Österreich "streikfreie" Zone: Nur Japaner und Schweizer legen Arbeit seltener nieder!
- Von 1991 bis 2000 "nur" drei Streiktage pro Jahr
- Trend: Globalisierung reduziert Arbeitsniederlegungen
In Österreich spielen Streiks zur Durchsetzung von Forderungen der Arbeitnehmer eine deutlich geringere Rolle als in den meisten anderen Industriestaaten. Mit durchschnittlich 3,8 Streiktagen pro Jahr und 1.000 Beschäftigten rangiert Österreich bei einem internationalen Vergleich an dritter Stelle hinter Japan mit 2 Streiktagen und der Schweiz mit nur 1,5 Streiktagen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des deutschen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor.
Der Vergleich zeigt einen Mittelwert für die Zeit von 1991 bis 2000 der in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Industriestaaten. Deutschland steht mit 9,3 Streiktagen pro Jahr und 1.000 Beschäftigten auf dem vierten Rang, vor den Niederlanden mit 18,3 Streiktagen und Großbritannien mit 23,1 Streiktagen. Wesentlich mehr wurde etwa in den USA gestreikt, die mit 51,3 Streiktagen am zehnten Platz liegen.
Eine Spitzenstellung nimmt in der OECD-Rangliste Kanada ein; dort waren von 1991 bis 2000 pro Jahr im Schnitt 189 Streiktage angefallen. Dänemark folge mit 169,2 Streiktagen, gefolgt von Finnland mit 135,8 Streiktagen, berichtete das zur deutschen Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörende Institut.
Allerdings sei inzwischen international ein abnehmender Trend des Streikvolumens festzustellen, geben die IAB-Forscher zu bedenken. "Arbeitskämpfe sind überall seltener und kürzer geworden", heißt es in der Studie. Die Gründe dafür dürften vor allem in der Globalisierung des Handels und der voranschreitenden Tertiarisierung der Wirtschaft, also der zunehmenden Verlagerung in den Dienstleistungssektor, zu suchen sein.
Das Streikvolumen verhalte sich prozyklisch: In konjunkturell günstigen Phasen werde deutlich mehr gestreikt. Die Globalisierung (gemessen als Anteil der Exporte am BIP) reduziere das Streikvolumen. Ein Anstieg der Exportquote um einen Prozentpunkt verringere das Streikvolumen um durchschnittlich ca. 5 Tage, heißt es in der Analyse. (apa)

