Donnerstag, 18. August 2005

NATO-Staat Norwegen lädt Österreich zu engerer Verteidigungszusammenarbeit ein

  • Eine Arbeitsgruppe soll bis Herbst Details ausarbeiten
  • Österreich könnte Verbindungsoffizier entsenden

Das NATO-Mitglied Norwegen will mit Österreich im Bereich Verteidigung und Sicherheit künftig enger kooperieren, als dies bisher der Fall war. Das sagte die norwegische Verteidigungsministerin Kristin Krohn Devold in einem Telefongespräch mit der APA Donnerstag Früh. Krohn Devold sagte, sie habe mit Verteidigungsminister Günther Platter (V) am Vortag zu diesem Zweck die Einrichtung einer bilateralen Arbeitsgruppe beschlossen.

In dieser ministeriellen Arbeitsgruppe sollen laut Krohn Devold bis Herbst Details ausgearbeitet werden. Außerdem vereinbarten die beiden Minister ein terminlich noch nicht fixiertes Folgetreffen in Wien. Krohn Devold lud Österreich ein, wie die beiden ebenfalls neutralen beziehungsweise bündnisfreien EU-Mitglieder Schweden und Finnland, einen Verbindungsoffizier an das Joint Warfare Center (JWC) zu entsenden. Aufgabe der NATO-Zukunftsschmiede im norwegischen Stavanger ist unter anderem die konzeptuelle und doktrinäre Weiterentwicklung der NATO sowie die Modernisierung der Kommandostrukturen.

Krohn Devold sagte, sie sehe viele Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Norwegen sowohl in der Mentalität als auch im Bereich der Verteidigung: " Wir sind beides Bergvölker und haben große Nachbarn", so die Ministerin unter Hinweis auf die historischen "Großen Brüder" Deutschland beziehungsweise Schweden. Sie habe auch festgestellt, dass sowohl das NATO-Land Norwegen als auch das neutrale EU-Mitglied Österreich weitgehend an denselben internationalen Kriseneinsätzen beteiligt seien. Krohn Devold nannte als Beispiele die Einsätze in Afghanistan und auf dem Westbalkan. Außerdem nähmen beide Länder etwa im gleichen personellen Ausmaß an den künftigen EU-Battlegroups teil - Norwegen in einer Gruppe unter schwedischer und Österreich unter deutscher Federführung.

Kontakt mit Platter bei Tsunami-Katastrophe
Mit Platter habe sie anhand der Erfahrungen nach der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember in Südostasien über die zunehmende Vermengung militärischer, ziviler und polizeilicher Aufgaben bei internationalen Kriseneinsätzen gesprochen. Die anlaufende internationale Beobachtermission zur Überwachung des Friedensprozesses in der nordwestindonesischen Provinz Aceh (AMM) sei nicht gesondert zur Sprache gekommen, so Krohn Devold.

Österreich überlegt derzeit eine Teilnahme an der Mission, Norwegen entsendet zehn Beobachter. Von den insgesamt rund 250 Beobachtern haben viele militärischen Hintergrund, da sie unter anderem die Entwaffnung der Rebellen und den Teilrückzug der indonesischen Armee überwachen sollen.

Platter betont Entwicklung der EU-Sicherheitspolitik
Verteidigungsminister Günther Platter betonte bei seinem Besuch in Norwegen mit Blick auf den bevorstehenden EU-Vorsitz Österreichs die Notwendigkeit der Weiterentwicklung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, "die uns in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen" wird. So solle die Europäische Union ähnlich wie in Bosnien-Herzegowina auch im Kosovo mehr Verantwortung übernehmen. "Im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden arbeitet Österreich eng mit der NATO zusammen", so Platter laut einer Aussendung seines Ministeriums.

Zu Afghanistan, wo Österreich wie auch Norwegen derzeit mit einem Kontingent vertreten sind, war sich Platter mit seiner Kollegin Krohn Devold einig: "Wir müssen Erfolg haben". Europa dürfe "sich nicht nur um Stabilität und Sicherheit in Europa kümmern."

Platter traf während seines Aufenthaltes in Oslo auch mit der Armeeführung zu Arbeitsgesprächen zusammen. Inhalt dabei war die Modernisierung und Reform der österreichischen und norwegischen Streitkräfte. "Das norwegische Beispiel zeigt, dass wir in Österreich den richtigen Weg eingeschlagen haben", betonte Platter.

(apa)

18.8.2005 11:29