Samstag, 13. August 2005

ÖGB-Präsident Verzetnitsch: Kombilohn
kein Allheilmittel - Qualifizierung wichtiger

  • "Geiz ist geil darf nicht das Maß aller Dinge sein"
  • Wichtig sei hingegen eine "ordentliche Lohnrunde"

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch hat seine Skepsis gegenüber einem Kombilohn-Modell bekräftigt. Der Kombilohn sei kein Allheilmittel und eher eine "Beruhigungspille", mit der aber keine Arbeitsplätze geschaffen würden. Notwendig sei vielmehr die bessere Qualifikation der Arbeitskräfte. Zum Thema Lohnpolitik sagte Verzetnitsch in der Radio-Reihe "Im Journal zu Gast" des ORF am Samstag, "Geiz ist geil darf nicht das Maß aller Dinge sein". Wichtig sei eine "ordentliche Lohnrunde", wobei er sich auf keine Zahlen oder Prozentsätze festlegte.

Die Forderung von Industriellenvereinigung-Präsident Veit Sorger, Österreich solle sich bei der Behandlung von Arbeitslosen an Dänemark ein Beispiel nehmen, ist Verzetnitsch nicht unangenehm. Denn laut diesem Modell würden Arbeitslose in Dänemark ein Jahr lang rund 80 Prozent des letzten Lohnes erhalten, in Österreich betrage dagegen die Nettoersatzrate nicht einmal 50 Prozent "und das war der Wirtschaft schon zu hoch". Und wenn Sorger meine, dass in Dänemark Arbeitsunwillige eine Reduktion ihres Arbeitslosengeldes erhalten, könne er dazu nur sagen, dass in Österreich "Arbeitsunwillige überhaupt kein Arbeitslosengeld erhalten, die werden aus der Arbeitslosenunterstützung ausgesperrt". Aber "auf den Tisch mit konkreten Vorschlägen, reden wir darüber".

Was die Arbeitszeitflexibilisierung betrifft, bekräftigte Verzetnitsch, dass damit nicht Überstundenzuschläge abgebaut werden dürfen. "Ich hege den Verdacht, das wird dazu verwendet, Überstundenzuschläge abzubauen und jenen, die Arbeit haben, noch mehr Arbeit zubürden. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen". Insgesamt nannte Verzetnitsch vier Punkte im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit: die Kaufkraft verbessern, die Menschen qualifizieren, die Infrastruktur verbessern und vor allem die Fähigkeiten von Arbeitslosen erhöhen. Was den Kombilohn betrifft, müsse man bedenken, dass hier der Niedriglohnsektor ausgebaut werden könne. Natürlich sei es besser, jemanden zu beschäftigen zu niedrigen Löhnen, als dass er gar keine Arbeit erhalte, "aber ich kann mich doch nicht zufrieden geben, Menschen billige Jobs zu vermitteln".

Keine Antwort gab Verzetnitsch auf die Frage, ob er 2007 neuerlich als ÖGB-Chef antreten werde. Gerüchte, dass er selbst SPÖ-Chef werden könnte, wies er zurück. "Alfred Gusenbauer ist in einem Alter, dass er sicherlich noch lange in der Politik sein wird. Er ist SPÖ-Spitzenkandidat, ich bin gerne ÖGB-Präsident.

(apa)

13.8.2005 13:20