Verhandlung Kärnten - Ryanair gescheitert:
Ryanair zieht sich nun aus Klagenfurt zurück
- Gespräche mit neuen potenziellen Partnern begonnen
·Ryanair mit Rekord- gewinn im 1. Quartal
Um 21 Prozent gesteigert.
Prognosen übertroffen
Die irische Billig-Fluglinie Ryanair stellt im Herbst sämtliche Flugverbindungen von und nach Klagenfurt ein. Trotz "intensiver Verhandlungen" konnte man sich nicht auf eine Fortführung der mittlerweile dreijährigen Kooperation einigen, teilte das Land Kärnten am Dienstag mit. Nach einer Alternativlösung wird derzeit noch gesucht.
Die Verhandlungen zwischen der Ryanair und dem Land Kärnten wurden am Dienstag offiziell für beendet erklärt, da es zu keiner Einigung gekommen sei. Die Strecke nach London-Stanstead wird aus diesem Grund am 29. Oktober eingestellt, zwei Tage später wird die Verbindung Frankfurt-Hahn aus dem Flugplan genommen. Bereits vor einem Jahr wurde die Verbindung Klagenfurt-Rom aufgelassen.
Kärnten verhandelt bereits mit neuen Partnern
Das Land Kärnten teilte in einer Aussendung mit, dass parallel zu den Gesprächen mit der Ryanair bereits Verhandlungen mit potenziellen Partner-Fluggesellschaften stattgefunden hätten. Flughafen-Geschäftsführer Johannes Gatterer dazu: "Ich bin überzeugt davon, dass die Detailverhandlungen in Kürze abgeschlossen sein werden und damit die Voraussetzungen für einen nahtlosen Übergang der Flugverbindungen im Sinne des heimischen Tourismus und des Wirtschaftsstandortes Kärnten gegeben sind." Auch setze man nun auf die eigene landeseigene Fluglinie "Carinthian Spirit" als eine "Kärnten-Airline".
"Es ist bedauerlich"
Aus der Sicht des Flughafens ist man überzeugt, mit alternativen Angeboten dem Markt ohne Nachteile und ohne Unterbrechung gerecht werden zu können. "Es ist bedauerlich", so Gatterer, "dass Ryanair das Kärnten-Angebot zurücknimmt, jedoch ergeben sich damit neue Möglichkeiten und Chancen für eine weitere Diversifikation des Flugangebotes von und nach Klagenfurt. In der Zusammenarbeit mit kleineren Fluggesellschaften können Kapazitäten optimal an den Markt angepasst und standortbezogene Bedürfnisse noch besser umgesetzt werden."
"Die Kärnten Werbung wird die Marketingarbeit in Großbritannien fortführen und die hergestellten Kontakte sowohl zu den Endkunden als auch zu den Reisemittlern weiterhin nutzen und aufrechterhalten, damit die positive Entwicklung, die seit drei Jahren auf dem britischen Markt zu beobachten ist, fortgesetzt wird", betont Kärnten Werbung Geschäftsführer Werner Bilgram.
Sicherheitsgebühren und Treibstoffpreise Schuld
Die Verdoppelung der Sicherheitsgebühr ist für Flughafen Klagenfurt-Geschäftsführer Johannes Gatterer die Hauptursache für den Rückzug der irischen Billig-Fluglinie Ryanair aus Klagenfurt. Das Scheitern der Verhandlungen über die Weiterführung des Flugbetriebes sei für ihn aber "keine Katastrophe", sagte er im Gespräch mit der APA am Dienstag. Auch die Ryanair bestätigte die jüngste Regierungsmaßnahme als Grund für den Ausstieg.
Mit vier statt bisher acht Euro müssen Passagiere seit Jänner dieses Jahres an zusätzlichen Sicherheitsgebühren bei Personenflügen rechnen. Erst Ende Juli war diesbezüglich die AUA mit einer Verfassungsklage gegen die Republik abgeblitzt. Für Ryanair Grund genug, sämtliche Verbindungen von und nach Klagenfurt einzustellen, meint zumindest Gatterer. "Der Klagenfurter Markt ist diesbezüglich einfach am kleinsten." Gegen die Konkurrenzflughäfen in Graz, Salzburg, Triest und Venedig sei außerdem nur schwer anzukommen.
Und auch die hohen Treibstoffpreise haben laut Gatterer den Standort Klagenfurt für die Ryanair uninteressant gemacht: "Das bringt bei Billig-Linien natürlich ebenfalls eine wesentliche Verteuerung mit sich." Nun hofft man auf neue Partner, die mehr Flexibilität bei den Kapazitäten zulassen könnten. Gatterer sieht kein Problem für einen "nahtlosen Übergang", egal ob durch die kärnteneigene Linie "Carinthian Spirit" oder durch einen anderen Anbieter. Eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Ryanair in den kommenden Jahren will Gatterer aber ebenfalls nicht ausschließen: "Wir pflegen weiterhin gute Kontakte."
Ryanair-Sprecherin kritisiert österreichische Verkehrspolitik
Caroline Baldwin, zuständige Sales Managerin bei Ryanair, bestätigte die Gründe für den Rückzug und kritisierte zugleich die jüngsten Entwicklungen in der österreichischen Verkehrspolitik: "Zwar ist die Einstellung der Klagenfurt-Verbindungen bedauerlich, doch setzt dieser Schritt ein deutliches Zeichen Richtung Regierung, ihren Flughäfen zu erlauben, auf einer europaweit wettbewerbsfähigen Kostenbasis zu arbeiten."
Der Geschäftsführer der Kärnten Werbung, Werner Bilgram, will den Fall Ryanair in zwei Wochen erledigt wissen: "Es gibt viele Low-Cost-Carrier, die nach London fliegen." Nun gelte es intensiv nachzudenken, wie die Verbindung weitergeführt werden kann. Bilgram: "Auf Grund der starken Kaufkraft britischer Gäste ist auch künftig gerade im Hinblick auf die interessanten touristischen Projekte, wie beispielsweise das Schlosshotel Velden, großes Potenzial gegeben."
(apa)

