Mittwoch, 10. August 2005

Bank Burgenland-Aufsichtsratschef Herbst geht: "Das war eindeutig ein Politikum"

  • Lässt Zweifel am Verkauf an Mirko Kovats erkennen
  • Zuletzt war Herbsts Vize aus dem Rat ausgeschieden

Knalleffekt beim anstehenden Verkauf der Bank Burgenland an den Industriellen Mirko Kovats: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Christoph Herbst, wird bei der nächsten Hauptversammlung zurücktreten. Zuletzt war bereits sein Vize, Werner Dax, aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden.

Herbst wurde zuletzt massiv von der Landes-ÖVP kritisiert, die ihm eine Mehrfachfunktion bei dem Deal vorgeworfen hatte. Herbst: "Diese Optik ist nicht die beste und ich habe mehrfach darauf hingewiesen. Tatsache ist aber, dass den Deal andere Personen eingefädelt haben und mit der Abwicklung PricewaterhouseCoopers beauftragt ist."

Herbst betonte im Interview mit der "Burgenländischen Volkszeitung" auch, dass er nie in die wirtschaftlichen Verhandlungen mit Mirko Kovats miteinbezogen war. Diese seien vom Büroleiter von Landeshauptmann Hans Niessl (S), Martin Invacsics, geführt worden.

"Sehe keinen Sinn hinter dieser Sache"
Herbst, der im Jahr 2000 Anwalt des Landes beim Bank-Burgenland-Skandal war, lässt auch deutliche Zweifel an einem Verkauf an Kovats erkennen: "Ich habe keine große Freude mit dieser Lösung und habe bis zum Schluss meine Bedenken geäußert." Und: "Ich sehe keinen Sinn hinter dieser Sache. Ich weiß nicht, warum Mirko Kovats diese Bank gekauft hat." Ein Hauptproblem sieht er in der Ausfallshaftung, welche die Bank Burgenland noch immer habe und welche das Land im Notfall übernehmen müsse. "Ich glaube, die Bank braucht für fünf bis sieben Jahre einen erfahrenen Banker, der das gut macht."

Zu den anderen Angeboten sagte Herbst: Mit der litauischen Snoros-Gruppe habe es "intensive Gespräche" gegeben. Allerdings habe es von der Finanzmarktaufsicht keine Genehmigung gegeben. Mit der ELB-Gruppe um Ex-Innenminister Karl Schlögl (S), sei das Geschäft "im Wesentlichen akkordiert" gewesen. Jedoch habe sich das Land zu nichts verpflichtet. Und wie mit Raiffeisen umgegangen worden sei, "ist allerdings kein Stil", so Herbst. Sein Resümee: "Das war eindeutig ein Politikum." (apa/red)

10.8.2005 09:43