Donnerstag, 11. August 2005

Luftfahrtzulieferer FACC plant zwei neue Werke: Super-Jets als Umsatz-Turbo

  • NEWS: FACC liefert an Airbus und an Boeing
  • Hannes Androsch könnte größter Eigentümer werden

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC plant zwei neue Werke. Investitionen von 100 Millionen Euro könnten Hannes Androsch (Bild) endgültig zum größten Eigentümer machen. Die beiden Erzkonkurrenten Boeing und Airbus liefern sich eine erbitterte Luftschlacht. Mit neuen Superjets wird derzeit die Schlacht um die Lufthoheit am Weltmarkt zwischen den beiden führenden Flugzeugherstellern ausgetragen.

Während Airbus seinen Superjumbo A380 bereits in die Luft gebracht hat, fliegt der Boeing 787 Dreamliner noch als computergenerierte Animation. Trotzdem wollen die Amerikaner die europäische EADS-Tochter noch überflügeln. Egal wer die Flugzeugnase vorne hat - in jedem Fall freut sich Walter Stephan. Der Vorstandsvorsitzende des hoch spezialisierten Innviertler Flugzeugkomponenten-Herstellers FACC liefert an beide Seiten. Stephan sicherte sich prestige- und umsatzträchtige Aufträge sowohl für den A380 als auch für den Dreamliner.

Umsatzschub. Damit steht Österreichs führender Luftfahrtzulieferer vor dem größten Umsatzschub seiner 16-jährigen Firmengeschichte. Schon bisher konnte Stephan seine beiden Haupteigentümer, die Androsch-Gruppe über die Salinen Austria und den Sportartikelhersteller Fischer, mit hohen Umsatzzuwächsen und guten Gewinnen erfreuen. "Im laufenden Geschäftsjahr werden wir den Umsatz um rund 13 Prozent auf 140 Millionen Euro steigern", kündigt der FACC-Boss im NEWS-Gespräch an. In den darauf folgenden drei Jahren will er den Umsatz aber gleich verdoppeln. "Unser Ziel lautet, 280 Millionen Euro Umsatz in drei Jahren zu erreichen", so Stephan. Mit den Aufträgen für die Superjets kann das auch gelingen.

Neue Werke. Die Kapazität der drei bestehenden Werke in Ried und Reichersberg reicht dafür allerdings nicht aus. "Wir planen derzeit zwei neue Fertigungswerke, eines in Österreich und eines im Dollar-Raum, entweder in Asien oder den USA", erklärt Stephan. Der endgültige Beschluss, das neue österreichische Werk im steirischen Fohnsdorf zu errichten, dürfte dieser Tage fallen. Dort sollen Komponenten für Boeings Dreamliner produziert werden.

"Die Ausgangslage, um dort etwas Neues erfolgreich aufzubauen, ist hervorragend", bestätigt FACC-Aufsichtsratschef Hannes Androsch. Flughafen, Universität, Fachhochschule und HTL befinden sich alle in unmittelbarer Nähe. Die Vision vom Luftfahrtzentrum Obersteiermark, die Androsch schon vor Monaten artikulierte, beginnt damit Realität zu werden. Für die wirtschaftlich nicht gerade verwöhnte Region stellt das neue FACC-Werk, in dem laut Stephan bis zu 250 Arbeitsplätze entstehen, einen handfesten Hoffnungsträger dar. Die Bereitschaft des Landes, das Projekt zu fördern, sollte im Vorfeld der steirischen Landtagswahl am 2. Oktober auch sehr ausgeprägt sein. Die Parteien bringen ihre Fahnen jedenfalls schon in Stellung, um sich den Erfolg für Fohnsdorf auf selbige zu heften.

100-Millionen-Investition. Bevor die Eigentümer die Früchte der neuen Aufträge genießen können, ist allerdings noch ein finanzieller Kraftakt nötig. Gut 100 Millionen Euro an Investitionen wird die FACC für ihr Wachstum in den kommenden Jahren benötigen. Allein 60 Millionen Euro sollen laut Stephan in den kommenden 18 Monaten investiert werden. Rund 40 Millionen Euro kostet das neue Werk in Fohnsdorf. Außerdem plant Stephan Unternehmenszukäufe. Dabei soll es sich einerseits um Firmen in Fernost und andererseits um eine Beteiligung im Autozulieferbereich handeln.

Neue Großprojekte. Weitere 40 Millionen Euro an Investitionen braucht Stephan für zwei neue, große Projekte, die er noch in der Hinterhand hat. Eines davon ist der neue Airbus A350. "Wir könnten zwei Prozent des Produktionsvolumens für dieses Flugzeug liefern", gibt sich der FACC-Chef zuversichtlich. Über das zweite Projekt schweigt er sich noch aus: "Es handelt sich um ein größeres Projekt, aber ich darf noch nicht bekannt geben, ob wir mit Boeing, Bombardier oder Airbus verhandeln."

Eigentümerverschiebung. Fest steht hingegen, dass die massive Investitionsspritze, die FACC jetzt benötigt, zu einer Eigentümerverschiebung führen könnte. Denn bis dato steht nur die Zusage der Androsch-Gruppe, kräftig in die Tasche zu greifen. Diese würde, wenn nötig, die Expansion sogar allein finanzieren. "Wir glauben daran, dass die FACC ihre Chancen nützen wird", lässt Androsch keinen Zweifel, dass er voll hinter dem Unternehmen steht.

Eine Alleinfinanzierung der Androsch-Seite würde allerdings bedeuten, dass es zu einer Verschiebung der Eigentümer kommt. Derzeit halten die Salinen und Fischer je 47,5 Prozent, Firmenchef Stephan ist mit fünf Prozent das Zünglein an der Waage. "Das ist eines der Finanzierungsangebote", bestätigt Stephan. Er ist allerdings davon überzeugt, auch der Fischer-Seite die Expansion schmackhaft machen zu können. "Wir sind mit der FACC bisher schon einen größeren Wachstumskurs gefahren als die beiden Eigentümer in ihren Unternehmen. Die zu erwartende Rendite für das investierte Kapital rechtfertigt die hohen Investitionen", meint Stephan.

Wachstumsmarkt. Die Entwicklung der Luftfahrtindustrie spricht jedenfalls ganz für die FACC. Denn immer mehr Metallbauteile werden bei den neuen Flugzeugen durch Kunststoff-Verbundmaterialien ersetzt. Und genau das ist das Fachgebiet der FACC. Der Innviertler Spezialist entwickelt Faserverbundwerkstoffe für Bauteile (Composite Components), die weit bessere Eigenschaften für die hohen Fluganforderungen aufweisen und dabei noch wesentlich leichter sind als Metall. Die Flugzeughersteller können so das Gewicht ihrer Jets reduzieren - sie sparen damit immer teurer werdenden Flugzeugsprit.

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11.8.2005 10:16