Dienstag, 9. August 2005

Mega-Deal ist jetzt unter Dach und Fach: T-Mobile kauft tele.ring um 1,3 Milliarden Euro

  • 200 bis 300 Mitarbeiter müssen bis Ende 2006 gehen
  • PLUS: Teurere Gespräche durch Handymastensteuer!

Nach der am Mittwoch vertraglich fixierten Übernahme von tele.ring durch T-Mobile wird es im österreichischen Handymarkt künftig zwei nahezu gleich starke Player geben: Marktführer Mobilkom Austria ist mit 3,3 Mio. Kunden einen Marktanteil von 40,7 Prozent nur knapp größer als die nun erstarkte T-Mobile Austria mit rund 3 Mio. Kunden und einem Marktanteil von 37 Prozent. Der Zusammenschluss werde den heimischen Wettbewerb nochmals kräftig anheizen, erstmals sei in Österreich nun "ein Angriff auf die Marktführerschaft" möglich, sagte T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl vor Journalisten.

Die Übernahme des viertgrößten österreichischen Mobilfunkbetreibers ist für die Deutsche Telekom die größte Akquisition seit dem Kauf des US-Mobilfunkbetreiberes VoiceStream (heute: T-Mobile USA) vor fünf Jahren. Die Zustimmung der EU-Kommission und der Telekom Control Kommission zum 1,3 Mrd. Euro-Deal wird bis spätestens Jahresende erwartet, ab 2006 sollen die beiden Unternehmen und Netze zusammengeführt werden. Tarife, Marke und Vorwahl von tele.ring bleiben vorerst unverändert.

200 bis 300 Mitarbeiter müssen gehen
Im Zuge der Fusion werden bis Ende 2006 über die natürliche Fluktuation rund 200 bis 300 bzw. 10 bis 15 Prozent der insgesamt 2.200 Mitarbeiter der neuen T-Mobile Austria das Unternehmen verlassen, kündigte Pölzl an. Die Gerüchte über einen Abbau von 1.000 Stellen seien "absurd". Die niederösterreichische Handymasten-Steuer gefährde den Standort Österreich und die Arbeitsplätze im übrigen wesentlich stärker als diese Firmenfusion. Die tele.ring Geschäftsführung hat kürzlich mit dem Betriebsrat eine gemeinsame Lösung zur begrenzten Absicherung der Arbeitsplätze vereinbart, über die Stillschweigen vereinbart wurde.

300 Mio. Euro Synergien
Käufer der tele.ring ist die Österreich-Tochter der T-Mobile International, finanziert wird die Transaktion aus vorhandenen Barmitteln der Deutschen Telekom. Mit übernommen wurden auch steuerliche Verlustvorträge von rund 150 Mio. Euro, die Synergien durch den Zusammenschluss wurden mit 300 Mio. Euro beziffert. T-Mobile übernimmt tele.ring schuldenfrei, nachdem Verkäufer Western Wireless ein Gesellschafterdarlehen von 95 Mio. Euro beglich. Mit tele.ring werde T-Mobile im Umsatz deutlich zulegen und die Profitabilität verbessern, so Pölzl. Dass die österreichischen Handypreise durch die Fusion sinken, glaubt Pölzl nicht.

Wesentlich bessere Frequenzausstattung
T-Mobile rüstet mit tele.ring das eigene Netz auf und verfügt künftig über eine wesentlich bessere Frequenzausstattung. Bisher habe es vor allem in Vorarlberg, Tirol und Salzburg Frequenzengpässe gegeben, so Pölzl. Für redundante Sendeanlagen will T-Mobile in den kommenden Monaten Käufer suchen. Ob die Marke tele.ring langfristig erhalten bleibt, wollte Pölzl heute nicht sagen - aus wettbewerbstechnischen Gründen und weil die Überlegungen dazu noch nicht abgeschlossen seien. T-Mobile hat bereits 2002 mit der Einstellung der Marke max.mobil mehrere hundert Mio. Euro vernichtet.

tele.ring: 968.000 Mobilfunk-Kunden
tele.ring hatte laut Angaben der Deutschen Telekom per Ende Juni 968.000 Mobilfunk-Kunden, 77 Prozent davon sind Vertragskunden. Der durchschnittlichen monatlichen Kundenumsatz (ARPU) liege bei 39 Euro und damit über dem österreichischen Marktdurchschnitt von rund 35 Euro, hieß es. tele.ring erzielte im ersten Halbjahr 2005 einen Umsatz von 277 Mio. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 80 Mio. Euro. 2004 lag der Umsatz bei 539 Mio. Euro und das EBITDA bei 122 Mio. Euro.

T-Mobile Austria hatte per Ende Juni 2,04 Mio. Kunden. 2004 lag der Umsatz der Tochter der Deutschen Telekom bei 882 Mio. Euro, das EBITDA bei 240 Mio. Euro. Mit tele.ring kommt T-Mobile künftig auf einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und ein EBITDA von 362 Mio. Euro.

Hintergrund für den Verkauf
Hintergrund des Verkaufs von tele.ring war der Verkauf der US-Konzernmutter Western Wireless International an den amerikanischen Konkurrenten Alltel, der sich wie bisher ausschließlich auf den US-Markt konzentrieren will. Die Finalisierung des Verkaufs hatte sich in den vergangenen Tagen auf Grund von Detailfragen mehrmals verzögert.

One über tele.ring-Übernahme erfreut
Der drittgrößte Mobilfunkbetreiber One, ursprünglich selbst Bieter für tele.ring, hat die vollzogene Übernahme von tele.ring durch T-Mobile begrüßt. "Ich freue mich über die Marktkonsolidierung", sagte One-Chef Jorgen Bang-Jensen. One werde von der zu erwartenden Kundenabwanderung bei tele.ring sicher profitieren können. (apa/red)

9.8.2005 10:58