netzwerks die Verantwortung übernahmen. Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden stammt aus Saudiarabien. Deutschland, die USA, Großbritannien, Kanada und Australien hatten in der vergangenen Woche vor neuen Anschlägen in dem islamischen Königreich gewarnt.
(apa)

18.8.2005 15:44