Donnerstag, 11. August 2005

Mörderische Souvenirs aus dem Web: Wer möchte Charles Mansons Haare ersteigern?

  • Auktionen mit Gegenständen von Mördern boomen
  • eBay nimmt makabre Angebote aus dem Sortiment

Haare des inhaftierten Sekten-Mörders Charles Manson, ein Gemälde des 1994 hingerichteten amerikanischen Serienkillers John Wayne Gacy und eine Zahnspange des "Unabombers" Ted Kaczynski - die Erinnerungsstücke an einige der grauenhaftesten Morde in den USA machen derzeit Furore bei Internetauktionen.

Seit eBay derartig makabre Angebote nicht mehr auf seine Seiten lässt, hat sich ein halbes Dutzend Internetseiten auf den Verkauf von "Mörder-Memorabilia" spezialisiert. Mit wachsendem Erfolg: "Morde faszinieren die Leute einfach - sonst gäbe es ja auch nicht die Fernsehshow Crime Scene Investigation", beschreibt Tod Bohannon das Phänomen.

"Erinnerungsstücke" bei murderauction.com
Bohannon organisiert selbst Internetauktionen für Erinnerungsstücke an berühmte Mörder. Auf die Idee kam der 28-jährige Manager einer Logistikfirma im US-Bundesstaat Georgia, weil er selbst derartige Exponate sammelte und sehen wollte, "was andere Sammler so hatten". Seine "murderauction.com" listet um die 800 Souvenirs auf, darunter auch ein Gemälde Gacys, des unauffälligen Familienvaters, der in den siebziger Jahren 33 Männer und Buben umbrachte. Das Bild brachte 10.000 Dollar (etwa 8.000 Euro).

Manson ist der "Star"
Eindeutiger Star seiner Seite aber ist Manson, Chef der sektenartigen "Manson Family", die Ende der sechziger Jahre durch bestialische Morde im Hollywood-Milieu für Schlagzeilen sorgte, darunter vor allem durch die Ermordung von Sharon Tate, der hochschwangeren Frau von Filmregisseur Roman Polanski. Um den seit mehr als dreißig Jahren in Kalifornien inhaftierten Manson ist ein regelrechter Starkult entstanden. So bietet die Internetseite "supernaught.com" eine Skizze des inzwischen 70-Jährigen für 800 Dollar an; die Kopie eines Polaroid-Fotos, verziert mit ein paar Haaren Mansons, soll 100 Dollar wert sein, ein von ihm signierter Brief 300 Dollar.

Erlöse gehen oft an Angehörige der Opfer
Von dem Geschäft mit den mörderischen Souvenirs profitiert inzwischen selbst die amerikanische Justiz. So ordnete ein US-Richter im vergangenen Monat die Versteigerung von persönlichen Gegenständen des Unabombers an, um aus dem Erlös die millionenschwere Entschädigung für seine Opfer zu zahlen. Zu den Angeboten zählten neben Zahnspangen und Schuhen eine Schreibmasche sowie mehrere der langatmigen Briefe Kaczynskis, der 18 Jahre lang ungestört seinen Briefbombenterror ausüben konnte, bevor er 1996 festgenommen wurde.

Im Gegensatz zu den anderen Mörder-Memorabilia kommt der Erlös Kaczynskis Opfern oder ihren Angehörigen zugute. Für die Opfer der anderen mörderischen Stars aber ist der Gedanke an das Geschäft mit ihrem Leiden unerträglich: "Diese Internetseiten sind einfach schrecklich, vor allem für diejenigen, die mit den Angehörigen der Opfer arbeiten", ärgert sich Terry Thornton von der kalifornischen Strafvollzugsbehörde. "Ich finde, Mörder sollten nicht auch noch aus ihren Taten Gewinn schlagen dürfen". (apa/red)

11.8.2005 12:09