Papst Benedikt XVI. begeistert empfangen: Zehntausende säumten Kölner Innenstadt
- Rede: 'Müssen Lehre von Johannes Paul II. umsetzen'
- PLUS: Die Bilder vom Weltjugendtag in Deutschland!

·BILDER: Der Papst beim Weltjugendtag
Hundertausende junge Menschen feiern & beten
·1. Rede des Papstes nach der Ankunft!
"Glücklich, mitten unter jungen Menschen zu sein"
·Frere Roger getötet: Weltjugendtag trauert
Bruder Alois will Werk des
Verstorbenen fortsetzen
·Weltjugendtag: Köln im Zeichen der Kirche
Übersicht: 800.000 Pilger strömen aufs Marienfeld
·Von der Beichte bis
zur Domwallfahrt
Das gesamte Programm des 20. Weltjugendtags
·Ein deutscher Papst zu Besuch in Köln
Benedikt XVI.: Großer Auftritt vor der Jugend
·Papst-Spektakel oder
einfaches Pilgerfest?
Gemischte Gefühle vor Weltjugendtag in Köln
Hunderttausende Menschen haben Papst Benedikt XVI. zum Auftakt seiner ersten Auslandsreise in Köln einen begeisterten Empfang bereitet. Bei strahlendem Sonnenschein fuhr Joseph Ratzinger (78) wie ein biblischer Menschenfischer am Donnerstag auf dem Rhein durch die Domstadt. Vom Schiff rief der deutsche Pontifex der jubelnden Menge am Ufer zu, das "außerordentliche spirituelle Erbe" seines Vorgängers Johannes Pauls II. als Verpflichtung zu begreifen: "Nun haben wir alle zusammen die Aufgabe, seine Lehre in die Tat umzusetzen."
In seiner abwechselnd auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch gehaltenen Rede vor 170.000 Menschen rief der Heilige Vater die Jugend zum Glauben auf. "Reißt euer Herz weit auf für Gott, lasst euch von Christus überraschen!" Viele Teilnehmer des Weltjugendtags seien nach Köln gekommen, weil sie unruhig seien über den Zustand der Welt und sich fragten, wo sie Maßstäbe für ihr Leben finden könnten. "Wer Christus in sein Leben eintreten lässt, verliert nichts, - absolut nichts von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, nur in dieser Freundschaft erschließen sich wirklich die großen Möglichkeiten des Menschsein", betonte der Papst. Christus allein schenke der Menschheit Leben in Fülle. "In diesen Tagen lade ich Euch ein, Euch rückhaltlos dem Dienst Christi zu widmen, koste es, was es wolle."
Messe am Sonntag als Höhepunkt
Höhepunkt des viertägigen Papstbesuchs soll eine Messe am Sonntag vor rund 800.000 Gläubigen werden. Am Weltjugendtag nehmen 405.000 Pilger aus fast 200 Ländern teil. Die Veranstalter orderten am Donnerstag weitere Sonderzüge und Busse, um Pilger in die Stadt zu bringen. Dutzende Jugendliche erlitten wegen der Hitze Kreislaufzusammenbrüche. Feuerwehr und Polizei zogen eine positive Bilanz des ersten Tages. Trotz des Massenandrangs in der Stadt habe es keine größeren Zwischenfälle gegeben.
Gebet vor Schrein mit Knochen der Heiligen drei Könige
Nach der Rheinfahrt fuhr das Kirchenoberhaupt aus Sicherheitsgründen mit dem "Papamobil" zum Kölner Dom. Das letzte Stück ging er zu Fuß, begleitet von jungen Menschen mit dem Kreuz des Weltjugendtags. Unter dem Jubel von tausenden Menschen und Chorgesang im Gotteshaus schritt er zum goldenen Dreikönigsschrein und betete als Pilger kniend vor dem Altar. Nach kirchlicher Überlieferung enthält der Schrein die Knochen der biblischen Heiligen Drei Könige, der ersten Pilger des Christentums.
Anschließend segnete Benedikt die 50.000 Menschen vor dem Dom und fuhr im Papamobil durch die Kölner Altstadt zum Erzbischöflichen Haus, wo er während des Besuchs wohnt. Auf dem gesamten Weg winkten ihm Menschen begeistert zu. Für den Papst gilt in Köln die höchste Sicherheitsstufe. Kanaldeckel wurden verschweißt, Brücken zeitweise gesperrt und Flugverbote verhängt.
Papst "voll Freude" über Besuch in Deutschland
Bei seiner Ankunft zum Mittag am Flughafen Köln-Bonn zeigte sich Benedikt XVI. "voll Freude", erstmals seit seiner Wahl zum Papst auf deutschem Boden stehen zu dürfen. Er verzichtete auf die berühmte Geste seines Vorgängers Johannes Paul II., niederzuknien und den Boden zu küssen. Stattdessen ging er an die Absperrgitter zu den Menschen und schüttelte Hände. "Das ist ein großer, ein schöner Tag für uns alle", sagte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler. Hunderte Zuschauer, darunter viele Teilnehmer des Weltjugendtages, klatschten Beifall, machten La-Ola-Wellen und riefen "Be-ne-detto".
Die Begegnung so vieler Jugendlicher beim Weltjugendtag sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche, sagte Benedikt XVI. in seiner ersten Rede am Flughafen. "Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben." Zugleich sei er auch sicher, auch etwas von den jungen Leuten zu empfangen, vor allem von ihrer Begeisterung, ihrer Einfühlsamkeit und ihrer Bereitschaft, sich mit den Herausforderungen der Zukunft auseinander zu setzen.
Zehntausende feiern Weltmusikfestival "Bridging the World"
Nach dem offiziellen Programm und trotz des Rückzuges des Papstes gingen die Feiern der jugendlichen Christen aus aller Welt auch am späten Abend weiter. Im Anschluss an die Willkommensfeier für den Papst bewegten sich am Donnerstagabend mehr als 50.000 Pilger zu Rhythmen aus Serbien, Mexiko, Indien und dem Senegal. Das Weltmusikfestival "Bridging the World" im RheinEnergieStadion und im Mediapark sollte ein Zeichen für Solidarität und Gerechtigkeit in der Einen Welt setzen, sagten die Veranstalter. Acht Musiker aus vier Kontinenten sorgten für Stimmung, darunter ein Kehlkopfsänger aus Zentralasien, der serbische Trompeter Boban Markovic und "The Klezmatics" aus den USA.
Fast 1.000 Einsätze der Sicherheitskräfte
Viele Jugendliche dürften ob des Glaubenserlebnisses auf ihre körperlichen Bedürfnisse vergessen haben. Die Hilfskräfte leisteten beim Weltjugendtag am Donnerstag fast 1.000 Einsätze wegen Kreislaufproblemen. Es wurde erwartet, dass die Zahl am Abend noch steigen wird, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Kreislaufkollaps, Dehydrierung, Überforderung und Übermüdung seien die häufigsten Vorkommnisse. "Die Pilger trinken zu wenig und essen zu wenig und kippen dann um", sagte der Sprecher.
Verkehrskollpas in Köln
Der Kölner Innenstadt bescherten Papstbesuch und Weltjugendtag am Donnerstag einen Verkehrskollaps. Der Hauptbahnhof musste wegen Überfüllung durch abreisende Pilger zeitweise gesperrt werden. Auch die Zugänge zu U-Bahn-Stationen waren in der Gegend um den Dom nicht erreichbar. Große Pilgerströme zogen durch die Straßen, nachdem Papst Benedikt XVI. mit dem Papamobil vom Dom zum Erzbischöflichen Haus gefahren war.
Gar nicht kirchlich: Grüne wollen Kondome verteilen
Die deutschen Grünen wollen beim Weltjugendtag Kondome verteilen. Die Aktion am Donnerstag solle der Forderung nach einem Umdenken der katholischen Kirche bei der Aids-Prävention und der Sexuallehre Nachdruck verleihen, teilte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, in Berlin mit. Angesicht von Millionen Aids-Neuinfektionen sei die Ablehnung von Kondomen unbarmherzig und unverantwortlich, fügte Beck hinzu.
Wer die Prävention der Immunschwächekrankheit behindere oder ablehne, lade Schuld für die Neuinfektionen auf sich, erklärte der Grünen-Politiker. "Der katholischen Sexuallehre gelingt es nicht, Sexualität als gute Gabe Gottes anzunehmen", sagte er.
Weltjugendtag hebt "Zensur" bei Internetzugängen auf
Bisher gesperrte Internetseiten im Pressezentrum des Weltjugendtages (WJT) in Köln werden nach Angaben des WTJ-Büros nach einem "Versehen" voll geöffnet. Ein WJT-Sprecher wies am Donnerstag nach heftiger Kritik den Vorwurf der Zensur zurück. Eine installierte Filtersoftware sollte Seiten mit rassistischem Inhalt, E-Commerce sowie Pornoangebote sperren. Dabei sei die Begrifflichkeit zu eng gefasst worden, sagte der Sprecher.
Es konnten etwa Seiten der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (www.huk.org) oder die des Lesben- und Schwulenverbands (www.lsvd.de) nicht aufgerufen werden. Dies hatte zu heftigem Protest des Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) geführt. "Wir sind doch nicht in China, wo man den freien Zugang zu Informationen im Internet sperrt und kontrolliert", sagte Beck.
(apa/red)
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